Vergiss alles, was du 2007 im Salsa-Kurs gelernt hast.

Das Gesicht in die Armbeuge gedrückt, der andere Arm parallel dazu gerade weggestreckt: Eine Bewegung, die wir seit Monaten immer wieder beobachten, kommt gerade im deutschsprachigen Raum an.

Da, wo in den frühen Zweitausendern Gabber zu Hardtechno schranzten (YouTube), dabben heute sportswear-begeisterte Mittzwanziger. Laut Urban Dictionary ist Dabbing "a type of dance when one crosses one arm diagonally across their chest and the other arm is straight and diagonally extended outwards from their body". So, als ob jemand einen Tick zu enthusiastisch in den Ellbogen niesen würde.

Gedabbt wird vor allem auf New School Hip-Hop-Partys. Kaum ein Dancefloor, der nicht von Trap dominiert wird. Ein Musik-Subgenre, das durch Acts wie A$AP Ferg, Dreezy, Gucci Mane aber auch Haiyti und Juicy Gay bekannt wurde und so in den Mainstream gelangte – und mit ihm das Dabbing. Inzwischen ist Trap so verbreitet, dass manche Künstler es für nötig halten, ihre Alben vorsichtshalber mit dem Siegel "trap-frei" zu versehen.

Woher kommt Dabbing?

Dabbing kommt ursprünglich aus der Hip-Hop-Szene Atlantas. Wer genau den Move erfunden hat, ist – wie so oft – unklar. Die Antwort liegt irgendwo zwischen den Rappern Migos, seinem Label-Kumpel Peewee Longway, Skippa Da Flippa und Rich The Kid.

Vergangenen September releaste Migos seinen Track "Bitch Dab", Rich The Kid erklärte den Move in einem knapp zweiminütigem YouTube-Tutorial: "Now everbody is dabbin’ though, dabbin is really just like the way you carry yourself, the way you swaggin’." Das Video zählt 1.800.000 Aufrufe.

Endlich gibt es eine Bezeichnung für die spastischen Zuckungen deiner neuen Lieblingsrapper

"Die Bewegung ist ziemlich einfach", schreibt die "Sports Illustrated". Dabbing wird nicht nur mit Niesen, sondern auch mit dem quasi beiläufigen Ziehen von Kokain in Verbindung gebracht.

Deutschsprachige Künstler wie LGoony, Yung Hurn oder Hustensaft Jüngling stört die druggy Assoziation nicht. Sie bedienen sich schon seit Beginn ihrer Karrieren frei am Repertoire der US-amerikanischen Vorbilder.

Innerhalb eines Jahres avancierten sie mit Bucket-Hats, Goldkettchen, XXL-Ralph-Lauren-Shirts und zuckenden Armbewegungen von Nobody’s zu gefeierten Szene-Kids – und gleichzeitig meistgehassten Personen im deutschen Rap-Game.

Was bedeutet der Begriff "Dabbing"?

Noch vor zwei Jahren verwendeten manche Rapper den Begriff synonym zu "swaggy", da die Verwendung eines Cannabisextrakts in Form von Öl oder Wachs auch als Dabbing bezeichnet wurde.

Erst Migos, OG Maco und Peewee Longway (Quality Control Label) machten "Dabbing" zu einem Move mit eigener Begriffsdefinition.

Wer macht es noch?
(Bild: gettyimages.de / Grant Halverson )

Rapperinnen, Tennis-Spieler, Golfer und professionelle Tänzer. Der bekannteste Quarterback der NFL, Cam Newton, dabbt nach seinen Touchdowns, auch Basketballspieler LeBron James machte Dabbing vergangenes Jahr populär. Der Hype war geboren.

Und jetzt?

Loslegen. Das vielleicht Beste am Dabbing: Es ist nicht schwer. Weder muss man fürs "Dabbing" einen sechsmonatigen Tangokurs besuchen, noch braucht man Taktgefühl.


Wer zu impulsiven Bewegungen neigt, sollte trotzdem vorsichtig sein. Sonst sieht man am Ende so aus:

Cam Newton hat mittlerweile in einem Radiointerview über erste Anzeichen einer Sucht gesprochen: "Ich muss damit aufhören."

Schade, eigentlich.


Food

Wenn du dich über Veggie-Produkte aufregst, bist du wahrscheinlich ein Idiot
"Ich mach mir doch auch keine Gurke aus Hack!"

"Krabben", "Hühnchen" und "Lachsfilet" stehen im Kühlregal. Die Anführungsstriche signalisieren mir: "Hey, das ist nur im übertragenen Sinne gemeint!" Denn die "Krabben" sind aus Yamswurzelpulver, die "Hühnchen" aus Sojaeiweiß und der "Lachs" aus Sojafasern. Daneben stehen noch "Chorizo", "Pizzaschmelz" und "Schnitzel".

Ich packe alles in den Einkaufswagen und freue mich.

Die Geschichte könnte hier zu Ende sein, ich könnte einfach in Ruhe nach Hause gehen, und mein "Fleisch" genießen. Das kann ich aber nicht, weil mir irgendjemand garantiert wieder auf die auf die Nerven gehen wird.