Bild: dpa/Ina Fassbender
Tweets von Befürwortern – und Kritikern

Vor zwei Monaten haben die Fußball-Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil auf einem Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan posiert (bento). Das Bild hatte in Deutschland im Vorfeld der Fußball-WM für viele Diskussionen gesorgt: Darf sich ein deutscher Fußballer mit einem Autokraten zeigen?

Nach dem WM-Aus fokussierte sich ein Großteil der Kritik gegen einen:

Vor allem Mesut Özil wurde hart angegangen – und auch von vielen angeblichen Fans rassistisch beschimpft. 

Nun hat sich Mesut Özil erstmals erklärt. In einem Statement ging er am Sonntag auf die Umstände des Treffens mit Erdogan ein, äußerte sich zum Rassismus gegen ihn und erklärte seinen Rücktritt aus der Nationalelf. (bento)

Die Erklärung und der Rücktritt haben eine neue Rassismus-Diskussion ausgelöst. So reagieren deutsche und türkische Politikerinnen, Politiker und andere auf Özils Entscheidung:

  • Der türkische Sportminister Mehmet Kasapoglu schrieb auf Twitter: 
"Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen."
  • Der Sprecher des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, schrieb:
"Stellen Sie sich vor, welchem Druck Herr Mesut in diesem Prozess ausgesetzt war. Wo sind Höflichkeit, Toleranz, Pluralismus geblieben...?!"
  • Auch Justizministerin Katarina Barley (SPD) setze sich für Özil ein:
  • Der Grüne Omid Nouripour kritisiert weiterhin Özils Foto-Termin – sieht aber die Verantwortung eher beim Fußball. Dort werde mit zweierlei Maß gemessen:
  • Auch seine Parteikollegin Renate Künast sieht die Schuldigen woanders. DFB-Präsident Reinhard Grindel sollte gehen:
  • Und Cem Özdemir sagte der "Berliner Zeitung":
"Es ist fatal, wenn junge Deutsch-Türken jetzt den Eindruck bekommen, sie hätten keinen Platz in der deutschen Nationalelf. Leistung gibt es nur in Vielfalt, nicht in Einfalt. So sind wir 2014 Weltmeister geworden. Und Frankreich jetzt."

Gleichzeitig kritisiert er Özil weiterhin scharf für sein Foto mit Erdogan. Und dafür, dass er sich nicht einsichtig zeigen will:

Es ist sehr bedauerlich, wie sich Özil jetzt äußert. Damit spielt er denen einen Steilpass zu, die unsere Demokratie ablehnen hier wie dort.
  • Der ehemalige Fußballer und Weltmeister Bodo Illgner von 1990 dankte Özil erst mal. Meint aber, er hätte den DFB nicht so angehen sollen:
  • Paul Ziemiak, Vorsitzender der Jungen Union, warf Özil in der "Bild" Naivität vor: 
"Niemand Vernünftiges will, dass Mesut Özil seine Herkunft verleugnet. Aber zu behaupten, dass ein Foto mit Erdogan - mitten im türkischen Wahlkampf - ohne politische Absichten entstanden sei, ist naiv."
  • Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel bedankte sich hingegen – und erteilte Rassismus eine Absage:
  • Und selbst der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho hat sich eingemischt. Er schreibt:
Egal was sie sagen, Du warst, bist und wirst immer ein Gewinner sein, Özil.

Gerechtigkeit

Papst warnt EU: "Sterben im Mittelmeer" muss dringend gestoppt werden
Seine vier wichtigsten Aussagen

Weniger Flüchtlinge machen sich über das Mittelmeer auf den Weg nach Europa. Aber immer mehr von denen, die es doch versuchen, kommen ums Leben: Die Schlepper nutzen ihre Hilflosigkeit aus, setzen sie auf schlechte Boote. Und nun streicht die Europäische Union auch noch Hilfen, Seenotretter werden vor Gericht gestellt, Italien riegelt seine Häfen ab. (bento)

Papst Franziskus will das Sterben auf dem Mittelmeer nun nicht länger mit ansehen.

In einem eindringlichen Appell hat er sich an Europa und die internationale Gemeinschaft gewandt. Vor 25.000 Gläubigen forderte er auf dem Petersplatz in Rom ein schnelles Handeln. (Vatican News)