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Umfragen und Argumente kurz vor dem Referendum.
Worum geht's?

Die Hamburger stimmen bis Sonntag ab, ob sich ihre Stadt für die Olympischen Spiele und Paralympics im Jahr 2024 bewerben soll. Damit sich die Stadt Hamburg als Austragungsort beim Olympischen Komitee bewirbt, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Die Mehrheit stimmt mit „Ja“
  2. Diese Mehrheit besteht aus mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten, also 259.833 Personen.

Auch die Kieler sind gefragt. Denn in Kiel sollen im Fall einer Zusage die Segelwettbewerbe ausgetragen werden. Lehnen die Kieler ab, steht als Alternative Rostock-Warnemünde zur Wahl.

Hamburgs Konkurrenten in Rennen um die Olympischen Spiele wären Los Angeles, Rom, Paris und Budapest. 2017 will das Olympische Komitee (IOC) über die Vergabe der Spiele entscheiden.

Wie läuft die Abstimmung?

Wahlberechtigt sind die circa 1,3 Millionen Hamburger ab 16 Jahren. Nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks (NDR, Stand: gestern Abend) haben etwas über vierzig Prozent von ihnen per Briefwahl abgestimmt. Am Sonntag können die Bürger dann von 8 bis 18 Uhr persönlich ihre Stimme in einem Wahllokal abgeben (NDR).

An einer zu niedrigen Wahlbeteiligung wird Hamburgs Olympiabewerbung also ziemlich sicher nicht mehr scheitern.

Schätzungen zufolge könnte die Wahlbeteiligung am Ende sogar höher liegen als bei den Bürgerschaftswahlen im Februar, bei denen knapp 58 Prozent abstimmten. Gegen 22 Uhr am Sonntag soll es ein vorläufiges Ergebnis geben, die endgültigen Resultate werden Mitte Dezember vorgestellt.

Hamburgs Bürgermeister, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes und Bundesinnenminister De Maizière.(Bild: dpa/Axel Heimken)
Was sagen die Befürworter?
Unterstützt wird die Bewerbung von der Stadt Hamburg, dem Deutschen Olympischen Sportbund sowie der Mehrheit der im Stadtparlament vertretenen Parteien: CDU, SPD, FDP und grundsächlich auch von den Grünen. Im Rahmen einer riesigen Kampagne mit Veranstaltungen und Plakaten unter dem Motto "Wir sind Feuer und Flamme" wird bis zuletzt um die Zustimmung der Bürger geworben (Feuer und Flamme). Die Befürworter haben mehrere Argumente:

  • Bekanntheit: Sie sehen die Bewerbung als Chance, Hamburg weltweit bekannter zu machen und ähnlich wie bei der WM 2006 ein "völkerverbindendes Fest" veranstalten zu können
  • Steuereinnahmen: Sollte die Stadt den Zuschlag bekommen, würden viele Touristen und Firmen angelockt, die hohe Einnahmen bringen.
  • Investitionen: Durch die finanzielle Unterstützung des Bundes und Olympischen Komitees könne man außerdem stark in die lokale Projekte investieren. Das nehme der Stadt Ausgaben ab, die in den kommenden Jahren sowieso anstünden.
  • Ausbau der Infrastruktur: Die Zuschüsse könnten etwa dem Wohnungsbau sowie dem Nahverkehr zugute kommen. Olympia soll beispielsweise helfen, Hamburg zur „Fahrradstadt“ zu machen und den Norden der Stadt durch neue Verkehrsverbindungen besser mit dem Süden verbinden.
Olympia-Gegner demonstrieren in Hamburg-Wilhelmsburg(Bild: Daniel Bockwoldt/ dpa)
Was sagen die Gegner?

Zu den Olympia-Gegnern gehören die Linke und die Bürgerinitiative NOlympia.

  • Die Kritikpunkte sind vielfältig: Steigende Mieten, beschleunigte Gentrifizierung, Sicherheitskosten und eine hohe Umweltbelastung (bento). Viele Sportstätten müssten für die Spiele neu gebaut werden und würden später vermutlich nicht mehr genutzt. (NOlympia, SPON)
  • Intransparenz: Erst der „Host City Vertrag“ zwischen Hamburg und dem Olympischen Komitee würde zeigen, welche Bedingungen tatsächlich an die Ausrichtung der Spiele geknüpft sind. Norwegen hatte den Zuschlag für die Winterspiele 2018 wegen eines 7.000 Seiten langen Forderungskatalogs mit Sonderbedingungen der IOC wieder abgelehnt. (NDR)
  • Finanzierung: Die größte Sorge der Gegner sind allerdings Lücken im Finanzkonzept. Olympia wird teuer, darüber sind sich alle einig. Die Gegner befürchten allerdings, dass die Stadt auf den Kosten sitzen bleibt – zu Lasten der Steuerzahler und vor allem der sozial Schwächeren. Noch ist auch nicht klar, ob der Bund eine Finanzgarantie zusichert. (NDR)
  • Geringe Chancen: Finanzexperten schätzen die Chancen Hamburgs im Rennen um die Vergabe der Olympischen Spiele 2024 eher schlecht ein. Vor allem auf Grund der hohen geplanten Kosten. Das IOC habe sich zu bescheideneren Spielen bekannt, dazu passe das Acht-Milliarden-Budget Hamburgs nicht. (Münchner Abendzeitung)