Bild: privat
"Das war wie ein Schlag in die Magengrube."

Die Spielerinnen tragen weiße Trikots ohne Vereinslogo. Als die Gegnerinnen um sie herum den Ball passen, bleiben sie regungslos, setzen sich schließlich mitten auf dem Spielfeld hin. Der Schiedsrichter steht ratlos daneben, bricht das Spiel schließlich ab. 

Das Video dieser Szene ging am Sonntagabend durchs Netz – hinter der Aktion stecken Spielerinnen von Holstein Kiel. (Hier kannst du das Video sehen)

Sie waren mal die Frauenmannschaft des Kieler Vereins. Was sie jetzt sind, wissen sie nicht mehr. 

Die Männermannschaft von Holstein Kiel steht kurz davor, in die Bundesliga aufzusteigen. Nun hat sich der Verein kurzerhand der Frauen entledigt – "um sich ganz der Arbeit im Herrenbereich und im männlichen Nachwuchs zu widmen", wie es auf der Website des Vereins heißt.

Was macht das mit den Frauen im Verein? Und wie geht es nun für sie weiter? Wir haben mit Sarah Begunk gesprochen. Die 26-Jährige ist die Kapitänin der "Holstein Women". Im vergangenen Jahr wurde sie in Schleswig-Holstein zur zweitbesten Fußballerin des Jahres gekürt.

Sarah Begunk (in blau-weiß): "Es gab keine Gespräche mit uns"(Bild: privat)

Euer Verein hat sich von euch getrennt. Und jetzt?

Keine Ahnung – wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wir sind insgesamt drei Frauenteams bei Holstein Kiel. Und wir wünschen uns, dass alle drei Teams gemeinsam eine neue Heimat finden. 

Die Vereinsleitung hat geschrieben, dass ihr beim VfB Kiel unterkommen könnt.

Das ist nur ein Vorschlag, aber noch keine Lösung. Es war noch gar nichts abgesprochen. Ob und wo wir landen, wird sich also zeigen. 

Wir Frauen werden jetzt auf jeden Fall alleine auf die Suche nach Sponsoren gehen, die uns weiterhelfen. Dann fallen wir einem möglichen neuen Verein finanziell nicht so stark zur Last. Denn das ist ja das Hauptproblem: Im Frauenfußball fehlt es an Geld. Durch Ticketverkäufe können wir uns nicht finanzieren, also brauchen wir Sponsoren.

Die erste Frauenmannschaft von Holstein Kiel.(Bild: privat)

Wie habt ihr vom Rauswurf erfahren?

Der wurde uns kurz vor Trainingsbeginn mitgeteilt. Unmittelbar danach hat der Verein das auch offiziell verkündet. Es gab vorher keine Gespräche mit uns. 

Das war wie ein Schlag in die Magengrube.

Ich selbst war sehr schockiert und ich glaube, vielen Spielerinnen ging es ähnlich. Manche von uns haben das bis jetzt noch nicht richtig realisiert.

Auch der HSV hatte sich von seinen Frauen getrennt, die Wolfsburger Damen bekamen vergangenes Jahr keine Meisterfeier – hat der Frauenfußball ein Problem?

Fakt ist: Frauenfußball gewinnt zu Zeiten der Emanzipation an Popularität. Deshalb braucht es noch ein wenig mehr Zeit und noch mehr interessierte Sponsoren, um Frauenteams finanziell unabhängiger zu machen.

Wie viel kosten die Frauen?

Drei Frauenteams gibt es bei Holstein Kiel. Sarah kann nicht beantworten, wie viel sie kosten – die Summen kennt sie nicht. Aus Vereinskreisen heißt es, dass es jährlich um einen sechsstelligen Betrag geht. Der soll nun vor allem in die Nachswuchsförderung der Männer wandern. (NDR)

Das Problem des Vereins: Auch wenn die Frauen gerade erfolgreich sind, die Männer sind erfolgreicher. Holstein Kiel könnte in die Bundesliga aufsteigen. Da dem Verein aber Geld für neue Profispieler fehlt, wollen sie alles in ihre Jungtalente stecken.

Wie wollt ihr die Aufmerksamkeit bekommen?

Wir haben einen Hashtag gestartet – #AufstehenfürVielfalt – unter dem sich andere Frauenteams solidarisieren können. Es soll ein Zeichen für Gleichberechtigung sein. Fußball ist eben nicht nur Männersache.

Apropos Männer: Haben die Spieler von Holstein Kiel auf euren Rauswurf reagiert?

Mir ist leider nichts bekannt.


Fühlen

"Ich will mich nicht outen": Drei Menschen erzählen vom Leben mit HIV
Und ob sie deshalb ausgegrenzt werden.

Sie sind HIV-positiv." Ein Satz, der Betroffene zusammenschrecken und Zukunftsvorstellungen zerplatzen lässt. Will jetzt noch jemand etwas mit mir zu tun haben? Werde ich sterben? Conchita Wurst wollte gegen diese Ängste von HIV-Positiven etwas unternehmen – und gab vor wenigen Wochen ihre Diagnose bei Instagram bekannt. Ihr Ex-Freund hatte gedroht, mit ihrer Infektion an die Öffentlichkeit zu gehen. Also tat die Siegerin des Eurovision Song Contest 2014 es lieber selbst. Um ein Zeichen zu setzen, gegen die Diskriminierung von HIV-Positiven. (bento)

Denn dass Conchita Wurst erpresst wurde, zeigt: Wer HIV-positiv ist, muss noch immer Angst vor Ausgrenzung haben. Auch, wenn man wie sie unter der Nachweisgrenze liegt, also niemanden anstecken kann. Dass ein ganz normales, langes Leben auch mit dem Virus möglich ist, wissen viele nicht. Wir haben drei Menschen gefragt, wie die Diagnose sich anfühlte – und ob sie ihr Leben veränderte.