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Es gibt ein Leben nach dem Sport!

Phil "the Power“ Taylor ist 55 Jahre alt. In seiner Disziplin gehört er zu den zehn Besten der Welt. In den vergangenen zwei Jahren hat er über 600.000€ an Preisgeldern eingenommen. Wenn er nicht noch auf die Idee kommen sollte, sein gesamtes Vermögen in Bubble Tea Aktien zu investieren, hat er fürs Leben ausgesorgt.

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Phil Taylor ist Dartprofi. Sein Alter spielt in seinem Sport – bei dem bis 1989 auch während Meisterschaften Bier getrunken wurde – kaum eine Rolle.

In anderen Sportarten ist der Zenit dagegen früh überschritten: Schwimmer sind mit 21 am schnellsten, Läufer mit 26. Selbst beim Schach geht es nach dem 31. Lebensjahr bergab (Wired). Mit Mitte 30 ist fast überall Schluss. Einige Sportler sind dann schon so reich, dass sie nie wieder arbeiten müssen. Für alle anderen heißt es Umsatteln.

Boxer verkaufen Grills, Fußballer Kokosraspeln

Viele bleiben im Sport-Business, werden Trainer, Funktionäre, Kommentatoren oder leiten – wie Christoph Metzelder – eine Agentur für Sportmarketing. Andere machen etwas ganz anderes. Arnold Schwarzenegger war der erfolgreichste Bodybuilder seiner Zeit. Dann war er Conan (der Barbar), der Terminator und der Kindergarten Cop. 2003 wurde er Gouverneur von Kalifornien. George Foreman war zweimal Schwergewichtsweltmeister im Boxen. Seit 1994 macht er ein Vermögen mit einem fett-reduzierendem Grill, einer Art Waffeleisen für Fleisch, von dem sich inzwischen über 100 Millionen Exemplare verkauft haben.

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Anders als Foreman fallen viele Sportler nach dem Karriereaus jedoch in ein finanzielles Loch. Nicht jeder "Ewige Held“ (VOX) hat ewig Geld: Selbst Großverdiener verblasen ihr Vermögen schnell für ihren extravaganten Lifestyle. Ein Viertel aller Bundesligaspieler steht nach der Fußballkarriere vor dem Ruin (Welt).

Zweitkarrieren von Ex-Profis gibt es auf dem Twitter-Account @exprofis zu bestaunen. "In den 1970er Jahren war die Lotto-Toto-Annahmestelle der klassische Arbeitsplatz für Ex-Profis, in den 1980er Jahren das Sportgeschäft, in den 2000er Jahren war es der Betrieb einer Soccerhalle; und inzwischen steht der Spielerberater hoch im Kurs. Und Versicherungsmakler geht eigentlich immer“, sagt der Betreiber Thorsten Schaar.

Ex-Handball-Nationalspieler Ulrich Roth ist seit 1997 Manager der Band PUR. Thomas Berthold, Fußball-Weltmeister von 1990, wirbt für Bio-Kokos-Produkte.

Nach dem Spiel ist vor dem Nichts

Kaum ein Sportler hört freiwillig auf – die Umstellung ist schwer: Keiner fragt dich mehr nach einem Autogramm; deine Tage sind nicht mehr durchgetaktet, du musst sie selbst mit Sinn füllen; keine Ranglisten pushen dein Selbstbewusstsein; niemand massiert dir die Waden. Das Ende einer Sportkarriere kann dieselben psychischen Reaktionen auslösen wie der Verlust eines geliebten Menschen – Verdrängung, Verzweiflung, Wut, Depression – bis hin zur letztendlichen Akzeptanz des Unvermeidlichen (Guardian).

Auf dem freien Arbeitsmarkt kann die Sportlervergangenheit dazu ein echter Nachteil sein. Zwar haben Spitzensportler nicht automatisch schlechtere Abschlüsse – der ausgeprägte Ehrgeiz solcher Menschen ist selten allein dem Sport vorbehalten, sondern wirkt sich meist auf alle Lebensbereiche aus. Aber Spitzenathleten konzentrieren sich eben für Jahre fast ausschließlich auf die sportliche Karriere. Sie machen weniger berufliche Praktika und haben selten Zeit für ausgedehnte Auslandsaufenthalte. Obendrein sind sie älter als ihre Mitbewerber – auch das ist selten ein Vorteil.

"Wenn man sich meinen damaligen Lebenslauf ansieht, wäre ich – trotz Einser-Abschluss – nicht so konkurrenzfähig gewesen wie der BWL-Student von der Top-Uni mit drei Praktika und zwei Semestern in den USA oder Australien," sagt auch Vera-Carina Elter, selbst Jugend-Europameisterin und dreifache deutsche Tennis-Jugendmeisterin.

Ranglistenerster mit Sekundärtugenden

Seit anderthalb Jahren gibt es sogar eine Praktikumsbörse (Dub) speziell für Spitzensportler, bei deren Start auch hochrangige Politiker anwesend waren. Thomas de Maizière, der als Bundesinnenminister auch für den Sport zuständig ist, sprach z.B. über die Vorzüge von Spitzenathleten in der Wirtschaft: "Die bringen vielleicht nicht aus dem Stand die Fachkenntnisse mit. Aber die bringen etwas mit, was im Laufe eines beruflichen Lebens immer wichtiger wird: Wir nennen das Sekundärtugenden.“

(Bild: Giphy )

Vera-Carina Elter, inzwischen Partnerin bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG, weiß genau, was Leistungssportler einem Unternehmen bieten können: "Ehrgeiz und Disziplin, hohe Leistungsfähigkeit bzw. die fortwährende Bereitschaft, aus Rückschlägen zu lernen und immer weiter an sich zu arbeiten.Dazu kommt eine Motivation, die an den Herausforderungen der freien Wirtschaft nur noch weiter wächst.

Allerdings betont auch Elter, wie wichtig es ist, schon während der aktiven Sportlerlaufbahn an die Zeit danach zu denken. Eine Ausbildung muss nicht zu den sportlichen Zielen in Konkurrenz stehen. Unter Umständen kann sie in Schlüsselsituationen sogar den Unterschied machen: "Das Wissen um eine berufliche Absicherung im Falle des Scheiterns gibt in diesem Moment die nötige Lockerheit,“ erklärt Prof. Sascha Schmidt, Autor von "Kollege Spitzensportler. Chancen für Wirtschaft und Athleten“.

Es gibt nur einen Rudi Völler

Sich Gedanken zu einem Plan B zu machen, ist also auf jeden Fall eine gute Idee. Dabei hilft die Erkenntnis, dass auch die tollsten Erfolge kein Garant für eine gesicherte Zukunft sind. Es kann auch nicht jeder in seinem Sport der Beste sein. Es gibt nur einen Rudi Völler, und unter vielen talentierten Tennisspielerinnen, die damals die Schule verlassen haben, hat nur Steffi Graf den Weg an die Weltranglistenspitze geschafft. "In jungen Jahren weiß man häufig noch nicht, wie wichtig ein zweites Standbein ist. Umso wichtiger ist es, dass Eltern und Trainer oder Laufbahnberater für den jungen Sportler mitdenken,“ sagt Vera-Carina Elter.

Es sei denn natürlich, der junge Sportler ist Dartprofi. Dann einfach nur Prost.

(Bild: Giphy )

Kundeninformationen

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Vera-Carina Elter, Partnerin im Bereich Deal Advisory bei KPMG:

"Sportlicher Erfolg und eine gesicherte berufliche Zukunft müssen einander nicht ausschließen. Heute ermöglichen Unternehmen beispielsweise Berufseinstiege in der aktiven Sportkarriere oder unterstützen Mentorenprogramme. Denn die einzigartigen Kompetenzen von Leistungssportlern sind zu wertvoll, um ungenutzt zu bleiben."

KPMG gehört zu den weltweit führenden Netzwerken von Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen. Die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist in Deutschland mit etwa 9.800 Mitarbeitern an mehr als 20 Standorten aktiv. Die Möglichkeiten bei KPMG sind genauso vielfältig wie die Menschen, die schon jetzt bei uns arbeiten. Dabei setzen wir uns für die individuelle Karriereentwicklung ein und haben stets die persönlichen Bedürfnisse sowie das Potenzial im Blick. Indem wir unseren Mitarbeitern größtmögliche Flexibilität einräumen, erleichtern wir nicht nur Sportlern die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit. Entdecke, welche Möglichkeiten Du hast, und lerne uns kennen.
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