Bild: Getty Images/Matthias Hangst
Sie haben sich fast wortgleich geäußert.

Drei einzelne Erklärungen, insgesamt vier Seiten – so hat Mesut Özil am Sonntag seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt gegeben. In dem Statement wirft Özil dem DFB-Präsidenten Reinhard Grindel Rassismus vor, der Präsident habe ihn aus dem Team drängen wollen.

Er fühle sich in der Nationalmannschaft ungewollt, auch weil Deutsche ihn nach seinem Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Taypip Erdogan als "Ziegenficker" beschimpft oder ihm geraten hatten, sich "nach Anatolien zu verpissen".

Der Satz, der Özils Statement vielleicht am besten zusammenfasst, lautet:

In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Immigrant, wenn wir verlieren.
Mesut Özil

Auf Twitter meldeten sich bereits Nutzerinnen und Nutzer zu Wort, die Özils Gefühl nachempfinden können. Dieses Gefühl, in einem Land aufgrund der eigenen Herkunft wie auf Bewährung zu leben. Und dieses Gefühl, dass eigene Fehler weniger toleriert werden als die von Menschen, die nicht eingewandert sind.

Auffällig ist: Schon vor Özil haben sich weitere Fußballstars fast wortgleich geäußert. Die bekanntesten Beispiele:

1

Romelu Lukaku

(Bild: Getty Images/Laurence Griffiths)

Der belgische Nationalspieler ist einer der großen Stars seiner Mannschaft und war vielleicht der beste Stürmer bei dieser WM. In einem Gastbeitrag für das Sportportal "The Players' Tribune" schrieb er vor dem Turnier:

"Wenn es gut lief, las ich Zeitungsartikel und sie nannten mich Romelu Lukaku, den belgischen Stürmer. Wenn es nicht gut lief, nannten sie mich Romelu Lukaku, den belgischen Stürmer kongolesischer Herkunft."

In dem Artikel beschreibt Lukaku seine Kindheit, seinen Traum vom Jugendspieler zum Profi zu werden – und kommt auf ganz ähnliche Schwierigkeiten zu sprechen wie Özil.

"Wenn du meinen Spielstil nicht magst, ist das okay. Aber ich bin hier geboren. Ich bin in Antwerpen aufgewachsen und in Lüttich und in Brüssel. (...) Ich starte Sätze auf Französisch und beende sie auf Niederländisch und zwischendrin mixe ich ein bisschen Spanisch, Portugiesisch oder Lingala hinein, je nachdem, in welcher Gegend wir gerade sind.

Ich bin Belgier.

Wir sind alle Belgier. Das ist das, was dieses Land cool macht, oder?"

2

Karim Benzema

Auch der französische Nationalstürmer Karim Benzema, der algerische Wurzeln hat, fasste seine Rassismus-Kritik ganz ähnlich zusammen. Für ihn als Stürmer stellt sich die Sache so dar:

Treffe ich, bin ich Franzose. Treffe ich nicht, bin ich Araber.
Karim Benzema

Benzema wurde in Lyon geboren. Wegen seiner angeblichen Verwicklung in eine Erpressungsaffäre um einen Teamkollegen hatte er seinen Platz im Team der Franzosen verloren.

In einem Interview warf Benzema dem französischen Trainer damals vor, dem Druck von Rassisten nachgegeben zu haben. Wen er meinte, verdeutlichte daraufhin die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen. Sie forderte seinen Ausschluss aus der französischen Nationalmannschaft. Ihre Begründung: "Er singt nie die Marseillaise". (Mopo)


Mit Material von dpa


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