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Die Tendenz zum Glitzer-Feminismus, der mal sexy und selbstbewusst à la Beyoncé Knowles und mal verspielt als "Girl Power"-Schriftzug auf pinken Sweatshirts daherkommt, wird auch 2017 anhalten. Das ist vor allem Maria Grazia Chiuri zu verdanken, die 2016 als erste Frau überhaupt die kreative Leitung im Traditionshaus Dior übernahm. Auf der Pariser Fashion Week feierte sie ihren Einstand mit einem feministischen Fest auf dem Laufsteg: Ihre T-Shirts mit dem Aufdruck "We Should All Be Feminists" gehörten zu den meistfotografierten Motiven der Modewoche.

Der Slogan ist ein Zitat der nigerianischen Autorin Chimanda Ngozi Adichie, die bei der Show in der ersten Reihe saß und ihre Worte nicht nur auf T-Shirts sehen, sondern auch aus den Lautsprechern hören konnte: Aus denen ertönte nämlich Beyoncé Knowles' Song "Flawless" von 2013, in dem Adichie ebenfalls zitiert wird.

Feminismus ist in der Popkultur wieder allgegenwärtig.

So sieht die Dior-Kollektion aus:

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Dank der bei Dior üblichen hohen Preise wird man im kommenden Sommer zwar nicht Heerscharen junger Amazonen in T-Shirts mit dem Aufruf, Feminist(in) zu sein, begegnen. Online-Shops wie Etsy haben aber jetzt schon Alternativen für die preis- und stilbewusste Frauenrechtlerin im Angebot:

Oberteile mit dem Aufdruck "The Future Is Female" sind dort für weniger als 20 Euro zu haben.

Der Slogan ist ein feministischer Klassiker aus den Siebzigern, der dank eines Instagram-Accounts 2015 ein Comeback feierte. Die Grafikdesignerin Rachel Berks sah die historische Aufnahme und recycelte die Frauenpower-Prophezeiung für eine Kleinstserie T-Shirts. Die Teile waren ein großer Erfolg. Bei der zweiten Auflage griff Annie Clark zu, die damalige Freundin des It-Girls Cara Delevingne. Spätestens da war der Sprung in die Mode-Oberliga geschafft.

Wenn ein Kleidungsstück 2016 feministische Ideen auf den Kopf stellte, dann der Burkini.

Der textilgewordene Albtraum selbst ernannter - und oft männlicher - Bewahrer der weiblichen Freiheit, doch bitte so viel Haut wie möglich zu zeigen. Nach dem Anschlag von Nizza verbot im Sommer eine Stadt nach der anderen an der französischen Riviera den Ganzkörperbadeanzug. In Deutschland mündete die Diskussion in diversen Selbstversuchen von Journalistinnen, die sich mit Burkini ins örtliche Freibad wagten.

Spätestens, als Fotos aus Nizza zeigten, wie bewaffnete Polizisten eine muslimische Strandbesucherin vermeintlich zwangen, ihre Tunika auszuziehen, wurde die Frage laut, was eigentlich sexistischer ist: Den weiblichen Körper unbedingt verhüllen zu wollen oder seine Nacktheit als Symbol der Freiheit zu instrumentalisieren. Für eine hat sich die Debatte jedenfalls gelohnt: Aheda Zanetti gilt als Erfinderin des Neoprenanzugs mit Kopfbedeckung. Die Australierin verbuchte schon kurz nach den ersten Verboten in Frankreich eine rasant steigende Nachfrage – um bis zu 200 Prozent.

Vom Burkini ist es nicht weit zur Burka, die sowieso gern mit allem, was muslimische Frauen so tragen, gleichgesetzt wird.

Also wurde auch wieder über den Klassiker unter den Konfliktstoffen diskutiert: das Kopftuch. Das wurde im September auf der New Yorker Fashion Week als cooles Accessoire inszeniert, als zum ersten Mal überhaupt Models in komplett islamkonformen Outfits über den dortigen Laufsteg liefen. Für diese Premiere erntete die Designerin Anniesa Hasibuan stehende Ovationen und weltweite Schlagzeilen.

Mode, die sich innerhalb religiöser Regeln bewegt, aber dennoch trendbewusst ist, findet nicht nur unter Musliminnen immer mehr Fans, wie das jüdische Label Mimumaxi aus New York beweist. "Modest fashion" nennt sich dieser Trend, der auch 2017 für Diskussionen sorgen dürfte. Nicht nur auf den Laufstegen: Schließlich hob das oberste Verwaltungsgericht Frankreichs das Burkiniverbot wieder auf.

Die Badesaison an der Riviera wird also genauso spannend wie der Besuch im Freibad um die Ecke.

Dieser Artikel ist zuerst bei SPIEGEL ONLINE erschienen.


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