Wir haben mit einem Olympiasieger des HTC Köln über die Entscheidung gesprochen, den Sponsoring-Vertrag zu kündigen

Wer schon mal in der Kreisliga Fußball gekickt hat, Mitglied im Tennis-Club oder dem Turnverein war, weiß: Ohne lokale Sponsoren läuft gar nichts. Die Kreissparkasse, das Autohaus, ein Supermarkt – Geldgeber werden immer händeringend gesucht. 

Was aber, wenn hinter einem dieser Sponsoren ein Unternehmer steckt, der sein Geld nicht nur Sportlerinnen und Sportlern gibt – sondern auch der AfD?

Der Hockeyverein HTC Blau-Weiss in Köln sah sich jetzt mit dieser Frage konfrontiert. 

Wolfgang von Moers, geschäftsführender Gesellschafter von WvM-Immobilien soll 2016 und 2017 als Privatperson fünftstellige Summen an die AfD gespendet haben. Ende des vergangenen Jahres kam durch das Unternehmen auch dem Hockey-Verein eine ähnliche Summe zugute, dessen Herrenmannschaft in der 1. Bundesliga in der Halle spielt. Doch die Eltern eines Jugendteams hatten die Spenden von Moers recherchiert – und protestierten. (Kölner Stadtanzeiger) Ihre Kinder sollten nicht mehr mit einem Sponsoren auf dem Trikot rumlaufen, der auch eine rechtspopulistische Partei unterstützt. 

Laut "Stadtanzeiger" geht aus den Bundestags-Rechenschaftsberichten hervor, dass von Moers die Partei 2016 mit 15 000 Euro bedachte, 2017 dann noch einmal mit 23 000 Euro.

Der Verein rief seine Mitglieder zusammen, beriet und trennte sich von WvM Immobilien als Sponsor. Doch nicht alle waren dafür. Denn es stellte sich auch raus, von Moers spendete zwar unter anderem der AfD, ist aber Mitglied in der CDU.

Der Fall ist ein Symbol für den Vereinssport, denn es geht um die ganz großen Fragen für kleine Vereine: Welche Gesellschaft wollen sie abbilden? 

Wie sehr müssen sie darauf achten, wen sie als Sponsor auf der Brust tragen? Wann ist ein Unternehmer Privatperson und wann öffentliche Figur? Und wie politisch ist der Sport?

"Grundsätzlich sage ich: Nein, wir wollen keinen Sponsor, der rechte oder auch linke Extremisten unterstützt", sagt Jan-Marco Montag zu bento. Der 35-Jährige ist Olympiasieger, mit der deutschen Hockeynationalmannschaft gewann er 2008 die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Peking. Mittlerweile trainiert er die Hockey-Herrenmannschaft beim HTC Blau-Weiss in Köln, sein Vater ist im Vorstand aktiv. 

Montag sagt, er hege keinerlei Sympathien für die AfD. Er könne nachvollziehen, dass Eltern nicht wollen, dass ihr Kind mit einem Shirt rumläuft, auf dem das Firmenlogo eines Menschen ist, der schon mal für die AfD gespendet hat. 

Doch Wolfgang von Moers sei ein besonderer Fall, findet Montag. Sein Problem: Der Sponsor auf der Brust ist ein Unternehmen, von Moers ist die Privatperson dahinter. 

"Ehrenamtlich Arbeitenden können wir doch nicht auch noch abverlangen, die Privatpersonen hinter den Firmen zu durchleuchten. Dann wird man immer etwas finden, das einem der Vereinsmitglieder nicht passt", sagt Montag. "Ich frage mich: Muss jetzt eigentlich zum Beispiel jeder Fußballverein durchleuchten, was der Vorstandsvorsitzende privat für eine Partei wählt oder unterstützt? Und wenn jemand sagt, er wähle CDU oder SPD – ist er dann ein guter Sponsor? Wo ziehen wir da die Grenze?"

Zudem glaubt Montag, dass von Moers Unternehmen auch Flüchtlinge unterstützt – wie soll das in die Bewertung des Sponsors mit einfließen?

Auf Nachfrage beim Unternehmen wurden wir auf den offenen Brief verwiesen, den von Moers an den Verein geschrieben hat. Das Unternehmen hat den Brief auf seiner Facebook-Seite geteilt.

Darin verabschiedet sich von Moers vom Verein und drückt sein Bedauern über die gescheiterte Zusammenarbeit aus: "Die WvM hat in dieser Kooperation großes Potenzial gesehen. Aus unserer Sicht um unseren Bekanntheitsgrad zu steigern. Aus Ihrer Sicht, getreu dem 'Geld-schießt-Tore'- Prinzip, weiter aufzusteigen."

Da die Zeitungen KSTA / Express zwar aus dem offenen Brief von Wolfgang von Moers an die Mitglieder des KHTC zitieren,...

Posted by WvM Immobilien + Projektentwicklung GmbH on Monday, March 25, 2019

Weitere Nachfragen beim Unternehmen, warum von Moers überhaupt in den Jahren 2016 und 2017 an die AfD gespendet hat und wie seine aktuelle Einstellung zu der Partei ist (denn er schreibt im offenen Brief ja "damalige Beweggründe"), blieben bislang unbeantwortet.

Gegenüber dem "Kölner Stadtanzeiger" sagte von Moers, die AfD sei 2016 und 2017 "ein wichtiger Impulsgeber in der deutschen Politik" gewesen. Es sei ihm darum gegangen, durch Druck von außen eine Kurskorrektur bei der CDU, seiner eigentlichen politischen Heimat, zu erzielen.

Das Unternehmen sponsort neben dem HTC Blau-Weiss in Köln auch noch die Football-Mannschaft Cologne Crocodiles, in der von Moers laut Unternehmens-Magazin selbst einmal gespielt hat, die Eishockey-Mannschaft die "Kölner Haie", HSG Refrath Handball und den FC Viktoria Köln 1904 e. V.  (WvM). 

Für Montag bleibt die Entscheidung deshalb schwierig. Denn für ihn geht es auch darum, ob auch Vereine die Demokratie abbilden müssen – und somit auch Firmenlogos auf den Trikots zeigen, die möglicherweise nicht für ihre eigene politische Haltung stehen. 

Mit dem Fall werden Fragen aufgeworfen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Im Umgang mit der AfD stellen sich viele die Frage: Aufeinander zugehen und reden, oder ausgrenzen? Einen Sponsor zeigen, dessen Geschäftsführer Rechtspopulisten finanziell unterstützt – und dann auch wieder doch nicht?

"Politik ist auch innerhalb der Mannschaft ein Thema. Jeder hat seine Meinung, aber dass jemand extrem nach links oder rechts tendiert, habe ich noch nie mitbekommen", sagt Montag. Für ihn steht der HTC klar für Werte wie Offenheit, Integration und Zusammenhalt. 

Auch deshalb entschied sich der Verein nach mehreren Diskussionen, auf Distanz zu von Moers zu gehen. Die Antwort  des HTC auf die großen Fragen war in diesem Moment: Sport und Politik lassen sich nicht trennen. Privatperson und Unternehmer auch nicht. Und Vereine sind Vorbilder – auch politische. 


Queer

Diskriminierung durch Behörden: So schwer ist es für homosexuelle Paare, eine Familie zu gründen

Irgendwann, als sie das gefühlt tausendste Formular ausgefüllt hatten und das Jugendamt ihre Wohnung mehrfach inspiziert hatte, wurde Luisa und Stephanie etwas klar: "So fühlt sich also strukturelle Diskriminierung an."

Denn der Grund für all die Aufregung war: ihre Tochter Charlotte. Und die Tatsache, dass auch Stephanie offiziell ihre Mutter sein wollte. 

Luisa und Stephanie sind seit 2007 ein Paar, fünf Jahre später entscheiden sie sich für eine eingetragene Lebenspartnerschaft. "Wir wussten von Anfang an, dass die jeweils andere 'die Eine' ist, dass wir unser Leben gemeinsam verbringen wollen – und dass auch mindestens ein Kind zu unseren Zukunftsplänen gehörte", erzählt Luisa bento. 2017 klappt es: Luisa bringt mit Spendersamen aus einer Kinderwunschklinik Charlotte zur Welt. Eine glückliche Kleinfamilie. Wäre da nicht diese eine Sache: Dass Luisa und Stephanie nicht Luisa und Stephan sind. Und das macht ihr Leben verdammt kompliziert. 

Für Stephanie beginnt ein zermürbender Kampf mit den Behörden um die Adoption ihres eigenen Kindes.

"Stiefkindadoption" nennt man das.

Und eigentlich zeigt schon dieses Wort, worum sich das Gesetz in diesem Fall dreht: Wenn ein Elternteil ein Kind in eine neue Ehe "mitbringt" und der neue Partner das Kind adoptieren möchte, sodass beide Eheleute gleichberechtigt für das Kind sorgen dürfen und entsprechende Rechte haben.

Eine Stiefkindadoption ist anstrengend. Egal ob Frau und Mann, Frau und Frau oder Mann und Mann. Die Adoption wird beim Familiengericht beantragt, und das Gericht bittet dann das Jugendamt um ein Gutachten, das die Eignung des Adoptivelternteils überprüft. Der Prozess dauert mehrere Monate und kann viel Geld kosten. 

Das Ungerechte: Bei heterosexuellen Paaren tritt dieser Prozess erst dann auf, wenn ein Elternteil das Kind in eine neue Beziehung mitbringt. 

Aus allem anderen hält sich der Staat aber heraus. "Wenn in einer Ehe von heterosexuellen Partnern die Frau ein Kind zur Welt bringt, ist ihr Ehemann automatisch der Vater und Sorgeberechtigte des Kindes, auch wenn er nicht der biologische Vater ist (§ 1592 BGB)", erklärt uns Astrid Weinreich, Fachanwältin für Familienrecht

Bei homosexuellen Paaren ist eine Stiefkindadoption aber immer notwendig.

Also auch, wenn Stephanie und Luisa seit Jahren verheiratet sind und ein Kind mit Hilfe einer Samenspende zur Welt bringen. Auch, wenn kein Vater in der Geburtsurkunde steht, also sonst niemand "Anspruch" auf das Kind erhebt. Stephanie muss in jedem Fall, wenn Luisa das Kind zur Welt gebracht hat, den kompletten Prozess der Stiefkindadoption durchmachen, um überhaupt irgendwelche Rechte an ihrem Kind zu haben. 

Ob das Paar verheiratet ist oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt, macht dabei keinen Unterschied. Denn homosexuelle Eltern sind in der aktuellen Gesetzeslage bisher einfach nicht vorgesehen. Unsere Gesellschaft und moderne Fortpflanzungsmedizin, die künstliche Befruchtungen ermöglicht, entwickeln sich derzeit schneller als unsere Gesetze. (Süddeutsche Zeitung)

Fachanwältin Astrid Weinreich hat bento erklärt, wie eine Stiefkindadoption im Normalfall abläuft:

Zuerst muss ein notariell beurkundeter Antrag beim Familiengericht eingereicht werden. Dazu braucht das Gericht eine Reihe an Urkunden:

  • Adoptionsantrag in Ausfertigung
  • Erforderliche Einwilligung in Ausfertigung
  • Geburtsurkunden des Adoptivelternteils und des Kindes
  • Heiratsurkunde oder Lebenspartnerschaftsurkunde
  • Ärztliches Gesundheitszeugnis bezüglich des Adoptivelternteils und des Kindes
  • Nachweise der Staatsangehörigkeit des Adoptivelternteils und des Kindes
  • Polizeiliches Führungszeugnis des Adoptivelternteils

Das Familiengericht muss dann ermitteln, ob die Adoptionsvoraussetzungen grundsätzlich vorliegen und ob der Adoptivelternteil geeignet ist (§ 26 FamFG).

Um zu ermitteln, ob die Partnerin oder der Partner als Adoptivelternteil geeignet ist, beauftragt das Familiengericht dann das Jugendamt, eine gutachterliche Stellungnahme anzufertigen (§ 189 FamFG).

Für das Gutachten des Jugendamtes müssen von den Eltern zahlreiche Fragebögen ausgefüllt und Schreiben angefertigt werden. Unter anderem möchte das Jugendamt einen ausführlichen "Lebensbericht" von beiden Elternteilen. Dieser soll insbesondere enthalten: Kindheit, Erziehung, Verhältnis zu Eltern und Geschwistern, Schul- und Berufsausbildung, Berufstätigkeit, Partnerschaft und Freizeitgestaltung.