Bild: Instagram/Theo Vanity
Hier erzählen die deutschen Insta-Stars, warum sie sich schminken.

Theo hat sich schon im Kindergarten geschminkt. "Da war schon immer so ein Verlangen", sagt er. Damals fand das niemand seltsam. Erst in der Grundschule haben die Jungs komisch geschaut. Inzwischen ist der Münchner 18 Jahre alt und benutzt jeden Tag Make-up.

Im Monat gibt er 100 bis 150 Euro für Beautyprodukte aus. "Ich liebe das einfach", sagt er. "Immer, wenn etwas Neues herauskommt, klopft mein Herz, und ich kann es kaum erwarten, es auszuprobieren." Theo kauft sich dann meist gleich das Make-up, die Foundation oder etwas für die Hautpflege. "Ich will wissen, wie das funktioniert, wie das an mir aussieht."

Theo (@theo.vanity) gehört zu einer immer größer werdenden Community von Männern, die sich schminken und ihr Können auf Social-Media-Kanälen zeigen. Bei vielen begann der Wunsch, Make-up auszuprobieren, bereits im Kinderzimmer. Erst benutzten sie heimlich die Lippenstifte und Wimperntuschen ihrer Mütter und kauften später selbst Produkte. Sie schauten sich Tutorials von anderen männlichen Make-up-Künstlern auf YouTube an - und fühlten sich bestärkt.

Irgendwann offenbarten sie sich ihren Familien, Klassenkameraden und Freunden. "Als ich in die zehnte Klasse kam, haben mich meine Mitschüler total unterstützt und vor anderen verteidigt", sagt Theo. Auch seine Familie sei sehr tolerant.

Hat Theo ein komplettes Make-up aufgetragen, ist er kaum wiederzuerkennen. Er ähnelt dann den Models in Hochglanzmagazinen. Viele Leuten würden ihn mit Barbie vergleichen, sagt er, seitdem sei sie eine Inspiration für ihn. Über seinem Bett hat er sogar ein Bild von ihr hängen. Doch Theo zieht sich nicht weiblich an. Er trägt skinny Jeans mit Hoodie und DocMartens. Das gebe einen schönen Kontrast zum Make-up, sagt er. Mit seinen Looks hat Theo Erfolg: Auf Instagram haben ihn schon 11.600 Leute abonniert.

In München wird er meist auf der Straße oder in der U-Bahn von anderen angestarrt. Einmal rief ihm jemand "Schwuchtel" hinterher, ein anderer schrie: "Wie kann man nur so aussehen?" Theo ignoriert das. "Wenn ich antworten würde, würde das nur eskalieren."

Theo schminkt sich aus Leidenschaft. Auf seinem YouTube-Kanal Theo Vanity zeigt er, wie er das macht.
Wenn sich Theo komplett schminkt, dann verwendet er eine ganze Palette an Beautyprodukten. Die Lieblingsfarbe des Münchners ist rosa und rosé-gold. Dennoch versucht er, sich meist ganz locker zu kleiden.
Luca aus Oberhausen schminkt sich seit ungefähr zwei Jahren. Seine Mutter ist Kosmetikerin, daher sei er schon früh mit Make-up in Berührung gekommen.
Die Augenbrauen zupft er sich schon lange. "Wenn ich das nicht machen würde, würden sie in alle Ecken und Enden wachsen", sagt er.
Marvyn ist von Wilhelmshaven nach Berlin gezogen. "Berlin ist ein Ort, wo man nicht so das Gefühl hat, dass man verurteilt wird", sagt er. Hier könne er so rumlaufen, wie er wolle.
Auf Instagram folgen ihm bereits 392.000 Leute. Er sei einer der Ersten gewesen, die mit seinen Looks Reichweite bekommen haben.
Auch das kann er: Marvyns Make-up zu Halloween.
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Kosmetikunternehmen sehen großes Potenzial in Männern, die sich schminken. Auf ihren Social-Media-Kanälen lassen sie sie für ihre Produkte werben. Ein Deal, der sich lohnen dürfte. Der Influencer Patrick Simondac (@PatrickStarrr) aus den USA etwa hat bereits 4,3 Millionen Follower auf Instagram und lässt sich regelmäßig mit Mitgliedern der Kardashian-Familie fotografieren.

In den USA sind bereits weitere Beauty Boys gut im Geschäft: Manny Gutierrez (@MannyMua733) etwa, der 4,7 Millionen Abonnenten hat und als erster Mann zum Protagonisten einer Maybelline-Kampagne geworden ist. James Charles Dickinson (@jamescharles) hat 4,9 Millionen Follower und wirbt für Covergirl, eines der größten US-Kosmetikunternehmen, vor ihm taten das Katy Perry und Taylor Swift. Und Jeffree Star (@jeffreestar) bringt es auf 5,9 Millionen Follower.

Für Luca (@makeup.by.luc) aus Oberhausen (2500 Follower) ist es noch ein weiter Weg bis dahin. Der 19-Jährige macht gerade Abitur. Für die Schule trägt er meist nur ein bisschen Concealer und Highlighter auf. Aber seine Mitschüler kennen ihn auch komplett geschminkt. Er sagt, dort habe niemand ein Problem damit, die Lehrer interessiere das überhaupt nicht. Nur einmal habe eine Lehrerin gefragt, wie er "diesen rosigen Teint" hinbekommen würde.

Auch zum Abiball will Luca ein komplettes Make-up auflegen, es soll ein Drag-Make-up sein. Dafür braucht er eineinhalb bis zwei Stunden. "Schminken fasziniert mich einfach." Es gebe so viele Möglichkeiten. "Am liebsten kaufe ich mir Lidschatten-Paletten, Highlighter, Puder oder Cremes. Wenn ich einmal damit anfange, kann ich kaum noch aufhören." Wie viel Geld er im Monat dafür ausgibt, weiß er nicht genau - das hänge davon ab, wie viel er gerade zur Verfügung hat.

Neben der Schule arbeitet Luca als Visagist und berät vor allem Frauen. "Man sieht ja an meinem Gesicht, was ich kann." Er kann sich nicht vorstellen, jemals mit dem Schminken aufzuhören. Es gebe immer neue Looks und neue Trends. "Ich fange gerade mit Drag an", sagt er und fügt hinzu, er sei aber nicht so der tropische Vogel, der auf Pink und auf Einhörner stehe.

Im Gegensatz zu Dragqueens, die in die Rolle einer Frau schlüpfen, gibt es inzwischen viele Männer wie Theo, die sich zwar schminken, aber nicht als Mädchen oder Frauen wahrgenommen werden wollen. Patrick Simondac alias Patrick Starrr etwa erklärte, er werde immer wieder gefragt, ob er ein Mann, eine Frau oder ein Junge sein wolle. Seine Antwort: "Ich bin ein Mann."

Auch Marvyn (@marvynmacnificent) schminkt sich - sehr knallig, mit verschiedenen Farben rund um die Augen und auf den Lippen. Mit seinen Looks hat er schon 392.000 Abonnenten auf Instagram gesammelt - und ist damit einer der führenden männlichen Beauty-Blogger in Deutschland.

Der 25-Jährige aus Wilhelmshaven trug bereits in der Grundschule schulterlange Haare und Schlaghosen. Schon damals musste er sich blöde Kommentare anhören. "Meine Schulzeit war sehr schwierig", sagt er. In der neunten oder zehnten Klasse habe er aber die richtigen Freunde gefunden, mehr Selbstbewusstsein bekommen. Auch seine Eltern bestärkten ihn darin, sich so zu entfalten, wie er wolle.

Inzwischen wohnt Marvyn in Berlin und verdient sein Geld als Influencer, davon könne er gut leben, sagt er. Er hat sogar schon eine eigene Lidschatten- und Puder-Palette herausgebracht und seine Mutter hole sich auch regelmäßig Ratschläge bei ihm.

Auch die Mutter von Theo aus München bittet ihren Sohn um Tipps, schminkt sich aber dezent - ein bisschen Wimperntusche, ein bisschen Rouge. "Es wäre auch komisch, wenn sie sich so schminken würde wie ich."


Dieser Text ist zuerst bei SPIEGEL ONLINE erschienen.


Gerechtigkeit

Airbnb meldet jetzt Vermieter an den dänischen Staat – und kann sich das auch in Deutschland vorstellen
Schluss mit Steuern sparen.

Wer seine Wohnung auf Airbnb anmeldet, soll auch Steuern zahlen. Das verlangen vor allem die Finanzbehörden vieler Länder. Auch der deutsche Staat bemüht sich gerade, an die Daten der Airbnb-Vermieter zu kommen. Die Dänen sind seit Donnerstag einen Schritt weiter. Airbnb hat ein Abkommen mit der dänischen Steuerbehörde unterzeichnet. In Zukunft wird das Unternehmen automatisch die Einnahmen aller aktiven Vermieter melden. (Taz)

Warum ist das wichtig?

  • Es wird nicht mehr möglich sein, das Versteuern der Einnahmen zufällig zu "vergessen".
  • Die Wohnung mal bewusst eben "schwarz" zu vermieten ist auch nicht mehr ratsam.
  • Außerdem muss Dänemark keine Umwege mehr gehen, um an personenbezogene Daten zu den Vermietern zu kommen.