Bild: Oliver Krato/dpa
Zwei Perspektiven ehemaliger Profis mit Migrationshintergrund

Der kurdischstämmige Fußballer Deniz Naki hat Mesut Özil für seine Äußerungen um seinen Rücktritt kritisiert. In einem Facebook-Post wandte er sich direkt an den ehemaligen Nationalspieler und forderte ihn auf, sich nicht nur in Deutschland gegen Rassismus und Ausgrenzung zu stellen, sondern auch in der Türkei

Was steht in dem offenen Brief von Deniz Naki?

Der 29 Jahre alte frühere Profi des FC St. Pauli und des SC Paderborn habe drei Jahre für den türkischen Verein Amedspor gespielt und sei in dieser Zeit wegen seines kurdischen Hintergrunds "unzählige Male beleidigt, aber auch körperlich angegriffen" worden, schreibt der gebürtige Dürener. Seine Lizenz sei ihm vom türkischen Fußball-Verband TFF unbefristet entzogen worden, "und ich wurde gesperrt und musste aufhören".

Diese Rechtswidrigkeiten seien in der Türkei passiert, schreibt Naki. Und fragte Özil, der Rassismus im DFB beklagte: "Wieso zeigst du diese Reaktion nicht, wenn es in der Türkei immer mehr zu rassistischen und faschistischen Angriffen auf mich oder auf kurdischstämmige oder anderen Minderheiten angehörige Fußballer kommt?"

Und weiter: "Du sagst, du findest die Erklärungen des DFB falsch. Findest du die Entscheidungen von TFF über mich ebenfalls rassistisch?" Özil solle daran denken:

Diejenigen, die dich bei der nächsten Reise in die Türkei mit offenen Armen empfangen, werden genau dieselben sein, die mich rassistisch angreifen. Zwischen Faschisten unterscheidet man nicht, diese sind überall, in jedem Land, gleich.
Deniz Naki

Hier ist das ganze Statement von Deniz Naki:

An die Presse und Öffentlichkeit Im Rahmen der ethischen Regeln, ist es nicht akzeptabel einen Sportler, einen...

Gepostet von Deniz Naki Official am Donnerstag, 26. Juli 2018

Mittlerweile hat sich auch der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau in der Diskussion zu Wort gemeldet: 

Er kritisierte Mesut Özil, erhob aber auch Vorwürfe gegen den Deutschen Fußball-Bund. Der "Bild"-Zeitung sagte der Ex-Profi: "Das Erdogan-Foto hatte eine politische Aussage, auch wenn das Mesut anders beurteilt". Der Rassismus-Vorwurf gegen den DFB sei aber "einfach falsch". Das mit dem Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan habe Özil "anscheinend bewusst getan", die Konsequenzen hätten ihm klar sein müssen, sagte Cacau.

Aus Cacaus Sicht hat aber nicht nur Özil Fehler gemacht, "sondern auch der DFB, der nicht von vornherein klar eine Richtung vorgegeben hat und diese Richtung dann auch befolgt hat. Das war heute eine Aussage und morgen eine andere. Und das war schwierig", kritisierte der frühere Nationalspieler in den ARD-"Tagesthemen". "Man muss das klar, transparent und offen ansprechen." Das sei im Moment aber leider nicht der Fall.

Er habe in seinen Jahren beim DFB nichts Derartiges erlebt, obwohl auch er erkennbar einen Migrationshintergrund habe – der 37-Jährige ist gebürtiger Brasilianer. Özil sei ein hochtalentierter Spieler, da seien die Erwartungen hoch. "Eine Kritik, die man an einem Spieler auch mit Migrationshintergrund übt, ist nicht gleich Rassismus." 

Der Integrationsbeauftragte beklagte, die öffentliche Diskussion gehe mittlerweile in eine falsche Richtung: "Man hat das Gefühl, wenn man die Nachrichten sieht und liest, dass Deutschland ein flächendeckendes Rassismus-Problem hat. Das ist nicht der Fall."


Mit Material von dpa


Today

Abgeschobener Islamist Sami A. kommt in Tunesien aus Gefängnis frei
Was das für Deutschland bedeutet – Vier Antworten

Der Islamist Sami A. ist wieder frei. Wie ein Sprecher der tunesischen Anti-Terror-Behörde am Freitag mitteilte, wurde seine Entlassung angeordnet. Er bleibe vorerst auf freiem Fuß, bis die Ermittlungen gegen ihn abgeschlossen seien. 

Sami A. hatte als Asylbewerber in Deutschland gelebt. Ermittler rechneten ihn der islamistischen Szene zu. Vor knapp zwei Wochen war A. abgeschoben worden – obwohl ein Gericht noch gar nicht über seinen Fall entschieden hatte. Eigentlich müsste er entsprechend nach Deutschland zurück.