Mädchen, die Skateboard fahren.

(Bild: Jessica Fulford-Dobson)

Hierzulande ist das nichts Besonderes. In Afghanistan sieht das anders aus, denn hier dürfen Mädchen nicht einmal in der Öffentlichkeit ein Fahrrad lenken oder Fußball spielen. Deswegen ist die Halle von Skateistan wie ein Zufluchtsort: Dort dürfen Kinder eine Stunde täglich Skateboard fahren – wenn sie zuvor den Schulunterricht besuchen.

(Bild: Jessica Fulford-Dobson)

Mehr als 1200 afghanische Kinder lernen so derzeit im Rahmen des Projekts Skateistan wöchentlich Skateboarden. Knapp die Hälfte der Teilnehmer sind weiblich.

Die britische Fotografin Jessica Fulford-Dobson hat das Projekt in Kabul mehrere Wochen besucht. Herausgekommen ist eine beeindruckende Bildersammlung – die Skate Girls of Kabul reisen in einer Ausstellung um die Welt, den passenden Bildband gibt es auch.

"Ich war erst einmal eine Zeitlang nur als Beobachterin in der Schule, so dass die Kinder mich kennenlernen konnten", sagt Jessica. "Als ich zum ersten Mal beim Skateboarden dabei war, war ich völlig überwältigt: Plötzlich flogen die Kinder auf ihren Boards regelrecht an mir vorbei."

(Bild: Jessica Fulford-Dobson)

"Mit den bunten Schals und Kleidern der Mädchen sah das einfach beeindruckend aus. Ich musste mich selbst erst einmal beruhigen, um mich nach und nach auf ein Motiv konzentrieren zu können. Die Jungs wollten auch unbedingt fotografiert werden. Manchmal habe ich ein paar Fotos von ihnen gemacht, aber der Fokus lag ganz klar auf den Mädchen."

(Bild: Jessica Fulford-Dobson)

"In Afghanistan haben die Kleinen nur eine sehr kurze Kindheit. Es ist beeindruckend zu sehen, wie viel Freude da ein Skateboard machen kann. Sie lernen damit, selbstbewusst zu sein. Dieses Skate Girl stand am Anfang total wackelig auf dem Board, aber sie hat sich getraut, die Rampe hinunter zu fahren. Und dann plötzlich: Bam. Sie fällt hin. Aber es macht ihr nichts aus: Sie steht auf und probiert es gleich wieder."

Mit diesem Portrait gewann Jessica im November 2014 den zweiten Platz eines Wettbewerbs der National Portrait Gallery in London. "Es ist unglaublich: Ich bin nach Afghanistan, in ein Kriegsgebiet, geflogen – und kam inspiriert und mit meinen besten Fotos zurück. Jetzt bringen diese Mädchen Freude in die ganze Welt."

(Bild: Jessica Fulford-Dobson)

Die Mädchen, die auf der Rampe posieren, nennt Jessica Hero girls. "Als ich dieses Mädchen zum ersten Mal fotografierte, sah sie verängstigt aus. Sie hat ihr Board richtig fest an sich gedrückt. Ich konnte in wenigen Wochen beobachten, wie selbstbewusst sie geworden ist – eine Heldin. Das zeigt, was Sport ausrichten kann: Egal ob es nun ein afghanisches, deutsches, amerikanisches oder japanisches Mädchen ist – Sport verleiht Selbstbewusstsein."

"Es ist beeindruckend zu sehen, dass Skateboarding zusammen mit der afghanischen Kultur funktioniert. Es verändert sie nicht, es gibt keinen culture clash - sondern Harmonie. Skateistan ist ein Symbol für die Zukunft, das Hoffnung gibt: Verschiedene Kulturen können Seite an Seite gehen."

"Die Skate Girls sind symbolisch für Mädchen auf der ganzen Welt. Sie erinnern uns an das, was wir gemeinsam haben, nicht an unsere Unterschiede. Wir alle sind Skate Girls. Wir wollen die Freiheit haben zu tun, was wir möchten."

Aus Sicherheitsgründen werden den Fotos von der Künstlerin keine Namen zugeordnet. Sie heißen einfach Skate girls.

Die Ausstellung "Skate Girls of Kabul" ist noch bis 19. Dezember in der Berliner Galerie Pavlov’s dog zu sehen. Das Projekt Skateistan gibt es mittlerweile auch in Mazar-e-Sharif, Kambodscha und Südafrika.

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