Warum die "Ein-Mann-Mauer" der Nationalelf fehlt

WM Eröffnungsspiel 2006 in München: Deutschland trifft auf Costa Rica. In der sechsten Minute spielt Miroslav Klose den Ball nach linksaußen. An der Seitenlinie taucht Philipp Lahm auf, den linken Arm noch eingegipst – von einem Bruch aus einem Vorbereitungsspiel.

Mit dem Ball rennt er Richtung Tor. Schon am Sechzehner zieht er nach innen und schießt den Ball oben rechts in den Winkel.

Der erste WM-Treffer, ein klassisches Traumtor.
(Bild: dpa/ Daniel Karmann)

Von diesem Moment an war für mich klar: Dieser Spieler ist mein Vorbild. Ich war 11 Jahre alt und spielte gerade ein halbes Jahr Fußball in der Mädchenmannschaft unseres Dorfvereins. Nachdem ich jahrelang mit meinem Bruder und unserem Nachbarsjungen gekickt hatte.

Während meine natürlich längst nicht so erfolgreiche Karriere gerade begann, arbeitete Lahm schon auf seinen Karrierehöhepunkt hin. Mit dem FC Bayern München war er 2006 Deutscher Meister und DFB-Pokal-Sieger geworden. Den Erfolg wiederholte er 2008 und 2010 – das Jahr, in dem er auch die Kapitänsbinde der Deutschen Nationalmannschaft übernahm.

Während dieser Zeit sammelten sich in den Teenie-Zimmern meiner Freundinnen Poster von Tokio Hotel, Nelly Furtado, Lady Gaga oder Rihanna – meine Wände füllten sich mit Bildern von meinem Lieblingsfußballer.

Einmal saß ich mit einer Freundin auf meinem Bett. Ihr Blick fiel auf ein Bild aus Philipps Zeit bei Stuttgart. Sie begann zu lachen: "Die Nase ist so groß!" Das war mir peinlich. Ich erklärte ihr, dass es mir gar nicht ums Aussehen ging. Sondern um seine Ausstrahlung: Die ruhige Art, sowohl auf und neben dem Platz. Für mich war klar, er würde immer so sympathisch bleiben. Ein Idol, auf das ich mich verlassen konnte, wie auf einen Freund. "Seine Nase ist aber trotzdem lustig", sagte meine Freundin.

Lahm ist ein Spieler, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort steht.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern trat Lahm deutlich bescheidener auf. Klinsmann hatte Michael Ballack als Zeichen für sein dominantes Auftreten den Rufnamen "Capitano" gegeben. Und wie wollte Lahm genannt werden? "Am liebsten einfach nur Philipp", sagte er. (Süddeutsche Zeitung) Seine Philosophie: Weg von einer Ansammlung von Einzelkämpfern, hin zu einer Einheit. Er baute mehrere Führungsspieler auf, setzte Vertrauen in junge Spieler und zeigte mehr Emotionen.

Das Mannschaftsgefühl der Nationalelf haben wir ihm zu verdanken. "Es ist nicht mehr so wie früher, dass ein einziger Spieler führen muss, dass der den Chef macht und die anderen hinterher rennen", sagte Lahm.

In der Slideshow: Unser EM-Kader
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Mir und vielen anderen fehlt Lahm bei dieser EM. Vor allem wegen seiner spielerischen Fähigkeiten, weil er immer den Überblick über das Spielfeld behielt, die Bälle taktisch klug an seine Mannschaftskollegen verteilte und je nach Bedarf verschiedene Positionen abdeckte – ob als Links- oder Rechtsverteidiger oder auf der Sechserposition.

Vor allem als Rechtsverteidiger fehlt er bei dieser EM.

Denn im Gegensatz zu Benedikt Höwedes konnte er nicht nur das Tor verteidigen, sondern auch das Spiel nach vorne hin gestalten – nach einem gewonnen Zweikampf, leitete er sofort den nächsten Konter ein.

Ich erinnere mich vor allem an eine Szene aus dem ersten Spiel bei der Weltmeisterschaft 2014 gegen Portugal. Sie beweist: Lahm ist ein Spieler, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort steht. Christiano Ronaldo setzt zum Freistoß an und scheitert an der Ein-Mann-Mauer Lahm. (YouTube)

(Bild: Tamara Keller)

Für mich macht einen großen Spieler aus, dass er Emotionen zeigen kann. Nach dem verlorenen Halbfinale bei der WM 2010 stellte sich Lahm trotz Tränen in den Augen vor die Kameras. Die Stimme stockte, er blickte immer wieder auf den Boden. Einfach nur sympathisch, dachte ich. (YouTube)

Anders als viele Kritiker, die ihren Leitwolf Michael Ballack zurück wollten. Erst recht, als bei der EM 2012 das nächste Halbfinale verloren ging. Wieder ein Verlust. Doch nur zwei Jahre später konnte niemand mehr nörgeln.

Die Mannschaft hatte es geschafft.

Deutschland ist Weltmeister und Lahm derjenige, der einen großen Anteil daran hat. In dem Moment, als er den Pokal im Glitzerkonfettiregen in die Höhe riss, bekam ich Gänsehaut.

(Bild: dpa/ Markus Brandt)

Die Gänsehaut wich wenige Tage später eine großen Enttäuschung, als Lahm seinen Rücktritt aus der Nationalelf verkündete. Ja, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Aber vielleicht hätte es doch noch viel schöner werden können: Zum Beispiel jetzt in Frankreich, wenn hoffentlich der EM-Pokal hinzu kommt.

Während aber nun alle Fußballexperten darüber diskutieren, dass es der deutschen Mannschaft an einem guten Sturm fehlt, kann sich Lahm entspannt zurücklehnen. "Ich bin Fußballfan und ich genieße es, eine EM mal wieder aus einem anderen Blickwinkel anzuschauen. Deshalb freue ich mich wirklich auf die Zeit: Grill anschmeißen, ein Bierchen trinken und der deutschen Nationalmannschaft die Daumen drücken", sagte er. (SPIEGEL ONLINE)

"Philipp du bist mein großes Vorbild!"

Genauso werde ich es auch tun und dann wird mein Blick auf mein eingerahmtes Trikot aus dem Jahr 2013 fallen.

Damals saß ich am Boden meines Zimmers und malte mit schwarzem Edding auf einen neonorange-farbenen Karton: "Philipp schenk mir bitte dein Trikot". Meine Familie hatte Karten für das Spiel FC Basel – FC Bayern München organisiert – und zwar in der ersten Reihe.

Nur eine Eisenstange trennte uns vom Spielfeld und meinem Lieblingsspieler.

Kaum ertönte der Pfiff des Schiedsrichters, nach der ersten Halbzeit, machte sich der Bayern-Kapitän auf den Weg in unsere Richtung. Er nahm seine Kapitänsbinde ab, lächelte mich kurz an, drückte mir sein Trikot wortlos in die Hand und lief weiter, als wäre nichts gewesen. "Philipp du bist mein großes Vorbild!", wollte ich rufen. Doch tatsächlich sagte ich einfach nur: "Danke."

“Ach Philipp, wärst du doch dabei."

Noch mehr EM


Haha

Von der Chewbacca-Mom gibt es jetzt eine Spielzeugfigur

Diese Lache: Mehr als hundert Millionen Mal haben sich Internetnutzer auf der ganzen Welt die Freude einer Frau an einer "Star Wars"-Maske im Chewbacca-Look angesehen. Auch der US-Spielehersteller Hasbro, der Hersteller der Maske, ist von dem viralen Video offenbar angesteckt worden. So sehr, dass die Firma Candace Payne und ihre Familie zum Hauptsitz der Firma einlud – und ihr dort eine nach ihrem Vorbild gefertigte "Star Wars"-Action-Figur überreichte.

Hasbro-Chef Brian Goldner überreichte der als Chewbacca Mom bekannt gewordenen Frau die Figur, die dem Körper des Wookiees nachempfunden ist und den Kopf der offensichtlich immer noch gut gelaunten Payne trägt.