Egal ob Bundesliga oder Kreisklasse – jede Fußballmannschaft will gewinnen. Dafür trainieren die Spieler mehrmals die Woche, laufen kilometerweit über das Spielfeld und schimpfen über den Schiri.

Doch manchmal gibt es Dinge, die mehr zählen als der sportliche Ehrgeiz: Freundschaft zum Beispiel.

Das zeigte nun der TSV Wallenhorst IV aus der dritten Kreisklasse Nord B in Niedersachsen. Die Mannschaft hat einen sehr treuen Fan: den 30-jährigen Jens Bockgrawe. Am liebsten würde er selbst auf dem Platz stehen, doch Bockgrawe sitzt seit seiner Kindheit im Rollstuhl. Muskeln im Rücken haben sich nicht richtig ausgeprägt.

Jetzt überraschte ihn sein Team im letzten Saisonspiel: Sie ließen Bockgrawe mitkicken. Und er schoss auch noch ein Tor. Ein Besucher filmte die Szene beim Spiel Ende Mai und veröffentlichte das Video bei Facebook.

Wir haben mit dem Trainer Christian Crone über die Aktion gesprochen:
(Bild: Privat)
Wie kam Jens Bockgrawe zu eurem Verein?

Unsere vierte Mannschaft hat sich erst vergangene Saison gegründet. Jens besuchte von Beginn an jedes Heim- und Auswärtsspiel, wenn es möglich war, und grölte so laut wie kein anderer am Spielfeldrand. Er hat Kumpels in der Mannschaft und seine beiden Schwager spielen nun auch für unser Team.

Mir war von Anfang an daran gelegen, dass er nicht nur ein Fan ist. Für uns ist er der Teambetreuer. Beim Training, den Aufwärmeinheiten, in unserer WhatsApp-Gruppe, den Mannschaftsabenden – überall ist er dabei. Und wenn die Räume nicht behindertengerecht sind, tragen wir ihn eben.

Er hat es schon schwer genug in seinem Leben. Wir versuchen, für ihn ein Stück Normalität zu schaffen.

Wie habt ihr die Aktion geplant?

Ich bin gegen Mitte der Saison auf die Idee gekommen, weil ich immer gesehen habe, wie er am Spielfeldrand mitgefiebert hat. Wenn wir eine Chance vergeben, würde Jens am liebsten aufspringen und selbst den Ball reinhauen. Warum eigentlich nicht, dachte ich. Ich beriet mich mit seinem Schwager und den Eltern. Wir waren uns alle einig: Das ist etwas, das er nie vergessen wird. Wir haben dann heimlich einen Spielerpass beim DFB für ihn organisiert und natürlich ein Trikot.

Wie lief der Spieltag ab?

Er wusste bis fünf Minuten vor Anstoß nichts. Der Schiedsrichter und das gegnerische Team von Blau-Weiß Hollage – unser Derby-Gegner – waren auch gleich einverstanden. Wir haben Jens gesagt, dass wir ein Mannschaftsfoto mit ihm am Mittelkreis machen wollen. Dann hat unser Stadionsprecher die Mannschaftsaufstellung vorgelesen – inklusive Jens.

Erst dann wusste er: Ok, ich werde gleich Fußball spielen. Nachdem er gleich in der ersten Minute – natürlich mit etwas Hilfe – das Tor geschossen hatte, hat er nur noch gestrahlt. Das Tor wurde auch ganz offiziell gewertet.

Es ist ein Beitrag zur Inklusion.
Wie wichtig war euch das Ergebnis an diesem Tag?

Total egal. Auch unseren Gegnern. Wir haben 5:3 gewonnen, sind fünfter in der Liga geworden. Für uns ging es schlicht darum, einem Mannschaftskollegen eine Freude zu bereiten. Es ist ein Beitrag zur Inklusion. Für ihn und uns ist es wichtig, dass er nicht ausgegrenzt wird. Der Fußball hat einfach eine unfassbar positive Wirkung.

Hast du den Eindruck, dass auch andere Vereine mehr tun könnten?

Ich war mit Jens schon bei Spielen des VfL Osnabrück und von Werder Bremen. Das ist alles gut organisiert. Die Spieler verschenken zum Beispiel Trikots, Jens hat schon gefühlt Tausende. Aber Verbesserungsmöglichkeiten gibt es sicher immer. Spieler zu treffen, ist nicht so einfach. Jens' Lieblingsverein ist Bayern München. Da kann er aufgrund der Distanz nicht so einfach zum Spiel fahren.

Was passierte nach dem Spiel?

Jens hat eine Rede gehalten. Er bedankte sich beim gegnerischen Team, bei uns und beim Schiedsrichter. Er sagte "Ich danke MEINER Mannschaft." Das zeigt, wie sehr er sich dazugehörig fühlt. Ich denke, wir hätten ihm kein größeres Glück bereiten können.

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