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Ein Gastbeitrag.

Jugend gegen Olympia × bento

Die Hamburger dürfen abstimmen, ob sie eine Olympia-Bewerbung ihrer Stadt möchten. Passend dazu ist die Stadt zugepflastert mit Plakaten pro Olympia. Die Gruppe "Jugend gegen Olympia", in der unter anderem Mitglieder von Linkspartei und Grüner Jugend mitmachen, hat sich die Plakate näher angesehen. Und weil die Olympia-Gegner nicht die ganze Stadt mit ihren Argumenten zupflastern können, veröffentlichen wir sie hier als Gastbeitrag:

Das ermöglicht unserer Stadt neue Wege.

Hier wird suggeriert, dass durch Olympia der Radverkehr in Hamburg gestärkt werden würde. Dabei hat die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC), erst kürzlich erhebliche Zweifel daran geäußert: "Eine Zunahme des motorisierten Verkehrs in der Stadt infolge von Olympia sind nicht mit dem erklärten Ziel des Senats vereinbar, Hamburg zur 'Fahrradstadt' auszubauen." Ein Mobilitätskonzept liegt nämlich noch gar nicht vor und viele Fragen sind beim Referendum noch offen.

Wie wirkt sich der Olympiaverkehr (Sportlerinnen und Sportler, Journalistinnen und Journalisten, Zuschauerinnen und Zuschauer, Sicherheitspersonal) auf die Verkehrssicherheit auf Hamburgs Straßen aus? Ist garantiert, dass die für den Ausbau des Radverkehrs versprochenen zusätzlichen personellen Kapazitäten in den Behörden dann nicht für die Vorbereitung der Spiele abgezogen werden? Wieso sollte die Stadt ausgerechnet Olympia fahrradfreundlich durchführen, nachdem das bei Großveranstaltungen in der Vergangenheit (Kirchentag, Airport-Days, Hamburg Marathon) nicht geklappt hat?

Ja zu grünen Spielen auf dem Grasbrook.

Grüne Spiele? Ein schönes Bild, das mit der Realität aber nicht viel zu tun hat. Der Naturschutzbund (NABU) hat entgegen der medialen Berichterstattung entschieden, keine Empfehlung zum Referendum auszusprechen. Denn u.a. bei Luftreinhaltung, Lärmschutz und Naturschutz (vor allem an der Dove-Elbe) stehen noch wichtige Klärungen aus.

Damit wird Hamburg weltberühmt.

Ja, wenn das Bevölkerung dem Referendum zustimmen sollte und Hamburg den Zuschlag des IOC bekommen sollte, würde das die Berühmtheit der Stadt sicher steigern. Doch lohnt das den immensen Aufwand, vor allem an Kosten (7,4 Milliarden für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler)? Hamburg ist auch ohne olympische Spiele bereits weltweit bekannt. Barack Obama lobte Hamburg im September bei einer UN-Vollversammlung die Willkommenskultur der Hamburger Bürgerinnen und Bürger gegenüber Flüchtlingen. Und auch die Zeitung New York Times lobte Hamburg ausdrücklich in einem Bericht über das Benefizspiel des FC St. Pauli gegen Borussia Dortmund zugunsten geflüchteter Menschen. Es gibt viel einfachere und günstigere Wege, die Stadt bekannt zu machen.

Weil diese Chance nie wieder kommt.

Nicht nur, dass Hamburg sich bereits 2003 um die Austragung olympischer Spiele beworben hat, es sind Stimmen zu hören, die auch eine Bewerbung für 2028 im Bereich des Möglichen sehen. Der Kampagnenleitsatz "Das gibt’s nur einmal!" mag für Olympische Spiele in Hamburg im Jahre 2024 zwar stimmen (auch wenn er sehr inhaltslos ist, denn das hat niemand bezweifelt), für immer sind olympische Spiele in Hamburg aber wohl (leider) nicht vom Tisch.

Weil Sport alle integriert.

Dem Satz "Weil Sport alle integriert" können wir vorbehaltlos zustimmen, er ist aber keine Werbung für Olympia, eher eine Warnung. Denn für den integrierenden Breitensport werden dringend viele kleine dezentrale Sportstätten gebraucht, nicht die geplanten IOC-Großprojekte im Hafen. Denn dort, im Breitensport, ist der Ort, an dem die zweifelsohne wichtige Integration, beispielsweise von Flüchtlingen, stattfindet – mit dem olympischen Spitzensport hat dieses Projekt aber herzlich wenig zu tun. Warum es kein Widerspruch ist, FÜR Breitensport, aber GEGEN Olympia zu sein, haben wir schon in einem Blogartikel erklärt.

Damit Hamburg nicht länger für Fast Food steht.
Der vielleicht dreisteste Werbespruch: Wenn Hamburg(er) durch Olympia nicht länger für Fast Food stehen soll, warum gehört McDonald's (und Coca Cola) dann zu den Hauptsponsoren von Olympia? Im Entwurf des Host-City-Vertrages für 2024 ist McDonalds bereits ein großes Burgerrestaurant in der an zentraler Stelle des Olympischen Dorfes in der sogenannten „Main Dining-Hall“ garantiert. Dieser Zynismus ist wirklich nicht zu überbieten.
Diese Spiele sind für uns alle ein Gewinn.

Die Spiele sind vielleicht für den IOC und Konzerne ein Gewinn, nicht aber für die durchschnittliche Hamburger Familie. Denn sie wird durch Olympia von steigenden Mieten und sozialer Spaltung bedroht und findet sich im Sommer 2024 in einem Riesengefahrengebiet wieder. Als Dank dafür darf sie dieses Fest auch noch mit ihren Steuern bezahlen. Welch ein Gewinn!

Gastbeitrag

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