Mehr als 110 Millionen Menschen werden vor den Fernsehern sitzen, es ist in den USA das größte mediale Ereignis des gesamten Jahres. Der Super Bowl. Doch beim heutigen Finalspiel der amerikanischen Football-Liga treten aber nicht nur zwei Sportmannschaften gegeneinander an, sondern auch gewissermaßen politische Kontrahenten.

New England Patriots vs. Atlanta Falcons

Normalerweise schwören amerikanische Football-Fans in den USA meistens einem Team die Treue, das ihrem eigenen Heimatort nah ist. Wer im Nordosten der USA lebt, müsste sich also den "Pats" aus dem US-Bundesstaat Massachusetts stärker verbunden fühlen. Doch seit Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten ist, hat fast jeder Lebensbereich noch eine weitere Dimension. Nämlich die Politik.

Beim Super Bowl ein Team anfeuern, heißt daher in diesem Jahr für oder gegen Trump zu jubeln.

Die Falcons ist die Mannschaft der Trump-Gegner. Und die Patriots stehen für die Befürworter – denn die Mannschaft hat gleich mehrere Verbindungen zum US-Präsidenten.

1. Da ist die Freundschaft Trumps mit dem Patriots-Quarterback Tom Brady.

Die beiden pflegen seit rund 14 Jahren eine enge Beziehung (The Daily Beast). Nachdem in seinem Schließfach eine Trump-Cap entdeckt wurde, sprach Brady zwar über diese Verbindung ("Time"), hielt sich aber ansonsten bedeckt. Macht nichts, es gibt ja Donald Trump und Twitter:

Und im Wahlkampf hat er die Verbindung auch deutlich gemacht:

In Massachusetts, I’m at 48 percent. You know why? Tom Brady said Trump’s the greatest.
Donald Trump während des Wahlkampfes
Donald Trump und die Patriots
Der Moment, als im September 2015 jemand eine Trump-Cap in Bradys Schließfach fand und er sich öffentlich als Freund des Donald outete:
Tom Brady zu Beginn von Trumps Kampagne auf die Frage, ob Trump gewinnen wird: "Das hoffe ich. Das wäre großartig. Er würde einen Golf-Abschlagplatz im Garten des Weißen Hauses haben. Das weiß ich."
Viele Medien fordern von Brady, sich endlich von Trump zu distanzieren:
Aber es gibt ja auch noch Patriots-Trainer Bill Belichick, der Trump seinen Freund nennt und sich offenbar sehr gerne mit ihm trifft. Hier mit seiner Frau Linda bei einem Dinner:
Oder als Trump seine Rede beim Dinner vor seiner Amtseinführung unterbrach, um den Patriots Glück zu wünschen:
Und dann ist da diese absurde Ring-Geschichte:
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2. Dann ist da die Nähe zwischen Trump und Pats-Coach Bill Belichick.

Belichick hat im Wahlkampf einen leidenschaftlichen Brief an Trump geschrieben. Trump las diesen bei Wahlkampfveranstaltungen vor und sammelte damit im "Swing State" New Hampshire viel Sympathie bei Football-Fans. New Hampshire ging in der Präsidentschaftswahl dann tatsächlich an Trump.

Meme zu Patriots-Trainer Bill Belichick(Bild: Quickmeme)
3. Auch der Patriot-Funktionär Robert Kraft ist mit Trump befreundet.

Der Milliardär ist Chef des Unternehmens Kraft Group. Er ist nicht nur mit Trump befreundet, sondern hatte auch – genau wie Trump – in der Vergangenheit schon intensiv mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu tun.

Eine wirklich bizarre Geschichte: Laut Kraft habe Putin ihm vor vielen Jahren mal einen seiner Super-Bowl-Ringe geklaut. "Er hat den Ring anprobiert, er schien ihm zu gefallen – und dann hat er ihn anbehalten", sagte Kraft in einem NFL-Video.

Die Patriots hielten sich bei den Pressekonferenzen vor dem Super Bowl bedeckt, weder Brady noch Belichick wollten auf politische Fragen antworten (NFL).

Doch für viele Amerikaner ist klar, welches Team sie heute aus politischen Gründen unterstützen: die Falcons.

Anders als Trump-Freund Robert Kraft hat der Falcons-Funktionär Arthur Blank zur Eröffnung der Super-Bowl-Woche deutliche Worten in Richtung Trump ausgesprochen (Newsday).

"Mir macht alles Sorge, was die Menschen voneinander distanziert", sagte Blank in einer Ansprache zur Super-Bowl-Eröffnung.
"Dieses Land wurde auf den Werten von Inklusion und Diversität erbaut. Darauf, die Unterschiede zu feiern und zu schützen."
Amerika sei ein Land, in dem jeder er selbst sein könne, sagte Blank. Er sei gegen alles, was sich davon entfernt.
Was Amerika wirklich "great again" mache, sei die Mischung verschiedener Fähigkeit und Möglichkeiten und all der Menschen...
"die aus aller Welt hier her gekommen sind und sich niedergelassen haben, weil sie hier einen Traum und eine Vision sahen."
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Und kurz vor dem wichtigen Spiel noch ein kleiner Seitenhieb von Arthur Blank an Robert Kraft:

Gerechtigkeit

Was wir uns jetzt von Martin Schulz wünschen

Martin Schulz. Seit der 61-Jährige offiziell zum Kanzlerkandidaten der SPD ernannt wurde, ist kaum ein Tag vergangen, an dem er nicht für Schlagzeilen sorgte. Sein Auftritt bei Anne Will und seine Ansage gegen Trump (bento). Seine guten Umfrage-Werte, in denen er Angela Merkel überholt (bento). Und sein Motto, das er unermüdlich wiederholt in diesen Tagen: "Deutschland muss wieder gerechter werden."