Bild: dpa/Andreas Arnold
Die wichtigsten Zitate aus dem Interview mit dem DFB-Chef

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat Fehler im Umgang mit Mesut Özil eingeräumt. Dass er selbst zurücktritt, schließt er allerdings aus. Das sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes in einem Interview der Bild am Sonntag.

Konkret sagte er: 

"Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe an der einen oder anderen Stelle deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen. Da hätte ich klare Worte finden sollen. Solche Angriffe sind völlig inakzeptabel. Dass er sich da vom DFB im Stich gelassen fühlte, tut mir leid."

Worum geht es?

Immer noch um ein Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Mesut Özil und Ilkay Gündoğan hatten sich kurz vor der Abreise zum Trainingslager der Nationalmannschaft mit ihm fotografieren lassen. Bei einem Sponsoren-Termin überreichten sie ihm ein Trikot ihrer englischen Vereine, Gündoğan schrieb auf sein Trikot: "Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll." Gündoğan bedauerte das Foto danach. Özil hatte sich zunächst nicht geäußert.

Mesut Özil beim WM-Vorrunden-Spiel gegen Mexiko.(Bild: picture alliance/Federico Gambarini)

Während des WM-Turniers vermischte sich die Erdoğan-Affäre immer mehr mit zum Teil wohl auch rassistischen Vorbehalten gegen die beiden Spieler.

Özil und Gündoğan sind in Deutschland geboren, haben nur einen deutschen Pass. Ihre Eltern stammen aus der Türkei. Dass Özil wie andere Spieler auch die deutsche Nationalhymne vor dem Spiel nicht mitsingt, wurde ihm zum Vorwurf gemacht. 1974 sang übrigens keiner der deutschen Nationalspieler vor dem Finale die Hymne mit. (bento)

Etwa drei Wochen nach dem WM-Aus der Nationalelf hatte Özil dann seinen Rücktritt aus der Mannschaft erklärt. Dabei erhob er Vorwürfe gegen den DFB, Grindel, deutsche Medien und einen DFB-Sponsor. (bento)

Er verspüre das "Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit", schrieb Özil bei Twitter

Was sagt Grindel jetzt zu den Vorwürfen?

Grindel weist sie zurück. Ihm sei wichtig zu betonen, dass er sich "zu keinem Zeitpunkt" zu Özils sportlicher Leistung geäußert habe. 

"Für mich war immer klar, dass wir zusammen gewinnen und zusammen verlieren. Einen einzelnen Spieler für das Ausscheiden verantwortlich zu machen wäre ja absurd."

Er sagte, er hätte sich von Özil gewünscht, dass er sich wie sein Mitspieler Ilkay Gündogan "klar und nachvollziehbar" äußert. 

"Das darf aber keinesfalls als Kritik an seiner sportlichen Leistung missverstanden werden. Ich hätte mir eine solche Erklärung auch gewünscht, wenn wir Weltmeister geworden wären."

Fakt ist: Grindel hatte sehr wohl durchblicken lassen, dass er Özils sportliche Leistung nach der WM in Frage stellte. Man müsse "die sportliche Analyse abwarten und schauen, ob Joachim Löw weiter mit ihm plant", hatte er Anfang Juli in einem Interview gesagt (bento).

Auch Grindels Kollege Oliver Bierhoff hatte sich nach dem WM-Aus Özil herausgepickt und seine sportlichen Qualitäten in Frage gestellt. Er sagte in einem Interview:

"Wir haben Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie für eine Sache zu überzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen." Daher hätte man "überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet", sagte der Manager in einem Interview
Teammanager Oliver Bierhoff(Bild: dpa/Ina Fassbender)

Hinterher fühlte er sich falsch verstanden. Er habe sich missverständlich ausgedrückt, sagte Bierhoff.

Trotz der ganzen Angelegenheit haben er nie an einen Rücktritt gedacht, sagte Grindel: "Ich habe sehr großen Rückhalt bei den Landesverbänden und in der Bundesliga."

Das sah unsere Autorin Lisa Maucher anders – sie findet, Grindel hätte zurücktreten müssen:

Auf die Frage, ob er bis mindestens zur nächsten Wahl DFB-Präsident bleibe, antwortete er: "Davon gehe ich fest aus."

Und was ist jetzt mit "Die Mannschaft"?

Grindel kündigte einige Neuerungen an: 

  • Der Begriff könnte abgeschafft werden. Dieser werde an der Basis "als sehr künstlich empfunden" und sollte "auf den Prüfstand" gestellt werden, sagte er. 
  • Mehr öffentliche Trainingseinheiten oder niedrigere Ticketpreise sollen mehr Nähe zu den Fans erzeugen. 
  • Er will Teammanager Oliver Bierhoff entlasten – durch einen Leiter der neuen DFB-Akademie und einen Nachfolger von Horst Hrubesch als Sportdirektor. 

Grindel sagte über Bierhoff: 

"Ansonsten muss er in den nächsten Monaten selbst überprüfen, ob er das alles leisten kann, das haben wir so auch verabredet." 

Mit Material der dpa


Fühlen

Florian hatte Hodenkrebs: "Natürlich dachte ich ans Sterben"
"Was machen wir, wenn ich bald tot bin und das Kind da ist?"

Florian* sitzt im Biergarten einer Brauerei in einer süddeutschen Großstadt. Hier studierte er früher Maschinenbau. Er trägt ein T-Shirt von Ramones, im Gesicht einen Vollbart. Er hat sich bei der bento-Redaktion gemeldet, weil er von seiner Hodenkrebserkrankung erzählen will. Weil sie ihm gezeigt hat: 

Wer denkt, mit Krebs sei alles vorbei, liegt falsch. 

Wer den Tumor besiegt, versteht, was wirklich wichtig ist im Leben – und das kann alles ändern. 

Er bestellt sich ein Bier, steckt eine Zigarette an, beginnt zu erzählen.