Wie es sich anfühlt, wie eine Influencerin unterwegs zu sein

Es passiert nicht oft, dass berühmte Influencer und ich den selben Tagesablauf haben. Genau genommen sind unsere Leben meistens extrem unterschiedlich.

Doch am vergangenen Wochenende waren Instagram-Star Caro Daur und ich am selben Ort und auch noch für das selbe Event: die MTV European Music Awards in London.

Grund genug für eine Challenge: Ich soll die Insta-Story von Caro nachstellen. Das kann ja was werden...

Als ich am Samstagmorgen aufwache, fühle ich mich schrecklich. Das liegt nicht an Caro oder der Challenge, sondern an einer fiesen Erkältung, die über Nacht heimlich die Kontrolle über meinen Körper übernommen hat und mir jetzt offenbar mit einem Gummiknüppel immer wieder auf den Kopf haut. So zumindest fühlt es sich an. 

Perfektes Timing. Ich schaffe es schon im gesunden Zustand fast nie, auf Fotos vorteilhaft auszusehen. Und Caro Daur sieht immer ungefähr so aus:

Beim Kaffeetrinken gucke ich meistens eher mürrisch, bis das Koffein wirkt.
Ich weiß nicht mal, an welcher Art von Ort man so ein Foto machen könnte.
Ganz normaler Herbstspaziergang. Mit hochhackigen und offenen Sandalen (oder wie auch immer man diese Schuhe nennt).
Ich würde mich tatsächlich freuen, wenn jemand mal so ein Bild von mir machen würde. Profilbild für den Rest meines Lebens.
Hey, wir wohnen beide in Hamburg! Viel mehr Parallelen haben unsere Leben aber auch nicht.
Frida Kahlo! Oder so.
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Der Vergleich zwischen ihr und mir würde mich normalerweise nicht in meinen Grundfesten erschüttern, aber heute ist nun mal meine Aufgabe, Caros Instagram-Story nachzuahmen und das ist nicht leicht. Denn sie postet dort ungefähr alle halbe Stunde, das haben meine Beobachtungen der vorigen Tage ergeben. 

Caro Daur hat auf Instagram 1,2 Millionen Follower, ich etwa 250. Sie postet Glitz und Glam, ich mal Urlaubsbilder und mal einen lustigen Vogel, der mich amüsiert hat. (Hier ist er.)

Es gäbe also durchaus Aufgaben, die für mich leichter wären.

Ich quäle mich aus dem Bett und fange mit einem Programmpunkt an, den ich normalerweise auf den spätest möglichen Zeitpunkt am Tag verschiebe oder auch gerne mal ganz weglasse: schminken. Also meine Version davon. Die Erkältungsnase etwas weniger rot machen und ein bisschen Mascara, fertig. 

So und jetzt? Ich habe Hunger und fotografiere einfach mal mein Frühstück. In diesem Fall macht das sogar etwas her, weil ich halt ausnahmsweise mal in einem schicken Hotel wohne und nicht in zu Hause Müsli löffele. "Richtig gut vorbereitet", lobe ich mich innerlich und warte auf Caros ersten Essenspost des Tages.

Doch der kommt nicht. 

Genau genommen passiert den kompletten Vormittag gar nichts in Caros Insta-Story. 

Ich schaue mir also nochmal ihre Posts vom Vortag an. Denn da hatten wir aus Versehen genau den selben Tagesablauf, obwohl wir uns nie begegnet sind:

Ein erster Blick auf die Bühne der MTV EMAs (links mein Bild, rechts ihres):
Spaß mit den Promi-Schildern:
Blick in Catering-Bereich der Stars (man beachte das Schwein bei ihr im Hintergrund):
Später dann Shopping im Nobel-Kaufhaus Selfridges (ich habe mir nur die Deko angeguckt, sie hat mit It-Girl-Freundinnen eingekauft):
Dann später ein U2-Konzert auf dem Trafalgar Square angeschaut:
Und dann wie die Loser am Samstagabend um 23.30 Uhr im Bett gewesen:
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Influencer sein ist einfacher als gedacht. Herumgeführt werden, ein paar Bilder posten – das war's.

Ich frage mich, ob die Kritiker nicht recht damit haben, wenn sie sagen, das sei gar kein richtiger Beruf. Ich hatte zumindest lange keinen so entspannten Arbeitstag mehr.

Dann passiert es. Als ich mich gerade an meinen gemütlichen Tag gewöhnt habe, ploppt auf einmal Caros rundes Profilbild ganz vorne in meinen Stories auf: ein neuer Post. Sie ist auf dem Weg zu einem Flohmarkt. Alles klar, ich bin bereit.

Gammeln und dann Flohmarkt – mir gefällt dieses Influencer-Leben.

Allerdings ist es natürlich kein normaler Flohmarkt, sondern der von Supermodel Toni Garrn. Die veranstaltet nämlich zufällig an diesem Wochenende in London den sogenannten "Supermodel flea market", für den Tonis Model-Freundinnen in regelmäßigen Abständen ihre Kleiderschränke ausmisten und die Klamotten für einen guten Zweck verkaufen. (Mehr Infos gibt's hier.

Na gut, das unterstütze ich doch auch gerne. Ich fahre zum Londoner Covent Garden, einer schnieken Shopping-Gegend und stöbere in den Klamotten von Gisele Bündchen und Naomi Campbell. Nicht ganz meine Größe, also kaufe ich am Ende eine Mütze. Immerhin ist es verdammt kalt und windig. 

Normalerweise würde ich mich jetzt samt Mütze auf den Heimweg machen, aber ich muss das ganze ja noch für "meine Fans" dokumentieren. Und was macht mein Leben besonders beneidenswert? Selfies mit berühmten Menschen. 

Hach, na gut, da hinten steht Toni Garrn höchstpersönlich und redet gerade mit ein paar Mitarbeiterinnen. Ich warte so auffällig daneben, dass sie mich irgendwann beachten muss, frage sie etwas zu ihrer Stiftung und bitte zuletzt um ein gemeinsames Foto. Zum Glück ist sie sehr freundlich und sofort dabei. 

Mein Insta-Fame ist gerade um ein Vielfaches gestiegen.

Danach passiert erstmal wieder eine Weile nichts bei Caro. Gut für mich, denn ich muss mich für die Awards fertig machen. Genau das tut Caro vermutlich auch gerade, also passt das.

Wir fahren beide nach Wembley, wo die Show stattfindet – Caro in einer Limousine, ich im Pressebus. Bei ihr ist Party, bei uns machen manche noch schnell ein Nickerchen, andere  tippen auf dem Laptop herum. Nicht sehr insta-würdig, außerdem müssen wir schon aussteigen, also lasse ich das Posting gezwungenermaßen aus. Mist.

Eine Stunde später: Roter Teppich. Hier werden sich unsere Wege kreuzen. Nur getrennt von einer Barriere, die Teppich von Linoleum und berühmt von unwichtig separiert. 

Doch bevor Caro Zeit für mich hat, macht sie erstmal ein paar Rote-Teppich-Selfies. Auf einmal ist auf ihrem Account sehr viel los. Ich probiere ein bisschen herum, sehe aber statt rich and famous eher aus wie ein aufgeregtes Eichhörnchen. Keine Zeit zum Perfektionieren. Ich komme bei ihren ganzen Videos ohnehin gerade nicht hinterher.

Dann kommt Caro den Roten Teppich hinunter auf mich zu, begleitet von einer MTV-Managerin. Ich werde nur begleitet von meiner Schniefnase, versuche aber möglichst professionell mein Equipment zu sortieren. 

Meine drängendste Frage: Was hat sie heute vor 12 Uhr gemacht? "Da habe ich geshootet", sagt sie – für Instagram versteht sich. Während ich also rumgelegen und gedöst habe, ist Caro mit einem Fotografen durch die Stadt getingelt und hat die nächsten Posts vorbereitet. Von wegen chillen. 

Von meinem Projekt ist Caro überrascht und leicht irritiert, ist aber bereit, mir ein paar Tipps für meine Instagram-Karriere zu geben: viel posten, mit den Fans interagieren und nicht zu Profi – ein Spiegelselfie tut's auch mal. 

Hier könnt ihr die ganze Story ansehen:
"Nicht zu Profi"

Die Gefahr besteht aktuell zum Glück bei mir nicht. Zum Schluss fragte ich Caro noch, was sie denn tut, wenn sie mal krank ist oder einfach einen freien Tag bräuchte – so wie ich heute. "Dann sage ich das einfach meinen Followern und poste danach erstmal nichts", sagt sie. 

Besonders häufig scheint sie diese Variante allerdings nicht zu nutzen: Am nächsten Morgen steht sie nach schlappen zwei Stunden Schlaf schon wieder auf, fährt zum Flughafen und hat am selben Nachmittag ein aufwendiges Mode-Shooting in Mailand (weiß ich von Instagram). Vor London war sie je einen Tag in München und Berlin, der nächste Trip wartet, die Posts müssen kommen.

Schließlich wollen die Fans immer an ihrem Leben teilhaben.

Wenn ich allerdings – so wie Caro – ständig nur wenige Stunden Schlaf bekommen würde, dann wäre es für niemanden eine Freude, an meinem Leben teilzuhaben. Ich werde dann grummelig und leicht graugrün im Gesicht. Keine Bereicherung. Also wähle ich lieber die vorgeschlagene Option, sage euch "ich brauche jetzt einen Tag frei" und poste erstmal gar nichts mehr.


Queer

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