Fendi hat einen neuen Schal auf den Markt gebracht. So weit erst mal nicht überraschend – doch etwas an diesem rosa-pelzigen Halswärmer ist anders...und zugleich irgendwie vertraut.

Aber der Reihe nach.

Inspiration  – das ist nicht nur etwas, das dich aus deinem Instagram-Feed heraus dazu bringt, den Alltag mit allerlei verrückten Ideen aufzufrischen (Haferflocken über Nacht einzulegen, zum Beispiel, oder zum Eintragen deiner Mittagessensdates im Kalender fünf verschiedenfarbige Stifte zu verwenden).

Nein, für manche Menschen ist Inspiration ihr täglich Brot. Zum Beispiel Modedesignerinnen und -designer. Tagein, tagaus – beziehungsweise saisonein, saisonaus – müssen die neue Ideen für Klamotten aus dem Ärmel ziehen – und das, obwohl, rein funktional, seit der Erfindung der Adilette das Genre "Bekleidung" eigentlich so ziemlich auserzählt ist.

Auf der Suche nach Inspiration wird deswegen oft in stilfernen Bereichen gewildert (Weltraumexpedition! Safari! Die 90er!). Das Ergebnis sind dann Kleidungsstücke, die selbst mit viel gutem Willen nur eine einzige Saison überdauern.

Anders wird es allerdings diesem Schal ergehen, den Fendi nun auf den Markt gebracht hat. 

Denn dieser Schal wurde von etwas inspiriert, das garantiert niemals aus der Mode kommt. Etwas, das, genau genommen, der Ursprung von ALLEM ist: Dem weiblichen Geschlechtsorgan.

Das Teil kommt in schönstem Hautfarb-Rosa daher, wird in sanften Falten um den Hals gelegt und seitlich von einem Pelzrand umpuschelt.

Du bist noch nicht überzeugt? Dann schau es dir an:

(Bild: Fendi)

Ja, okay. Und jetzt?

An diesem Design-Wunder irgendetwas auszusetzen, liegt uns, als Fans des weiblichen Geschlechts(-organs) und der sexuell-körperlichen Selbstbestimmung, selbstverständlich mehr als fern.

Dennoch möchte wir zumindest einer potentiellen Käufergruppe einen vorsichtigen Warnhinweis mitgeben: den Haarlosen.

Denn derjenige, der sich den Fendi-Schal um den Hals wickelt, wird dadurch unweigerlich zu einem Objekt, das den Kopf aus etwas heraussteckt, das wie eine Vulva aussieht. Eine Situation, in der sich die meisten von uns nur einmal in ihrem Leben wiederfinden – eine Situation, die zufällig mit Haarlosigkeit einhergeht…

Deshalb: Sorry, The Rock. Dir muss dieses neue It-Piece wohl leider verwehrt bleiben.

Mama?

(Bild: Fendi/Getty Images Montage:bento)

Derzeit ist der Schal übrigens nicht mehr im Fendi-Onlineshop zu finden. Ob er schon ausverkauft ist, oder sich das Label auf einmal doch nicht mehr sicher war, ob Genitalien zur Brand Identity passen? Wir bleiben dran.


Gerechtigkeit

G20-Gipfel in Hamburg: Keine Konsequenzen für die Polizei
Zwei Fragen zum Pfefferspray-Vorfall

Während des G20-Gipfels im Juli 2017 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen manchen Demonstranten und der Polizei. Dabei enstand das Bild einer jungen Frau, die auf einem Räumpanzer der Polizei steht während ihr zwei hessische Beamte aus nächster Nähe Pfefferspray ins Gesicht sprühen.

Damals kündigte das hessische Innenministerium in Wiesbaden an, dass der Vorfall ihrer Beamten nachbereitet und gegebenenfalls dienstaufsichtsrechtliche Maßnahmen durchgeführt würden. Nun steht fest: Die Polizisten haben nichts zu befürchten. (Frankfurter Rundschau)

Was war während des G20-Gipfels passiert?

Viele Menschen haben, unter anderem in der "Welcome to Hell"-Demonstration, gegen den Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer und seine Austragung in Hamburg protestiert. Dabei kam es zu zahlreichen Auseinandersetzungen mit der Polizei, sogar Autos und Barrikaden haben gebrannt.

Laut Medienberichten hat die Polizei oft provokativ und eskalierend gehandelt. Das harte Vorgehen sei von der Bundesregierung sogar zumindest toleriert worden. So sind zum Beispiel Polizisten in Zivil bei "Welcome to Hell" mitgelaufen, die sich als gewaltbereite Demonstranten getarnt haben, um eine Auflösung der Demonstration zu provozieren. (SPIEGEL ONLINE)

Es gab sogar eine "Schwarze Liste" mit den Namen von 32 Journalisten, denen die Bundesregierung kurzfristig die Akkreditierung entzogen hat. (Zeit Online)

Der Hamburger Senat berichtet von 155 Ermittlungsverfahren gegen Polizisten, die beim Gipfel im Einsatz waren, 121 davon wegen Körperverletzung. Bis Ende August aber wurde aus keiner dieser Ermittlungen eine Anklage oder ein Strafbefehl. (Frankfurter Rundschau)

So auch der Fall mit der Frau auf dem Räumwagen, Fiona O.

Was sagen Klägerin und Staatsanwaltschaft?

Fiona O. erzählt in einem Dokumentarfilm von Rasmus Gerlach, dass sie damit, dass sie auf den Panzer geklettert ist, "kein Heldentum zeigen" wollte. Sie wollte "die totale Angreifbarkeit, die totale Verletzlichkeit" zeigen, die viele Menschen während des G20-Gipfels erlebt hätten.

Das hessische Innenministerium sehe keinen Grund für ein Disziplinarverfahren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hamburg hätten die beiden Polizisten über den "Einsatz unmittelbaren Zwangs" berichtet. Ob sie zusätzlich vernommen wurden, könne nicht gesagt werden.

Die Staatsanwaltschaft wertet das Handeln der Polizisten als rechtmäßig. Es habe zu dem Pfefferspray-Vorfall drei Strafanzeigen gegeben, die von drei verschiedenen Staatsanwälten geprüft und von allen dreien als rechtmäßig eingeordnet worden seien. (Frankfurter Rundschau)