Bild: Thirteen of Clubs / cc by-sa

Nasenbluten? "Das Einzige, was man jetzt nicht tun sollte, ist, den Kopf in den Nacken legen", sagt Karl-Bernd Hüttenbrink, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Uniklinik Köln. Dann nämlich fließt das Blut über den Rachen in den Magen und kommt, wenn es blöd läuft, mitsamt dem restlichen Mageninhalt durch den Mund wieder heraus. Zudem lässt sich nicht abschätzen, wie stark die Nase blutet, wenn die Flüssigkeit im Bauch verschwindet.

(Bild: Giphy)

Stattdessen ist Demut angesagt, zumindest, was die Körperhaltung angeht. Der Patient sollte sich hinsetzen und nach vorne lehnen, sodass das Blut in ein Taschentuch läuft. Außerdem sollte er seine Nasenflügel für zehn bis 15 Minuten zudrücken. In leichteren Fällen reichen auch drei bis fünf Minuten aus.

Wichtig ist, dem unteren Drittel der Nasenflügel ordentlich Druck zu machen. Häufig setzen Ersthelfer Daumen und Zeigefinger zu weit oben am Knochen an, damit verfehlen sie das Ziel. Bei jungen Menschen läuft das Blut typischerweise aus einem Ort mit dem niedlichen Namen Locus Kiesselbachi. Er befindet sich vorne an der Nasenscheidewand, die rechtes und linkes Nasenloch trennt und ist sehr empfindlich. "Nur, wenn die Nasenflügel an der richtigen Stelle auf die Scheidewand drücken, verschließen sie die verletzten Gefäße im Locus Kiesselbachi", erklärt Hüttenbrink. Das Blut kann dann nicht mehr aus den Äderchen fließen, Blutplättchen und Eiweiße verschließen die Verletzung.

Ein Auszug aus dem Buch Mythos oder Medizin von Irene Berres und Julia Merlot. Erschienen im Heyne Verlag, 224 Seiten, 8,99 Euro. Bei Amazon kaufen

Etwas schwieriger wird die Erste Hilfe bei älteren Menschen. Sie bluten häufiger hinten in der Nase, wo größere Arterienabzweigungen reißen. Je größer das verletzte Druckgefäß ist, desto mehr Blut sprudelt aus der Nase. Zudem lassen sich die Adern im hinteren Nasenteil von außen kaum zudrücken. Dann gilt erst recht:

Oberkörper nach vorne beugen, sodass das Blut nicht in den Magen laufen kann.

Fließt sehr viel Blut aus der Nase, hilft Kälte. "Werden die Genitalien für einige Zeit in kaltes Wasser getaucht, wird das das Nasenbluten stoppen", schrieb der schottische Arzt William Buchan 1796. Funktionieren könnte das theoretisch. Im Zweifel tut es aber auch ein kaltes Tuch im Nacken. Bei Kälte verengen sich die Blutgefäße, um die Wärme in der Körpermitte zu halten. So kann weniger Blut aus den Äderchen fließen.

"Die Kältereaktion ist auch eine Erklärung, warum wir in den kalten Monaten leichter eine Erkältung bekommen", erklärt Hüttenbrink. "Die Schleimhäute in der Nase sind die erste Abwehr gegen Viren. Sind sie schlecht durchblutet, haben die Erreger leichteres Spiel."

Warum manche Menschen häufiger Nasenbluten bekommen als andere, lässt sich nicht pauschal beantworten. Dem griechischen Arzt Hippokrates fiel im vierten Jahrhundert vor unserer Zeit auf, dass neben jungen Menschen vor allem männliche Nasenbluten bekommen. "Nasenbluten tritt bei denen auf, die beginnen, Gefühle der Lust zu entwickeln oder erste Zeichen von Männlichkeit", schrieb er.

(Bild: Giphy)

In japanischen Zeichentrickfilmen wird eine blutende Nase bis heute als Stilmittel genutzt, um sexuelle Erregung auszudrücken. Wissenschaftliche Belege für die Theorie gibt es allerdings nicht. Neben dem Geschlecht und ungünstigen Verhaltensweisen wie Nasenbohren oder Zusammenstößen mit Bällen oder Fäusten, spielt nach heutigem Wissen auch die Veranlagung eine wichtige Rolle. Zudem sind Nasenspray-Junkies anfälliger. Im Dauereinsatz trocknen die Mittel die Nasenschleimhaut aus.

Nur selten sind ernste Erkrankungen, etwa Wucherungen im Rachen, die Ursache. Bei älteren Menschen gibt es die Theorie, dass Bluthochdruck das Risiko für Nasenbluten erhöht. Das spricht für die These, dass sexuelle Erregung das Bluten fördern könnte. Allerdings bezieht sich die Blutdrucktheorie auf dauerhaft erhöhte Werte. Zudem ist der Zusammenhang nicht sicher nachgewiesen. Denkbar wäre, dass die Blutgefäße leichter reißen, wenn sie durch langjährigen unbehandelten Bluthochdruck beschädigt wurden.

So lässt sich Nasenbluten in vielen Fällen durch einfache Methoden vorbeugen: "Pflege, Pflege, Pflege", sagt Hüttenbrink. Fettige Cremes können verhindern, dass die Haut am Naseneingang austrocknet. Fließt das Blut trotzdem regelmäßig oder hört es trotz Erster Hilfe nach 20 Minuten nicht auf, muss der Arzt ran. Mit Tamponaden kann er auch Blutungen im hinteren Teil der Nase stoppen.

Noch mehr Gesundheit