Wer sie schon mal durchgeblättert hat, der weiß: Die "Vogue" ist eine Zeitschrift, die aus vielen Seiten Werbung besteht, aus aufwendigen Modestrecken, aus Interviews mit Supermodels, aus Schmink- und Reisetipps für Menschen, die gern Geld ausgeben, auch mal Buchrezensionen.

Und vor allem war die "Vogue" bisher eins: ein Magazin für weiße Frauen.

Der Condé Nast Verlag will das fast 125 Jahre nach Erscheinen der ersten "Vogue" jetzt ändern, zumindest online gibt er sein Magazin seit Kurzem in der arabischen Version heraus.

Das Angebot soll sich an Frauen im Nahen Osten richten, im Frühjahr 2017 soll die erste Print-Ausgabe auf Englisch und Arabisch folgen.

Die arabische "Vogue" auf Instagram – zum Klicken:
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Wir haben uns die arabische "Vogue" angesehen und uns dabei gefragt: Setzt sich das Magazin mit den Themen auseinander, die auch arabische Frauen beschäftigen? Kann man die Seite als einen Erfolg für die Emanzipation arabischer Frauen verstehen?

Die arabische Version unterscheidet sich zumindest zunächst kaum von den anderen Ausgaben: Es gibt ein "Best-of-Fashion-Week", einen Beitrag zur neusten Tasche der Luxusmarke Chanel und "12 Sport-Outfits, die jede Frau braucht". Klingt westlich.

Wer genauer hinsieht, dem fällt allerdings auf, dass die Seite auch Themen behandelt, mit denen sich andere Versionen der Zeitschrift vermutlich nicht auseinandersetzen würden: Unter anderem ist zum Beispiel eine Serie zur Schönheit im Mittleren Osten zu finden.

Ein anderer Artikel erklärt, wie die Haare unter dem Kopftuch gestylt werden können. Und in einem Beitrag erfährt der Leser etwas über arabischen Hip-Hop. Ein bisschen Lebenswelt der arabischen Frau lässt sich also wiederfinden bei "Vogue Arabia".

Online-Auftritt von "Vogue Arabia"

Aber es ist eine Lebenswelt, die nur auf die arabische Oberschicht abzielt – von der Wirklichkeit ganz normaler Muslima zwischen Marokko und dem Oman sieht man nicht viel.

In Saudi-Arabien müssen sich Frauen verhüllen, Autofahren ist ihnen verboten. Gleichzeitig gehen viele studieren und arbeiten, seit dem vergangenen Jahr dürfen saudische Frauen erstmals in Gemeinderäten kandidieren.

Ähnlich sieht es in anderen Ländern aus: Tunesien und Ägypten haben sehr traditionelle und konservative Gesellschaften, junge Frauen können sich an der Uni und im Beruf nur schwer durchsetzen. Trotzdem tun sie es, immer mehr sind Teil einer selbstbewussten Öffentlichkeit. Mit oder ohne Verschleierung.

Wie ein Märchen aus 1001 Nacht

Dieser Spagat fehlt in der arabischen "Vogue": Auf keinem der Fotos ist eine vollverschleierte Frau zu sehen. Das Kopftuch spielt trotz des einen Beitrages eine kleine Rolle, kommt kaum mehr vor.

Das Model Gigi Hadid wird es wohl kaum, wie in der französischen Vogue, nackt aufs Cover schaffen, um Lifestyle-Themen wie Sexualität oder Verhütung wird es vermutlich eher nicht gehen. Bis jetzt dreht sich nur ein Artikel um die Diskriminierung von Frauen, kaum ein Beitrag zeigt Nacktheit.

Stattdessen sieht der Nahe Osten aus wie ein Märchen aus 1001 Nacht.

"Ich fasse 'Vogue Arabia' als Chance auf, neue Formen zu finden und die arabische Frau auf unsere Weise zu feiern", sagt Chefredakteurin Deena Aljuhani Abdulaziz in diesem Interview.

Und: Die muslimische Gesellschaft sei nicht anders als andere Gesellschaften. In einem anderen Interview sagt Abdulaziz, arabische Frauen würden Luxus und farbenfrohe Dinge lieben.

Das klingt viel nach "schön, schön", revolutionär hingegen klingt es nicht.

Damit erscheint das Magazin in einer Zeit, in der eine junge Berlinerin für ein Kopftuch-Emoji kämpft und in der die erste Frau mit Hijab auf dem Playboy erscheint, fast rückwärtsgewandt.

Und es reiht sich ein in die Aufmachung anderer westlicher Frauenzeitschriften auf dem arabischen Markt: Die "Elle" gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren als französische und arabische Nahost-Variante, "Harper's Bazaar" seit neun Jahren.

Viel schön, wenig Revolution

Die "Vogue" könnte im Nahen Osten dennoch wichtigen Stellenwert für arabische Frauen einnehmen, die sich für westliche, aber auch für arabische Marken und Designer interessieren: Auf Instagram erreichte das Magazin innerhalb der vergangenen drei Monate bereits rund 79.000 Follower.

Zu sehen sind auch hier nur starke, selbstbestimmte, vor allem schöne Menschen, die nur wenige Sorgen haben. Das ist typisch für ein Modemagazin – hinterlässt aber in diesem Fall einen schalen Beigeschmack.


Today

Time to say goodbye: Twitter-Nutzer verabschieden sich von Barack Obama
#thankyouobama

Am Mittwochabend landet Barack Obama zu seinem letzten Deutschlandbesuch als US-Präsident in Berlin. Gerade gegen Ende seiner Amtszeit neigt man dazu, Obamas Wirken ein wenig zu glorifizieren. Während seiner Amtszeit sind viele neue Jobs entstanden, er hat den Friedensnobelpreis gewonnen und die Reformierung des Gesundheitssystems in Angriff genommen.

Anderseits ist die US-Wirtschaft keineswegs im Aufschwung und Obama geht als Präsident mit den meisten Kriegstagen in die Geschichte ein.