Bild: dpa/Felix Kaestle

Das Gute ist: Wir haben noch die Abschlussfeier vor uns. Das Schlimme ist: Danach ist Olympia vorbei. Die Medaillen in Leichtathletik, Schwimmen, Reiten und Turnen sind verteilt. Jetzt dauert es vier Jahre, bis Wettkämpfe in diesen Disziplinen wieder auf einer olympischen Bühne ausgetragen werden.

Das ist viel zu lang!

Wenn die Olympischen Spiele alle zwei Jahre stattfänden, würden alle gewinnen: Sportler, Zuschauer, Einheimische.

In vier Jahren kann viel passieren: Man kann alt werden, Muskeln abbauen und beim nächsten Mal einfach nicht mehr nominiert werden. Deshalb hängt für viele Sportler so viel an der einen Olympia-Teilnahme. Und deshalb fallen sie so tief, wenn etwas schiefgeht.

Nachdem sich der deutsche Turner Andreas Toba das Kreuzband gerissen hatte, postete er bei Instagram: "Nach der Landung am Boden ist eine Welt für mich zusammengebrochen! Alles was ich mir in den letzten Jahren erarbeitet habe, war in einem Bruchteil einer Sekunde weg!"

Auch wenn wir Zuschauer mit gesunden Knien zuhause auf dem Sofa saßen, wir spürten die Enttäuschung, den Schmerz, die Ohnmacht von Toba, der vielleicht keine zweite Chance bekommen wird. Wenn wir häufiger Olympische Spiele abhielten, bekämen mehr Athleten die Möglichkeit teilzunehmen – und Sportler wie Andreas Toba bekämen schneller eine zweite Chance.

Natürlich kann man dagegen halten, dass es genau solche Dramen sind, die Olympia so besonders machen. Die Befürchtung: Wenn die Spiele häufiger stattfinden, könnten sie an Glanz verlieren. Aber was ist uns dieses Drama wert? Und sind die Wettkämpfe nicht auch so toll? Es wäre doch fantastisch, wenn Randsportarten wie Bogenschießen oder Trampolin-Turnen öfter zu sehen wären. Wenn die Welt häufiger zusammenkäme.

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Auch für die Zuschauer wäre das eine super Sache. Ich bin eigentlich kein großer TV-Sport-Fan. Aber am Samstag nach der Eröffnungsfeier habe ich acht Stunden Olympia geguckt – erst als Nebenbei-Berieselung beim Putzen, Waschen, Kochen. Irgendwann hatte ich mich festgeguckt: Ich habe beim Tennis mitgefiebert, obwohl ich davon keine Ahnung habe. Ich habe Rudern angeschaut, obwohl mich das nie interessiert hat. Ja, ich habe sogar Lust bekommen, selbst ins Boot zu klettern.

Wer plötzlich Sportarten im Fernsehen verfolgt, mit denen er eigentlich nichts anfangen kann, lernt etwas Neues kennen. Vor Beginn der Olympischen Spiele in Rio hofften viele Brasilianer, dass durch das Event auch Randsportarten wie Wasserspringen oder Hockey im Land bekannt werden – nicht nur der allgegenwärtige Fußball. Vielleicht gehe ich einfach mal in die Ruder-Gruppe meines Sportvereins? Oder stelle mich mal mit meinem Schwager auf einen Tennisplatz? Mir gingen diese Gedanken durch den Kopf. Solche Motivationsschübe brauchen wir öfter!

Dass man bei Eröffnungs- und Schlussfeiern sparen und trotzdem toll feiern kann, wissen wir spätestens seit der Show in Rio.

Klar: Jedes Jahr Olympische Sommerspiele wäre übertrieben. Aber warum nicht alle zwei Jahre – im Wechsel mit den Winterspielen? So könnten auch mehr Städte auf der Welt von den Investitionen profitieren, die Olympia mit sich bringt. Sie könnten mit dem Geld ihre Infrastruktur ausbauen und den Amateursport fördern. Das hilft auch den Menschen vor Ort.

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Dass die Investitionen bislang nicht immer nur die Richtigen erreicht haben, ist bekannt. Es wurde nicht an die Menschen gedacht, im schlimmsten Fall wurden sie sogar vertrieben. Dass Bewohner der Vila Autódromo in Rio ihre Häuser verlassen mussten, um Platz für eine Zufahrtsstraße zu machen, ist furchtbar – und half den Bedürftigen wohl am wenigsten.

Aber es gibt auch Städte, die von Olympia profitiert haben: Barcelona hat sich durch die Olympischen Spiele von 1992 nachhaltig verändert. In München gibt es dank des Olympiadorfes mehr Studentenwohnungen. Und auch in Rio gab es gute Ansätze, das sagen sogar die Menschen vor Ort: Die Stadt hat jetzt beispielsweise eine neue U-Bahn-Linie.

Wenn die Verantwortlichen die Fördergelder sinnvoll ausgeben und bei den Planungen nicht nur an Athleten und Touristen denken, sondern vor allem an die eigene Stadt und ihre Bürger, sind Olympische Spiele für alle ein Gewinn – und können deshalb ruhig öfter stattfinden.

Mehr Olympia muss dabei nicht mehr Geld kosten: Hat man einmal Stadien und Straßen gebaut, kann man die mehrmals benutzen. Und dass man bei Eröffnungs- und Schlussfeiern sparen und trotzdem toll feiern kann, wissen wir spätestens seit der Show in Rio. Die hatte zwar ein schmales Budget, aber eine große Wirkung.

Welche olympische Sportart passt zu dir? Mach unser Quiz:

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Vergiss Rio: Diese Tätigkeiten sollten wirklich olympisch werden

Olympia, Schmolympia. Soziales Chaos, Milliardenkosten und vom IOC eingeschränkte Berichterstattung: Wofür das alles? Eine Bande von medikamentös hochgezüchteten Übermenschen wirft mit Scheiben, rennt im Kreis und springt über umfallende Zäune. Nun hat das Treiben endlich ein Ende, und ich frage mich:

Musste man sich das wirklich angucken?

Nein, natürlich nicht. Es gibt allerdings ein paar Tätigkeiten, deren Meisterschaft ich tatsächlich so beeindruckend finde, dass wir sie viel stärker feiern sollten. Und die ich mir sogar bei den Olympischen Spielen anschauen würde.