Bild: epa/ Filip Singer
Es ist eine Ehre, Kapitän der Nationalelf zu sein. Ich wäre jedenfalls bereit.

Das hat Jerome Boateng der "Bild"-Zeitung gesagt (BILD-Zeitung). Und auch wenn Boateng im nächsten Satz von anderen "starken Führungsspielern" redet, steht fest: Der Mann will unbedingt Kapitän werden. Jetzt scheint die Gelegenheit günstig. Bastian Schweinsteiger will nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen, einen klaren Favoriten auf die Nachfolge gibt es noch nicht.

Tatsächlich hat der Bundestrainer aber nur eine Möglichkeit. Drei Gründe, warum Joachim Löw Jerome Boateng unbedingt zum Kapitän ernennen sollte:

1. Weil er auf dem Platz ohnehin der Boss ist.
(Bild: epa/ Shawn Thew)

Spätestens seit der EM in Frankreich ist klar: Jerome Boateng ist derzeit der beste deutsche Spieler. Er dirigiert die Abwehr seiner Mannschaft, baut das Angriffsspiel auf, rettet wenn nötig selbst in höchster Not und schießt plötzlich auch noch Tore.

Früher versuchte Boateng häufig, seine Gegenspieler in wilden Aktionen abzugrätschen. Inzwischen geht er so ruhig in die Zweikämpfe, dass die Stürmer regelmäßig verzweifeln. Wenn Boateng fit ist, spielt er so gut wie kein zweiter Abwehrspieler der Welt. Selbst Thomas Müller widerspricht nicht mehr, wenn Boateng ihn auf dem Platz zusammenfaltet.

Natürlich könnte Joachim Löw auch Manuel Neuer zum Kapitän machen. Auf dem Platz wäre trotzdem Boateng der Boss.

2. Weil er endlich seine Meinung sagt.
​Wir kommen nicht am Gegner vorbei, werden nicht gefährlich. Wir haben kein Eins-zu-Eins-Duell in der Offensive gewonnen. Das müssen wir ändern, sonst kommen wir nicht weit.​

Rumms. Noch Fragen? Neuerdings sagt Jerome Boateng solche Dinge in die Kameras, zuletzt nach dem Remis gegen Polen in der Gruppenphase der EM. Weil er weiß, dass er sich es erlauben kann. Und um seine Teamkollegen aufzurütteln. Plötzlich wehte ein Hauch von Michael Ballack durch die Mixed-Zone. Boateng durchbrach mit dem Gefühlsausbruch die sonst so perfekt geplante Inszenierung der Nationalmannschaft. Trotzdem verkörperte er in diesem Moment genau das, was die PR-Profis der Nationalmannschaft vermitteln wollen: Ehrgeiz und Selbstbewusstsein.

Einen besseren Kapitän kann man sich nicht wünschen.

3. Weil er der beste Nachbar ist.
(Bild: dpa)

Vor der EM hat die"Alternative für Deutschland" versucht, die Nationalmannschaft zu instrumentalisieren. So richtig deutsch seien die Söhne der Einwanderer nicht – auch wenn sie für die deutsche Nationalmannschaft spielen. Das war der Subtext ihrer Aussagen. Am deutlichsten wurde AfD-Vize Alexander Gauland: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben."

Der Satz ist lächerlich – und mit jedem Auftritt Boatengs wurde das deutlicher. Joachim Löw würde gerne neben Boateng wohnen, die meisten deutschen Twitter-Nutzer auch. Die deutsche Gesellschaft ist längst viel weiter als die AfD. Boateng zum Kapitän zu machen, würde das noch einmal verdeutlichen. Das Amt bekäme er nicht trotz oder wegen seiner Hautfarbe – sondern einfach, weil er es sich verdient hat.

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