Es gibt Models mit Übergewicht, Models mit deutlichem Scham- und Achselhaar, es gibt Models mit körperlichen Behinderungen, mit Schwangerschaftsstreifen, mit nur wenig Make-Up, ohne Make-Up, mit Pigmentstörungen. Es gibt Instagram-Accounts, auf denen sich junge Frauen inszenieren – aber es gibt auch #PrettyGirlsUglyFaces und #IAmFlawsome. Jeder ist schön, auch der Nachbar von nebenan, wir alle, so die Aussage vieler Kampagnen und Designer der vergangenen Jahre.

Nur eines gab es noch nicht: Laufstegmodels mit Gesichtern voller Pickel.

Genau die zeigte der malaysische Designer Moto Guo jetzt bei der Fashion Week in Mailand. Models mit roten Pusteln, entzündeten Mitessern, aufgekratzten Hautstellen, kleinen eitrigen Wunden. Das ist schön – oder zumindest sehr ansehnlich, transportiert Moto Guo mit seiner Show.

So sehen die Models von Moto Guo aus:
1/12

Was die Frauen und Männer am Körper tragen – Klamotten, die an Schulhof, Pfadfindertreffen und Schlafanzug erinnern: interessiert niemanden mehr. Man guckt ihnen ins Gesicht, starrt auf die unebenen Hautpartien und die glänzenden Stellen, Pickel für Pickel.

Moto Guo hat die Models nicht schminken lassen, stattdessen ließ er ein Team von Maskenbildnern anrücken, die, zusätzlich zur vielleicht bereits natürlich vorhandenen Akne, Unreinheiten und Wunden in den Gesichtern erschaffen sollten.

Die Idee ist nicht neu: Die deutsche Agentur "Misfit Models" sucht beispielsweise explizit nach Models mit Makeln, sie gibt "dir die Chance, mit deinem Charakter, deinen sämtlichen Ecken und Kanten, du selbst zu bleiben". Der Moderiese American Apparel stellte Schaufensterpuppen in Bikinis aus, denen schwarze Haarbüschel aus dem Schambereich wuchsen. Viele Modemagazine zeigen regelmäßig auch Fotostrecken mit Plus Size-Models.

Bei Moto Guo dient nun also Akne als neue Provokation. Der Titel der Show: "Picnic In The Society". Ein Picknick in der Gesellschaft also sollte es werden, ein Ausflug ins Reich der Menschen. Schaut, aus was sie gemacht sind, wirklich gemacht sind, diese Säugetiere aus der Ordnung der Primaten, das scheint Moto Guo appellieren zu wollen: Sie sind aus Fleisch und aus Blut, aus Bakterien. Und, vor allem, sie sind nicht glatt, sauber und gleich, sie haben Entzündungen.

Eine weitere Aktion, die uns daran erinnern soll, dass es in unserer Gesellschaft mehr gibt als die Sorte von Mensch, die auf den meisten Instagram-Accounts präsentiert wird? Oder ist das der Versuch eines verzweifelten Designers, Aufmerksamkeit zu erregen?

Offensichtlich reicht es nicht, einfach nur Pfadfinder-Klamotten in Mailand zu präsentieren.

Es müssen noch Pickel her, die auf diese Klamotten hinweisen und sie absetzen von dem, was in den vielen anderen Shows der Modewochen dieser Welt gezeigt wird.

Eine der Verpickelten übrigens, die für Moto Guo liefen: Christiane. Man kann sie auf Instagram besuchen. Ihr Profil zeigt fast nur Selfies. Christiane mit Freundinnen, Christiane mit angewinkelten Beinen, Christiane im weißen Kleid am Strand. Bei allen Fotos denkt sich der Betrachter mit großer Wahrscheinlichkeit: Die ist ja traumschön. Schön geschminkt, auch mit wenig Make-Up hübsch, hat immer einen guten Blick, ist perfekt – und ich nicht.


Grün

Dieser Abi-Jahrgang hat seine Schule komplett zugeklebt – gut so

Abistreiche haben meistens nur eine Mission: für möglichst viel Chaos am letzten Schultag sorgen. Der Abijahrgang des Gymnasiums im bayrischen Kirchseeon entschied sich hingegen für eine nachhaltige Botschaft.

Die Schüler haben das komplette Schulgebäude mit 11.520 Blättern Papier zugeklebt ("Münchner Merkur"). Was erst mal nach Verschwendung klingt, ist in Wahrheit Recycling: Für die Aktion hatten die Schüler zwei Jahre lang Papier gesammelt, das sie während des Unterrichts verwendet hatten. Ausgedrucktes, Kopiertes, Beschriebenes.

So sieht die beklebte Fassade aus: