Bild: Sebastian Erras
Sebastian Erras, 28, fotografiert französische Fußböden. Damit bekommt er Tausende Fans - ein paar Schuhe und irgendwann vielleicht ein eigenes Buch.

Filigran bemalte Kacheln, symmetrische Muster und verschlungene Blumen aus Mosaiksteinen: Sebastian findet sie bei seinen Streifzügen durch Paris; in Restaurants, Museen oder den Eingangshallen alter Haussmann-Gebäude. Seit Mai postet er unter @parisianfloors bei Instagram jeden Tag ein neues Bild - und hat damit schon jetzt 24.000 Follower.


Sebastian guckt nach unten - in der Patisserie Claus in der Rue Jean-Jacques-Rousseau.(Bild: Sebastian Erras)
Und in der Bar Bouille in der Rue de Bretagne.(Bild: Sebastian Erras)
Dabei sieht man von Sebastian nichts - außer die Schuhe. Der persönliche Bezug sei wichtig, sagt er. „So sehen die Leute, dass ich wirklich da war. Und dass das keine Fliesen an irgendeiner Hauswand sind.“

Die Rue Montorgueil sieht Sebastian sich gern von unten an.(Bild: Sebastian Erras)
Genau das scheint sich auszuzahlen, und zwar wortwörtlich: Denn seit jedes Foto mehr als 1000 Mal gelikt wird, werden Sebastians Füße für Modelabels immer interessanter. Auf den meisten Fotos trägt er die gleichen Schuhe, schwarz und aus Leder. Fast täglich fragten ihn Leute unter den Bildern, wo sie die Schuhe kaufen können. Da kam ihm eine Idee. Er kontaktierte den Hersteller und schlug ihnen einen Deal vor: Er wollte das Modell unter seinen Followern verlosen. Die sollten im Gegenzug Fotos aus der gleichen Perspektive aus ihrer Stadt schicken. 200 Leute machten mit, das Schuhlabel war begeistert.

Buntes Leben, Sebastian!(Bild: Sebastian Erras)

Seitdem weiß Sebastian, dass seine Followerzahl einen Marktwert hat, den er sich zunutze macht. Denn in Zukunft will er seine Schuhe auf die Böden abstimmen, damit alles noch ästhetischer aussieht. Dazu braucht er Schuhe in unterschiedlichen Farben und Stilen. Kaufen muss er sie nicht. Er sucht sich Schuhe aus und schreibt die Marketingabteilungen der Labels an, die ihm für seine Schleichwerbung nur zu gerne ein Paar in der richtigen Größe zuschicken. Auch eine langfristige Kooperation mit einem der großen Modelabels sei in Arbeit - konkreter wolle er noch nicht werden.

Im berühmten Louvre.(Bild: Sebastian Erras)
Der Mensch, der die Pariser Böden in der ganzen Welt bekannt macht, kommt eigentlich aus Amberg in Bayern und hat BWL studiert. Vor vier Jahren kam er nach Paris, um Französisch zu lernen. Und blieb. Sein Geld verdiente er, indem er Wohnungen für das Übernachtungsportal wimdu.de fotografierte. Wohnungen und vor allem Wohnungseinrichtungen knipst er noch immer, inzwischen allerdings für Privatkunden in ganz Europa.


Ein Zufall machte seinen Instagram-Account so bekannt: Ein Designer-Blog wurde auf ihn aufmerksam und zeigte seine Bilder, am nächsten Tag hatte @parisianfloors 2000 neue Follower. Seitdem ist das Ganze ein Selbstläufer, die Follower und die Medienanfragen kommen von allein, zuletzt haben sogar die US-amerikanische Huffington Post und die italienische Frauenzeitschrift Marie Claire berichtet.

In einem Café am Boulevard de Saint-Germain.(Bild: Sebastian Erras)
Schätzungen gehen davon aus, dass Modemarken im Jahr mehr als eine Milliarde Dollar für gesponserte Instagram-Fotos ausgeben. Wie groß die Bedeutung von Instagram für die Modewelt ist, weiß auch die US-Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour. Bei der vergangenen Pariser Fashion Week veranstaltete sie ein Dinner eigens für den Instagram-Gründer Kevin Syltrom und kommentierte das Ganze für ihre Verhältnisse nahezu enthusiastisch: "Kleider kommen und gehen, aber Paris wird es immer geben, und jetzt wird es auch immer Instagram geben.“

Es gibt Instagrammer wie Chiara Ferragni (28), Danielle Epstein (21) oder Gabrielle Bernstein (22), die Millionen mit ihren Posts verdienen. Epstein war früher im australischen Schwimmnationalteam und ist jetzt Model. Doch erst kürzlich erzählte sie in einem Interview, dass sie mit einem Instagram-Post mehr Geld verdiene als in vier Tagen Arbeit als Model.


Ihr Account hat mehr als 1,2 Millionen Follower. Dem Magazin Harper's Bazaar erzählte sie, sie verdiene mit jedem Foto zwischen 5000 und 15.000 Dollar, das mache mehrere Hunderttausend Dollar im Jahr. Accounts mit mehr als sechs Millionen Abonnenten würden sogar 20.000 bis 100.000 Dollar pro Bild verdienen. Die Fashion Labels zahlen dafür, dass die Amerikanerin Epstein ihre Klamotten, Uhren und Schuhe trägt. Und dafür, dass sie zum Beispiel eine Woche lang die direkte Konkurrenz nicht erwähnt.

Doch es gibt einen Unterschied zwischen den Fashion-Instagrammern und Sebastians @parisianfloors: Sie verfolgen kein künstlerisches Projekt und halten stattdessen einfach ihren ganzen Körper als Werbefläche in die Kamera. "Mich könnten höchstens noch Fliesenleger sponsern, sonst ist da wenig Spielraum“, sagt Sebastian und lacht. Er wolle sein Projekt lieber irgendwann als Buch veröffentlichen.

Sebastians knallbuntes Konzept geht auf.(Bild: Sebastian Erras)
Du willst auch mit Instagram verdienen? So geht's:
  • Regelmäßigkeit ist wichtig, poste am besten jeden Tag mindestens ein Bild.
  • Nur weil du die Fotos bei Instagram hochlädst, müssen sie nicht mit dem Handy gemacht werden. Eine Spiegelreflexkamera liefert höhere Qualität.
  • Mehr Follower kriegst du durch viele Hashtags und Verlinkungen. So steigt die Chance, dass dein Bild von anderen reposted wird, und Unternehmen werden auf dich aufmerksam.
  • Die Reichweite ist entscheidend: ab etwa 10.000 Followern gibt es kostenlose Klamotten von kleineren Labels, ab 30.000 Followern zahlen dir größere Marken Geld für jedes Foto, auf dem ihre Produkte zu sehen sind.
  • Vorsicht - die Werbung hat ihren Preis, Unternehmen stellen Bedingungen: Du musst sie verlinken, bestimmte Hashtags setzen oder die Kleider nach zwei Posts wieder zurückgeben.