Bild: dpa/ Peter Tschauner

Wer einmal die Südtribüne im Stadion von Borussia Dortmund betreten hat, wird das sein Leben lang nicht vergessen: 24.000 Menschen grölen mit dir, der Boden unter deinen Füßen bebt und nach dem entscheidenden Tor duscht du mit Bier. Ausnahmezustand.

Die gelbe Wand, wie sie es hier nennen: Ein Ort des Zusammenhalts, des Teamgeistes.

Aber nicht immer nur ein Ort für friedliebende, weltoffene Menschen.

Denn unter den vielen BVB-Anhängern gibt es Einzelne, die rechtes Gedankengut verbreiten und gewaltbereite Fußballfans. Erst am vergangenen Samstag veranstalteten Hooligans und Rechtsextreme eine Kundgebung mit hunderten Teilnehmern in Dortmund. (derwesten.de).

Wie reagierte der BVB darauf? Mit einem Facebook-Video, das bereits mehr als 1,7 millonenmal angesehen und fast 18.000-mal geteilt wurde. Die Botschaft: "Fußball und Nazis passen einfach nicht zusammen." In dem satirischen Video, das bereits zwei Jahre alt ist, versuchen Anhänger der rechten Szene, krampfhaft Fußball zu spielen. Am Ende verjagt sie der Schäferhund, sie rennen sich gegenseitig um oder werden vom Ball mitten ins Gesicht getroffen:

(Bild: Ausschnitt aus der BVB Kampagne gegen Rechts)

Anfang der Woche dann die nächste Debatte: Ein kleiner, 1.300 Mitglieder starker Fanclub namens "BVB-Freunde Deutschland" gab bekannt, sich vorerst nicht mehr gegen Rechts engagieren zu wollen. Der Grund: Drohbriefe, Hassmails, Einschüchterungsversuche aus der rechten Szene. (derwesten.de)

Was ist los beim BVB? Wie groß ist das Problem mit der rechten Szene? Wir haben mit der Fanabteilung des BVB gesprochen.
Wie sehr werden Fans eingeschüchtert?

Die Meldung "Der Fanclub 'BVB-Freunde Deutschland' will sich nicht mehr gegen Rechts engagieren" sorgte bei Verein und Fans für Aufregung. Müssen Anhänger des Vereins, die sich gegen Rechts engagieren, Angst haben?

Der BVB reagierte auf seiner Facebook-Seite und stellte sich hinter den Verein: "Wir nehmen die Bedrohungen sehr ernst und dulden keine Einschüchterung. Borussia steht hinter den betroffenen Personen. Gemeinsam mit vielen Beteiligten steht der BVB aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung."

Es ist ein kleiner Verein, der so große Aufmerksamkeit bekommt. Er ist nicht wirklich repräsentativ für die Dortmunder Fanszene und den Kampf gegen Rechts. Langjährige Fans des BVB wundern sich: Den Namen "BVB-Freunde" hätten sie schon einmal gehört, ansonsten sei der Verein ihnen "gänzlich unbekannt". (derwesten.de/ Stellungnahme des Fan-Projekts)

"Ich persönlich habe im Stadion noch niemanden von denen gesehen", sagt Torsten Schild, Vorsitzender der Fan- und Förderabteilung, einer offiziellen Abteilung des BVB. Das hieße nicht, dass man die Bedrohung nicht ernst nehme. "Aber mir ist wichtig zu betonen: Unsere Arbeit gegen Rechts geht weiter."

Was macht die BVB Fan- und Förderabteilung?

Die Fan- und Förderabteilung des BVB setzt sich für die Interessen der Vereinsmitglieder. Sie ist eine eigenständige und ehrenamtlich geführte Abteilung des BVB e.V. mit 16.000 Mitgliedern ein. Der Verein arbeitet eng mit den offiziellen Fanbeauftragten des Vereins zusammen. Ebenso tauscht sich die Abteilung mit dem Fan-Projekt Dortmund aus. Schwerpunkt der Arbeit: Konflikte, die rund um Fußballgroßveranstaltungen entstehen, lösen und Straffälligkeit von jungen Menschen zu verhindern. Das Land NRW, die Stadt Dortmund und die Deutsche Fußball Liga (DFL) finanzieren das Fan-Projekt Dortmund.

Wie groß ist das Problem mit der rechten Szene in Dortmund?

Dortmund gilt als einer der Hochburgen der rechten Szene in Deutschland. Einige Anhänger tummeln sich auch unter den Fans des Vereins. Unter rund 80.000 Fans im Stadion seien schätzungsweise fünf bis zehn Prozent Anhänger der rechten Szene, schätzt Torsten Schild, wenn er sich aktuelle Wählerverteilungen anschaut. "Das ist sehr bedauerlich." Seit Jahrzehnten hat der BVB mit gewaltbereiten Fans zu kämpfen. Eine Chronologie.

  • In den Achtzigern ist die sogenannte Borussenfront für ihre Gewaltexzesse bekannt. Ein Gesicht, Siegfried Borchardt, schaffte es 2014 als Spitzenkandidat der Partei Die Rechte in den Dortmunder Stadtrat und trat nach zwei Monaten zurück. (SPIEGEL ONLINE)
  • Unregelmäßig tauchen diskriminierende Banner im Stadion auf. 2012 steht auf einem Plakat: "Lieber eine Gruppe in der Kritik, als Lutschertum und Homofick" (derwesten.de).
  • 2013 griffen rechtsradikale Hooligans zwei Fanbeauftragte des BVB an. (SPIEGEL ONLINE)
  • Ende Mai beim Pokalfinale: Fans sollen antisemitische Gesänge angestimmt haben. (WDR)
  • Zurzeit macht eine Gruppe namens "0231 Riot" (Vorwahl der Stadt) dem Verein zu schaffen. Es soll sich um etwa rund 60 Männer handeln, die andere Ultras und Fans mit körperlicher Gewalt drohen. In einem Interview bei SPIEGEL ONLINE spricht ein anonymer BVB-Fan über die gewaltbereite Gruppe. Gegnerische Fans sollen mehrfach von den Anhängern angegriffen worden sein. Zeugen trauen sich oft nicht, gegen sie auszusagen.
Wie kämpfen der Verein und die Fans gegen Rechts?
Ein Zeichen gegen Rechts setzen, wenn die Aufmerksamkeit am größten ist: Immer wieder hängen Banner von Verein und Fans im Stadion
2015 starteten die BVB-Fan- und Förderabteilung, das Fan-Projekt Dortmund e.V. und die Fanbeauftragten von Borussia Dortmund eine Bierdeckelaktion.
In den Kneipen der ganzen Stadt verteilten Verein und Unterstützer die Pappuntersetzer mit der Aufschrift:
"Rassismus und rechtes Gedankengut versteckt sich manchmal hinter Stammtischparolen. Wir wollen dafür sensibilisieren", sagt Torsten Schild.
Regelmäßig werden Fahrten zu Gedenkstätten angeboten. "Wir wollen gerade jungen Fans zeigen: So etwas darf nie wieder passieren", sagt Schild.
Das BVB-Merchandising mit klarer Botschaft:
Die BVB-Fan- und Förderabteilung hat neben einer Hobbymannschaft auch ein Flüchtlingsteam.
Im Stadion zeigen auch die anderen Teams Haltung:
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Wie geht's jetzt weiter?

Seit drei Jahren setzt sich der BVB verstärkt gegen die Probleme mit Rechten ein, geht offen mit dem Thema um. Zurückhaltung und Angst vor Imageschäden prägten die Jahre zuvor.

"Wenn jemand sagt: 'Politik gehört nicht ins Stadion' ist das falsch. Wir müssen uns nun einmal damit auseinandersetzen", sagt Schild. "Wir tun schon viel, aber mehr geht immer."

Jeder einzelne Fan müsse für das Thema sensibilisert werden. Das fange schon im Stadion an. "Erst unterhält man sich nett mit seinem Nebenmann. Eine Minute später hält er ein Banner mit rechten Parolen hoch", sagt Schild. "Diese Menschen müssen wir ausschließen."

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