Bild: Nike Laurenz
Wir haben Designer, Blogger und Promis auf der Berliner Fashion Week gefragt
Klischee 1: Die Modebranche wird immer schnelllebiger

Alle vier Wochen hängen neue Klamotten in den Geschäften. Wir kaufen viel und häufig, schmeißen aber genauso schnell auch wieder alles weg. Immer auf der Suche nach neuen Trends.

  • Mode-Bloggerin Nike van Dinther sagt: "Die Modebranche ist ein Spiegel der Gesellschaft und entwickelt sich immer parallel zu dem, wie wir leben." Veränderungen in der Gesellschaft merke man immer zu allererst in der Mode. "Deshalb kann man es der Mode derzeit auch gar nicht so übel nehmen, dass sie einem so ruckizucki vorkommt." So sei es nun einmal in vielen Lebensbereichen.
Nike van Dinther(Bild: Nike Laurenz)
  • Designerin Anja Gockel meint, es gebe auch einen Gegentrend. Denn immer mehr Menschen verspürten den Wunsch, mehr Haltbares zu besitzen.
  • Designerin Lena Hoschek will sich bewusst gegen die Schnelllebigkeit stellen: Sie kreiere trendunabhängig, sagt sie. "Und von sehr sehr hoher Qualität, damit es eben kein Wegwerfprodukt wird." (Was aber natürlich wohl jeder Designer über sein Mode sagen würde.)

  • Anja Gockel(Bild: Nike Laurenz)
    Klischee 2: Die Modewelt vermittelt ein falsches Schönheitsideal

    Dünne Beine, reine Haut, immer jung?

    • MTV-Modeexpertin Wana Limar sieht zwei Seiten: "Die Models, die man auf den Laufsteg schickt, die sind natürlich viel zu dünn, viel zu weiß." Doch wenn man sich die Modeszene an sich anschaue, könne man schon viele unterschiedliche und außergewöhnliche Persönlichkeiten treffen.
    • Mode und Instagram zum Beispiel haben laut Bloggerin Sarah Gottschalk großen Einfluss auf junge Menschen: Sie "fühlen sich zu einem Filter hingezogen, der die Realität gar nicht widerspiegelt".
    Wana Limar(Bild: Nike Laurenz)
    Klischee 3: Die Branche ist oberflächlich

    Bussi links, Bussi rechts, wahre Freundschaften gibt es nicht in der Mode – oder doch?

    • Make-Up-Experte Boris Entrup meint: "Ich habe tolle Menschen kennengelernt. Es ist sehr, sehr viel Arbeit. Das heißt, so oberflächlich kann man gar nicht sein, wenn man wirklich in die Tiefe gehen muss und sich mit einem Thema auseinandersetzt.“
    • Auch Nike van Dinther findet: "Das kann ich nicht bestätigen. Die Menschen, die in der Modebranche arbeiten, die sind wirklich wenig oberflächlich." Zumindest habe sie die Erfahrung gemacht, dass die Leute, die wirklich was zu sagen hätten und sich mit dem Thema beschäftigten, viel vielschichtiger seien als man annehme. "Die haben gute Herzen und sind wahnsinnig intelligent.“
    • Wana Limar widerspricht: "Man ist sehr, sehr schnell am socializen, aber die Bekanntschaften, die man macht, oder die Freundschaften, die man hat, die sind sehr oberflächlich."
    Boris Entrup(Bild: Nike Laurenz)
    Klischee 4: Die Blogger sind die eigentlichen Stars

    Blogger sitzen bei den Shows in der ersten Reihe, sie geben neben Modemagazinen und in ihren sozialen Netzwerken die Trends vor – ihre Fangemeinde wächst und wächst. Zu Recht?

    • "Kein Kommentar", meint Designerin Lena Hoschek dazu.
    • Bloggerin Sarah Gottschalk betont: "Die Designer sind die Stars."
    • Boris Entrup findet: "Jede Bewegung ist relevant." Er sei gespannt, wie sich das entwickele. Manchmal vermisst er in Blogs das Fachwissen: "Natürlich kann ich durch meinen eigenen Geschmack sagen: Das gefällt mir, das gefällt mir nicht. Ich finde es aber viel spannender, wenn ein Mensch einen Background hat." Sich also mit Kunst und Mode befasse und auch wisse, was eine gute Naht sei und wo ein gutes Handwerk dahinter stecke.
    Lena Hoschek(Bild: Nike Laurenz)
    Klischee 5: Laufstegmode ist zu teuer.

    "Das werde ich mir niemals leisten können", denken sich bestimmt viele, wenn sie Bilder von den Modenschauen dieser Welt sehen. Doch das sei nicht zwingend so, sagen Experten:

    • "Es gibt in Berlin viele Designer, die man sich leisten könnte, wenn man verstehen würde, dass man nicht 30 Pullover und 20 Hosen im Schrank haben muss", sagt Bloggerin Nike van Dinther. Man könne 500 Euro für eine Jacke ausgeben, wenn man sie dann auch ein paar Jahre trage.
    • Über die Preise bei Chanel zum Beispiel dürfe man sich nicht wundern, sagt Lena Hoschek. Die Werbemaschinerie, die vielen Angestellten, viele Stores in bester Lage: "Das kostet ein wahnsinniges Geld. Und so gestalten sich die Preise." Wer Chanel tragen wolle, müsse dies in Kauf nehmen.

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