Bild: Lili Murphy-Johnson
Es kann schick sein, unten zu bluten. Das will Designerin Lili Murphy-Johnson mit ihrem Schmuck vermitteln.

"Hast du mal einen Tampon?"

"Wir können heute keinen Sex haben. Ich hab meine Tage."

"Schwimmen gehen? Ich bin dann wohl raus. Habe Angst, auszulaufen."

Drei Situationen, in denen es vielen Frauen unfassbar unangenehm ist, von ihrer Menstruation zu sprechen. Sie in alltäglichen Gesprächen zu erwähnen, zu ihr zu stehen. Künstler und Designer aus aller Welt wollen das endlich ändern – und machen mit aufwändigen Projekten auf das Problem aufmerksam.

Als eine der bekanntesten Aktionen gilt die Fotostrecke von Hannah Altman: Die in den USA lebende Künstlerin kippte blutrote Glitzerpartikel in Schlüpfer, um zu zeigen, wie schön und wichtig der weibliche Zyklus ist.



(Bild: Hannah Altman)

Hat sich seit der Aktion von Hannah Altman etwas verändert? Denken wir inzwischen anders über die Menstruation?

Nein, findet die britische Designerin Lili Murphy-Johnson. Sie fordert Frauen auf: Schmückt euch mit eurer Periode. In ihrer aktuellen Schmuckkollektion greift sie die verschiedenen Phasen des weiblichen Zyklus auf: mit einer goldene Slipeinlage als Armreif, einer Brosche aus blutroten Perlen, einem Armband, an dem Tampons und Pflegesalben baumeln.

Wir haben mit Lili über ihre Kunst gesprochen.



(Bild: Lili Murphy-Johnson)
Lili, wieso tust du das?

Meine persönlichen Erfahrungen mit dem prämenstruellen Syndrom PMS* haben mich auf die Idee gebracht, diese Kollektion zu entwerfen. Ich fühle mich in den Tagen vor den Tagen manchmal so schlecht, dass ich nicht richtig arbeiten kann. Mir fällt es dann schwer, mich künstlerisch auszudrücken. Diese Gefühle habe ich aufgearbeitet, während ich den Schmuck entwickelt habe. Außerdem inspiriert mich alles am Körper, das noch nicht vollständig erforscht ist.

*Mit dem Begriff werden leichte bis starke Beschwerden bezeichnet, die manche Frauen in den Tagen vor der Regelblutung verspüren. Symptome dieser Beschwerden sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Heißhunger, Durchfall oder depressive Stimmungen.

(Bild: Lili Murphy-Johnson)
Und wir sollen uns jetzt alle mit goldenen Tampons oder Binden dekorieren?

Ich denke, das wäre mal eine lustige Art und Weise, sich auf etwas zu fokussieren, das wir ständig zu verstecken versuchen. Die Periode ist was ganz Normales, das uns nicht peinlich sein muss. Viele Menschen haben ein komisches Verhältnis zur Menstruation, das muss sich verändern. Habt doch einfach mal Spaß mit euren Tagen.

(Bild: Lili Murphy-Johnson)
Deine Kollektion zeigt verschiedene Phasen des Zyklus. Welche?

Es sind drei Phasen: Der Slipeinlagen-Armreif, das Armband und der Binden-Ring gehören zur Ausrüstung. Dann kommt das Blut selbst: aneinander gestickte Perlen auf Slip und Hemd. Die dritte Phase beschäftigt sich mit all den emotionalen und hormonellen Schwankungen, die Frauen während der Periode durchleben – das soll die springende Halskette symbolisieren.

(Bild: Lili Murphy-Johnson)
(Bild: Lili Murphy-Johnson)
(Bild: Lili Murphy-Johnson)
Würden sich Frauen sowas wirklich kaufen?

Ich habe von den meisten jedenfalls sehr positive Rückmeldungen zur Kollektion bekommen. Aber ja, manche finden es auch falsch oder sogar ekelig, was ich da gemacht habe.

(Bild: Lili Murphy-Johnson)

Lili Murphy-Johnson, 22, verbrachte ihre Jugend in New York City – und ging dann zurück in die englische Heimat, um in London Schmuckdesign zu studieren. Die Künstlerin setzte sich auch in anderen Arbeiten mit dem menschlichen Körper auseinander, sie entwarf zum Beispiel ein Armband aus Zahnspangendraht.

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