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Imke Wübbenhorst trainiert eine Männermannschaft – als einzige Frau in der Oberliga. Wir haben mit ihr gesprochen

Imke Wübbenhorst, 30, trainiert eine Fußballmannschaft. Eine, die vom Abstieg bedroht ist. Das allein wäre noch keine Nachricht. In den Oberligen dieses Landes stehen mehrere Trainerinnen und Trainer vor dieser Herausforderung. Aber weil Wübbenhorst eine Frau ist und ihr Team nur aus Männern besteht, schauen Fußballfans und Vorkämpferinnen für Gleichberechtigung gerade ins niedersächsische Cloppenburg.

Sie ist die erste Frau, die das Sagen über ein Männerteam in der fünfthöchsten Spielklasse hat – noch nie hat eine Frau so hochklassig bei den Männern trainiert.

Dass es keine einfache Aufgabe wird, sich gegen Vorurteile zu wehren, war für Wübbenhorst klar. Seit Weihnachten trainiert sie die Mannschaft. Aus dem Umfeld des Vereins musste sie sich schon fragen lassen, ob sie eine Sirene auf dem Kopf tragen werde, damit die Männer schnell noch eine Hose anziehen können, bevor sie in die Kabine komme. Sie konterte:

„"Natürlich nicht. Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf."“

Wir haben mit Imke Wübbenhorst gesprochen. Was hat sie mit der Mannschaft vor? Wie reagiert sie auf Kritiker? Und wie ernst meint sie das mit der Schwanzlänge?

Imke Wübbenhorst

Imke Wübbenhorst war selbst Profifußballerin. Zweimal gewann sie den Europameister-Titel mit der U19-Nationalmannschaft. Sie spielte für den Hamburger SV in der ersten Liga und bei Sporting Club Huelva in Spanien, besitzt die Trainer-A-Lizenz des Deutschen Fußball-Bundes und war Cheftrainerin der Zweitliga-Frauenmannschaft bei Cloppenburg. Hauptberuflich arbeitet sie als Gymnasiallehrerin für Biologie und Sport.

Wie bist du zum Trainerposten beim BV Cloppenburg gekommen?

Es gingen mehrere gescheiterte Versuche, Trainerin einer Männermannschaft zu werden, voraus. Bei zwei Regionalliga-Vereinen und in der Landesliga habe ich vorgesprochen. Ich bin abgelehnt worden: Weil sie es mir nicht zugetraut haben, eine Horde Fußballspieler in den Griff zu bekommen. Sie haben befürchtet, dass gerade die Spieler, die nicht in der Startelf sind, beleidigt sein könnten und mich auf mein Geschlecht reduzieren würden. 

Niemand ist auf meine Qualitäten eingegangen. Dabei wollte ich einfach nur über Fußball reden.

Was lief in Cloppenburg anders?

Dort kannte man mich. Ich habe ja bereits die Frauenmannschaft trainiert. Vor Weihnachten ist dann der Trainer der Männer zurückgetreten. Ich dachte mir: Warum versuchst du es nicht bei deinem eigenen Verein?

Der Vorstand hat alleine nach meiner Qualifikation entschieden. Ich war mal Profispielerin, bin Trainerin in der zweiten Frauen-Bundesliga gewesen, habe Sport und Biologie auf Lehramt studiert und habe eine A-Lizenz. 

Aber hätte der Verein das Geld für einen externen Trainer gehabt, hätte man diese unkonventionelle Entscheidung sicher nicht getroffen.

Was reizt dich überhaupt daran, ein Männerteam zu trainieren?

Ich habe im Frauenbereich schon alles gesehen. Ich war sieben Jahre Erstliga-Spielerin, war in der Jugend-Nationalmannschaft und habe für die spanische Liga gespielt. Aber der Männerbreich bekommt eine ganz andere Aufmerksamkeit – in den Medien und auch in der Fußball-Szene. Und natürlich ist Männerfußball schneller, härter. Die körperlichen Voraussetzungen unterscheiden sich eben. Ich schau mir auch lieber Männerspiele im Fernsehen an, ist doch klar.

Du redest Frauenfußball schlecht?

Nein, Frauenfußball hat ganz andere Stärken. Meiner Meinung nach geben die Frauen oft noch mehr als die Männer. Sie werfen alles in eine Waagschale und sind taktisch wahnsinnig gut. Aber ihr Spiel ist nun mal langsamer.

Was muss sich ändern, damit noch mehr Frauen die gleiche Chance bekommen wie du?

Die Verantwortlichen in den Vereinen müssen endlich anfangen, über Qualität zu reden – nicht über das Geschlecht. Das Problem ist doch, dass in vielen Vereinsvorständen nur Wenige Ahnung von Fußball haben. Da sitzen reiche Leute, die jemanden mit "Stallgeruch" als Trainer wollen. Das habe ich schon oft gehört. Es ist nicht immer gleich ein Qualitätsmerkmal eines Trainers, wenn man mal ein erfolgreicher Fußballer war. 

Ich habe Bundesliga gespielt – aber das ist eben nicht gleich bedeutend mit Männerfußball.

Aber eben nur Frauenbundesliga, wie du eben selbst gesagt hast?

Taktisch versierten Frauenfußball. Aber es sollte nicht um meine Karriere gehen, sondern um mein Fußballverständnis.

Ich bin zum Beispiel immer wieder überrascht, dass Trainer in einigen höheren Klassen keine Videoanalysen machen. Dabei ist es total wichtig für Spieler, sich selbst zu sehen. Für mich gehört das dazu, ich arbeite sehr akribisch.

(Bild: Jens Wolf/dpa)

In deiner neuen Position bist du erst einmal nicht durch deine Trainerleistung aufgefallen – sondern durch ein derbes Zitat. Auf eine Frage aus deinem Umfeld hast du geantwortet, du würdest die Mannschaft nach Schwanzlänge aufstellen.

Es ist doch so: Hätte ich ganz harmlos geantwortet, dass ich an der Kabine klopfe und erst dann reingehe, hätten sie nur weiter Scherze gemacht. So waren die Männer perplex und ich habe ihnen gezeigt, dass ich mir solche Fragen nicht gefallen lasse. Man kann leide nur mit solchen Sprüchen erreichen, dass sie aufhören.

Ist es nicht schade, dass es nur so geht, auf derbe Art und Weise? 

Ich würde mir wünschen, man müsste das nicht tun. Mir fällt gerade nichts anders ein.

Würdest du dich als Feministin bezeichnen?

Nein, ich will auch nicht wie eine Alice Schwarzer rüberkommen. Ich kann auch mit meinen Jungs über dumme Sprüche lachen und nehme nicht alles bitterernst. Ich will nicht ständig über das Geschlechterverhältnis nachdenken, sondern einfach meinen Job machen.

Wie hat die Mannschaft auf deine plötzliche Berühmtheit reagiert?

Nach dem Hype um diesen einen Spruch bin ich in die Kabine und habe gesagt, dass mir egal ist, was sie in der Hose haben. Nur die Leistung auf dem Platz interessiert mich. Und auch mich sollen sie nach meiner Leistung bewerten.

Und ich habe gesagt, dass ich mir von ihnen wünsche, dass sie die Eier haben, auf dumme Fragen so zu antworten: 'Ja, das ist eine Frau und die Frau ist richtig gut.' 

Ich war aber selbst überrascht von all dem Rummel. In Zukunft soll es mehr um die Mannschaft gehen als um meine Position. Auch wenn ich all die Medienanfragen verstehen kann: Das Team steht im Vordergrund.

Das Team steht auf dem letzten Tabellenplatz und kämpft gegen den Abstieg. Was hast du vor?

Wir haben in den vergangenen 18 Spielen 40 Gegentore bekommen – es gibt also viel zu tun. Die Mannschaft muss auch als Mannschaft agieren, um individuelle Fehler auszugleichen.

Ich kenne die Jungs seit zwei Wochen und ich muss sagen: Sie haben den Klassenerhalt fest im Blick. Sie merken, dass ich helfe und sie weiterbringen möchte.

Ich habe am Anfang Szenen aus der Hinrunde mit WM-Momenten verglichen. Natürlich kann man das nicht genau so übernehmen – aber ansatzweise kann man sich an der taktischen Ausrichtung orientieren. 

Und was ist dein persönliches Ziel? 

Hauptberuflich arbeite ich ja als Lehrerin. Ich liebe meinen Job, aber Fußball liebe ich noch mehr. Es wäre schön, wenn ich das irgendwann zu meinem Beruf machen könnte. Bei einem Verein, wo ich nicht mehr meine Freundinnen fragen muss, ob sie neben dem Spielfeld stehen und alles filmen, weil für Videoanalysten kein Geld da ist.

Und irgendwann Bundesliga?

Natürlich ist es mein Ziel, als Trainerin so hoch wie möglich zu trainieren. Ich glaube aber, das wird es in 100 Jahren nicht geben. Das traut sich kein Bundesliga-Verein. Auf die Diskussionen und die Reaktionen der Fans und Sponsoren hat keiner Lust. Die Vereine haben Angst, große Sponsoren mit so einer unkonventionellen Entscheidung zu verärgern.

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Tag 14 im Dschungel: RTL hat Technikprobleme – Twitter läuft trotzdem. Die besten Tweets
Und Twitter lief heiß!

Es ist eine Premiere im diesjährigen Dschungelcamp: Zum ersten Mal in der Geschichte muss an Tag 14 keiner der Kandidaten nach Hause fahren. Grund hierfür ist offenbar eine technische Panne beim TV-Sender RTL

Der Moderator der Sendung Daniel Hartwig erklärte den Dschungel-Campern: "Das Voting ist normal gelaufen und die Leitungen wurden wie üblich geschlossen. Allerdings verzögert sich aufgrund von Serverproblemen die Auswertung. Daher können wir heute kein Ergebnis bekanntgeben."

Somit durften alle Bewohner noch einen Tag im Dschungel bleiben. 

Inzwischen hat RTL bekanntgegeben, dass dafür am Freitagabend gleich drei von den übrigen sechs Kandidaten das Dschungelcamp verlassen müssen. 

Den Usern auf Twitter war es aber egal, ob ein Kandidat nach Hause musste oder nicht, sie nahmen die Technik-Panne mit Humor.

Hier sind die besten Tweets von Tag 14 im Dschungel:

Dschungelcamp > Tinder!