Rein anatomisch hätte ich bestimmt die Goldmedaille für Deutschland gewinnen können. Muskeln ansatzweise vorhanden. 1,07 Meter lange Beine von der Fußsohle bis zur Hüfte. Das sind DIE Voraussetzungen für eine Hürdenläuferin.

In meiner Jugend hab ich insgeheim gehofft, jubelnd über die Ziellinie im Olympiastadion zu laufen. Im Fernsehen hätten sie dann beim Zusammenschnitt der Best-of-Bilder mich eingeblendet, während Whitney Houston "One Moment In Time" singt. Vor meinem Spiegel habe ich schon häufig meinen Olympiasieg gefeiert. Es war immer großartig.

(Bild: Privat)

Es blieb bei einem Kreismeistertitel im Hürdenlauf. Erste von drei Teilnehmern über 110 Meter in Gütersloh – wenn ich mich richtig erinnere. Außerdem steht noch ein verstaubter Pokal in meinem alten Kinderzimmer: für meinen zweiten Platz im Schultriathlon. Meine Bestleistung auf der 100-Meter-Sprintstrecke: Irgendwas mit 13 Sekunden. Vier langsamer als Usain Bolt.

Spitzensportler lachen natürlich darüber. Ich dachte, ich stehe kurz vor dem internationalen Durchbruch.

Dreimal die Woche habe ich trainiert. Zweimal Leichtathletik, noch einmal Tennis, manchmal joggen, ab und an mit dem Rad zur sechs Kilometer entfernten Schule, abends noch skaten oder Basketball auf dem Hof. Im Fitnessstudio war ich auch mal kurz. Ich fand das ziemlich viel, dafür, dass man sich noch aufs Abi vorbereiten musste und zum ersten Mal richtig verliebt war.

Spitzensportler lachen natürlich darüber. Ich dachte, ich stehe kurz vor dem internationalen Durchbruch.

Sport war meine größte Leidenschaft, aber trotz meiner Mühe habe ich es nie zu etwas gebracht.

Was unterscheidet Durchschnittssportler von Topathleten?

Auch wenn bei den Kreismeisterschaften nur fünfzig Menschen zuguckten, machte mich das nervös. Während bei erfolgreichen Sportlern Nervenkitzel und Adrenalin zu Bestleistungen führen, wurde ich ganz klein im Startblock. “Hilfe, ich stolpere und alle werden über mich lachen.” Diesen Kick, von dem große Sportler sprechen, habe ich auf der Tartanbahn nicht gefunden.

Auch Unterstützung wollte ich nicht. Meine Eltern brachten mich zu Turnieren und holten mich wieder ab. Auf der Tribüne saßen sie aber nie. Das fand ich peinlich. Diese Eltern, die gegen Gegner stichelten und bei Kreismeisterschaften so grölten, als ginge es um Weltmeisterschaften, waren mir fremd. Wahrscheinlich hätte ich sie aber doch gebraucht.

(Bild: Privat)
Sport war Spaß. Druck wollte ich nie entstehen lassen.

Im Verein gab es immer die, die es wirklich wollten – und mich. Andere Trainingskolleginnen bekamen irgendwann muskulösere Oberschenkel. Während ich mich mit kleinen Erfolgen zufrieden gab, wollten sie immer besser werden.

Nur das bedeutet auch Verzicht: Verzicht auf Freunde treffen nach der Schule, Verzicht auf Partys am Wochenende, Verzicht auf Chicken McNuggets, Verzicht auf andere Hobbys.

Verzichten wollte ich nicht.

Bei jungen Spitzensportlern ist jeder Tag durchgetaktet, am besten morgens laufen gehen, dann zur Schule, Hausaufgaben, lernen, danach direkt ab zum Training, früh ins Bett, morgens wieder fit sein. Ich hatte diese Disziplin nicht. Und sehr wahrscheinlich auch nicht das Talent, damit sich die Disziplin auch gelohnt hätte.

Ich bewundere Spitzensportler.

Ich bewundere Spitzensportler, denn während andere die Freiheiten der Jugend genießen, stellen sie alle anderen Bedürfnisse hinter den Sport. Sie holen alles aus ihrem Körper und Kräften raus. Nur wenige von ihnen schaffen es dann wirklich und noch weniger verdienen dann auch noch das große Geld.

Jetzt sitze ich halt vor dem Fernseher und träume noch immer von Olympia. Und manchmal drehe ich dabei laut Whitney Houston auf.

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