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Seine Titel, sein Training und was seine Eltern davon halten

eSportler füllen bei ihren Wettbewerben mittlerweile große Hallen, sie sitzen auf dem Podium, zocken – während Tausende auf großen Bildschirmen ihre Spiele verfolgen. 

Großbritannien, die Niederlande, Schweden und Südkorea haben den Wettkampf schon als offizielle Sportart anerkannt. Und gerade finden die Final-Spiele des Fifa-eWorld-Cups in London statt. 

In mehreren Phasen qualifizierten sich die Besten der Besten. Jetzt geht es um den Titel. Acht Deutsche nehmen teil, Deutschland ist damit die mit Abstand teilnehmerstärkste Nation dieses Jahr. (bento

Einer, der sich dafür qualifizieren wollte, ist Alexander "bono" Rauch. Er hat das Finale verpasst, ist aber schon seit vielen Jahren eSportler, kann sein Leben damit finanzieren. Er ist 26 Jahre alt, lebt in Mainz und studiert Mathe und Physik. 

bento hat mit ihm über seinen Beruf gesprochen.

Wie bist du zum eSport gekommen?

Erst habe ich mit meinem jüngeren Bruder gespielt, dann mit Freunden vom Dorf und später beim Wettstreit im Internet. Das lief dann so gut, der Rest kam von selbst. Ich habe Turniere gewonnen, gleichgesinnte Trainingspartner getroffen, Kontakte geknüpft. Alles wird größer, besser, mehr.

Warum spielst du ausgerechnet Fifa?

Ich habe immer schon eine Leidenschaft für Fußball gehabt, Fifa war dann auch eines der ersten Computerspiele daheim.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich in ziemlich allen anderen Spielen schlicht nicht gut bin. Den Fußball-Manager mal ausgenommen.

Mit welcher Mannschaft spielst du am liebsten?

Da man sich in den meisten Fifa-Wettbewerben seine Mannschaft selbst frei zusammenstellen muss, ist meine virtuelle Mannschaft nicht deckungsgleich mit real existierenden Teams. Was ich aber sagen kann: Meine Mannschaft läuft immer in den Trikots meines Vereins auf, dem SV Wehen Wiesbaden. Das führt dann eben dazu, dass sich Akteure wie Andres Iniesta oder Lionel Messi jedenfalls virtuell im Trikot des SVWW sehr wohl fühlen.

Beschreib doch bitte deinen Arbeitsalltag als eGamer.

Tägliches Training ist wichtig, ein bis zwei Stunden locker oder mehr – je nachdem, ob der neue Fifa-Teil gerade herausgekommen ist und man die neuen Spielmechaniken erst wieder einschleifen muss oder auch größere Turniere anstehen. Der einzig wichtige Faktor: Die Konzentrationsfähigkeit muss erhalten bleiben. Es ist also extrem wichtig, mental fit und in jeder Spielaktion hundertprozentig fokussiert zu sein. 

Was halten deine Freunde und deine Familie von deiner Beschäftigung?

Weil meine Tätigkeit eher ungewöhnlich ist, war das Interesse daran immer recht hoch. Es kommt selten vor, dass jemand, dem ich erzähle, was ich mache, nicht direkt im Anschluss einige Fragen hat. Insgesamt ist das Feedback immer sehr positiv gewesen. Und klar, meine Eltern freut sowieso alles, was mich freut.

Wie viel verdienst du dabei?

Sagen wir: Genug, um mir mein Leben damit finanzieren zu können.

Welche Preise hast du schon abgesahnt?

Das sind schon einige Titel: Europameister, dreimal Deutscher Meister und den EA Sports-Fifa-Pressepokal

Du hast beim Quali-Turnier für die Fifa-eWorld-Cups teilgenommen. Wie kam es dazu?

Die Fifa kam auf meinen Verein, den SV Wehen Wiesbaden, zu, und hat uns wegen unserer eSport-Abteilung dazu eingeladen. Noch gehören wir in Deutschland zu den Vorreitern in diesem Gebiet, das hat sich offenbar bis in die Zentrale der Fifa herumgesprochen. 

Es war also für den Verein selbst eine megacoole Sache, zumindest virtuell mal bei einer Klubweltmeisterschaft vertreten zu sein. In der Realität dürfte das als momentaner Drittligist eine ganze Weile dauern.

Was ist das für ein Gefühl, wenn du an einem Wettbewerb teilnimmst, und wie kann sich das ein Laie vorstellen?

Während des Spiels blendet man alles andere aus, ist im Tunnel und konzentriert sich wirklich komplett auf das Geschehen, denn gerade in der Weltspitze braucht man auch diese hundert Prozent, um bestehen zu können. Aber auch das ist typabhängig: Einige Spieler werden während des Spiels emotional, ich persönlich nicht. 

Alles weitere realisiert man bestenfalls im Nachhinein: Anzahl der Zuschauer, Show um einen herum, Preise. Das alles spielt im Moment des Wettkampfs keine Rolle und dafür mache ich es auch nicht. 

Hältst du dich auf deine bestimmte Art und Weise für den eSport fit? 

Mir ist die Ernährung vor und während Wettkämpfen recht wichtig, ich esse nichts Fettiges und keine Kohlenhydrate mehr vor Wettkämpfen und trinke viel Wasser. Außerdem gehe ich joggen oder spiele Fußball. Körperliche Fitness ist schon wichtig, gerade um stundenlange Wettkämpfe durchzuhalten.

Wie lange kann man als eSportler erfolgreich sein?

Da eSport hierzulande noch ein eher neues Phänomen ist und die Sportler vergleichsweise jung sind, gibt es bislang kaum Erfahrungswerte. Spieler benötigen enorme Reflexe und Hand-Auge-Koordination. Aber auch das kann von Typ zu Typ etwas unterschiedlich sein, ab wann diese Fähigkeiten signifikant zurückgehen und man sie im Wettkampf nicht durch Ruhe und Spielintelligenz wieder ausgleichen kann. 

Sportwissenschaftliche Erkenntnisse legen da aber nahe, dass es allgemein ab 30 bis 35 durchaus schwer werden könnte.


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