Bild: Korinna Kurze

Freuzeit

Wer sich selbst und seine Mitmenschen nicht gefährden möchte, geht zur Zeit nur nach draußen, wenn es sein muss. Aber was macht man eigentlich, wenn man alle Serien durchgeguckt hat? In dieser Reihe sammeln wir Tipps und Hinweise, für die Freizeitgestaltung zu Hause. Ein unterschätzter Podcast, ein DIY-Projekt, ein Spiel, eine Buchreihe? Du hast eine gute Idee? Schreib uns an fuehlen@bento.de.

Heute empfiehlt Korinna: Sport zu Hause.

Worum gehts? 

Ich arbeite zurzeit wegen der Corona-Pandemie im Homeoffice. Meine hauptsächliche Bewegung besteht also aus einem 16-Schritte-Weg, vom Schreibtisch zum Kühlschrank und wieder zurück. Den gehe ich zwar mehrmals täglich, manchmal sogar, ohne überhaupt etwas aus dem Kühlschrank zu wollen. Ihr kennt das: Schranktür auf, reinschauen, prokrastinieren, Schranktür zu. Das wars mit der Bewegung. Achso, außerdem gibt es ja noch den Weg zum Supermarkt ein- bis zweimal pro Woche, der ist 238 Schritte von meiner Wohnung entfernt. Aber auch das fordert mich nicht wirklich. 

Eine Freundin von mir befindet sich gerade die zweite Woche in freiwilliger Quarantäne, weil ihr Verlobter direkten Kontakt zu einem inzwischen positiv getesteten Covid-19-Fall hatte. Sie schrieb mir, dass sie, um nicht komplett durchzudrehen, inzwischen zweimal am Tag ein Heim-Workout mache. Okay, sie war schon immer ein bisschen sportbegeisterter als ich. Aber trotzdem: Die Fitnessstudios in Deutschland sind geschlossen und ich merke, wie sehr ich Sport vermisse. Also warum nicht Heim-Workouts probieren?

Regelmäßiger Sport stärkt das Immunsystem (SPIEGEL), ein Effekt, den wir wohl alle gerade gebrauchen können. Sport macht glücklich (SPIEGEL), in Zeiten von Social Distancing besonders wichtig, und steigert die Konzentration (Zeit), im Homeoffice ebenfalls von Vorteil – so hört das Kühlschrank-Prokrastinieren vielleicht auf. 

Am einfachsten ist es natürlich, Joggen oder Radfahren zu gehen, solange man noch nicht in Quarantäne ist. Wenn das aber einfach nicht deine bevorzugten Sportarten sind – oder du tatsächlich in Quarantäne bist –, bleiben dir eben nur noch: Heim-Workouts.

Wie funktioniert das?

Ein Hinweis vorher: Wenn du noch nie Sport unter Anleitung gemacht hast, dann fang nicht jetzt ohne Aufsicht damit an. Die Gefahr, dass du eine Übung (regelmäßig) falsch ausführst und dir damit schadest, ist zu groß. Mach nur Sport, den du bereits kennst.

Auf Youtube gibt es zum Beispiel Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht oder mit Kurzhanteln. Die lassen sich auch durch zwei gleich (!) gefüllte Wasserflaschen ersetzen. "Tone It Up" oder "Love Sweat Fitness" sind mit fünf bis 15 Minuten relativ kurz, dafür aber ziemlich intensiv, und man kann ja mehrere machen.

Ruhiger und entspannter ist Yoga mit Mady Morrison. Wer Cardio- oder High Intensity Training (HIIT) machen möchte, findet zum Beispiel bei LesMills einige frei zugängliche Workouts (fast ganz runter scrollen auf der Startseite) – ich persönlich kann Bodycombat empfehlen.

Einige normalerweise kostenpflichtige Online-Fitnessportale und Apps bieten wegen der Corona-Pandemie gerade außerdem kostenlose Probemonate an. Die Kurs-Auswahl ist riesig. Aber: Denk dran, vor Ablauf des Gratis-Zeitraums zu kündigen, ansonsten hängt man in einer kostenpflichtigen Mitgliedschaft. Bei Gymondo zum Beispiel lässt sich aktuell 30 Tage kostenlos trainieren. 

Das sonst ebenfalls kostenpflichtige Portal Cyberobics nennt keine zeitliche Begrenzung. Auf Nachfrage erklärt uns eine Mitarbeiterin, man könne es kostenlos nutzen, solange die Fitnessstudios in Deutschland geschlossen sind. Man müsse nichts kündigen, die kostenlose Mitgliedschaft ende einfach mit der Wiedereröffnung der Fitnessstudios. Man bekomme nur vorher eine Benachrichtigung, die einen darüber informiere.

Das macht dir Spaß, wenn ...

... du das Gefühl hast, langsam aber sicher mit deinem Schreibtischstuhl oder Sofa zu einer amorphen, weichen Masse zu verschmelzen, und das kein schönes Gefühl für dich ist. 

... schon in der Schule Sport dein Lieblingsfach war. War es bei mir absolut nicht, ich mache es trotzdem. Oder dir einfach Bewegung und deine Gesundheit am Herzen liegen.

Wie lange kann ich mich damit beschäftigen?

Das liegt an dir. Zwei Workouts am Tag, wie bei meiner Freundin in Quarantäne, sind schon ziemlich viel. Ich mache alle zwei bis drei Tage ein 45- bis 60-Minuten-Workout.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren pro Woche mindestens 150 Minuten Sport mit moderater Intensität oder 75 Minuten mit hoher Intensität, um gesund zu bleiben. Um die Gesundheit zu verbessern, sollte man jeweils doppelt so viel Sport machen. (WHO, Seite 8)

Hilft es gegen Einsamkeit?

Ja, wenn du kleine Anpassungen vornimmst: Du kannst dich zum Beispiel mit Freunden verabreden, wann ihr welches Workout online macht, es gleichzeitig starten und euch dabei im Videocall verbinden.

Und deine Stimmung verbessern die Workouts tatsächlich: Wer Sport treibt, erhöht die Menge an Serotonin im Körper, das sogenannte Glückshormon, und auch andere Botenstoffe wie Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin. Sie alle gemeinsam hellen die Stimmung auf. (SPIEGEL)

Außerdem sind Home-Workouts durchaus Instagram-tauglich und du kannst dir auf dem Weg Komplimente, Lob und Anfeuerungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis sichern. 

Und wer sich über "fishing for compliments" beschwert, ist nur neidisch!

Abschließende Punktebewertung:

Spaß: 3/5 – in dafür ausgerichteten Räumen und in Gesellschaft ist es natürlich schöner, trotzdem sind da ja noch die gesteigerten Glückshormone

Lernfaktor: 2/5 – im Idealfall machst du mit dem Home-Workout nicht zum ersten Mal Sport und kennst dich schon aus

Gemeinschaftsgefühl: 4/5 – du bist zwar im Moment des Home-Workouts allein, aber so ziemlich jeder macht Sport oder hat es schon mal gemacht und hat Tipps und Ideen für dich

Social-Media-tauglich: 4/5 – auf jeden Fall, schau dir nur mal bei Instagram die Massen an Bildern unter Hashtags wie #gymselfie an. 


Gerechtigkeit

Vom Meckern und Machen: Wie die Coronakrise politische Arbeit verändert
Junge Politikerinnen und Politiker erzählen

Angesichts des Coronavirus sind viele politische Themen in den Hintergrund gerückt, die uns bis vor kurzem noch täglich beschäftigt haben. Wir sprechen über das Infektionsschutzgesetz, Ausgangsbeschränkungen und Infiziertenzahlen. Der Fokus liegt auf den Regierenden, auf Merkel und Spahn, auch auf Drosten und dem Robert Koch-Institut. Für Debatten bleibt wenig Raum, denn das Virus wartet nicht. 

Wie wirkt sich das auf die politische Arbeit in unseren Parlamenten aus?

Wir haben mit jungen Politikerinnen und Politikern darüber gesprochen, wie die Coronakrise ihre Arbeit verändert. Und zwar nicht durch Homeoffice, Videokonferenzen und Co, sondern inhaltlich. Welche Fragen wirft die Krise in ihren politischen Fachgebieten auf? Wie können sie zur Bewältigung der Krise beitragen? Und welche ihrer politischen Überzeugungen wanken vielleicht sogar in dieser Ausnahmesituation? Vier junge Abgeordnete berichten:

Benjamin Adjei, 29, sitzt für die Grünen im Bayerischen Landtag