Informiert hat die Frauen übrigens niemand.

Der Zweitligist Holstein Kiel braucht seine Frauen nicht mehr. In der kommenden Saison gibt er sie daher an den VfB Kiel ab. Die Frauen-Abteilung werde abgestoßen, "um sich ganz der Arbeit im Herrenbereich und im männlichen Nachwuchs zu widmen", heißt es auf der Website des Vereins.

Die Holsteiner Frauen hätten bereits gut mit dem VfB Kiel kooperiert, also stellt sich der Verein die Trennung ganz unproblematisch vor. 

Das Problem: Die Frauen hat vorher keiner informiert. Die Entscheidung fiel im rein männlichen Vorstand.

Es gibt drei Mannschaften der "Holstein Women", zwei Frauenteams in der Regional- und Landesliga sowie ein Juniorinnenteam in der Oberliga Schleswig-Holstein. Der Trainer der zweiten Mannschaft sagte, die Entscheidung sei überraschend: 

Wir wurden mit der Nachricht am Freitagabend überrumpelt. Jetzt müssen wir das erstmal sacken lassen und dann schauen, wie es weitergehen kann.
Matthias Lachmann, SHZ

Entsprechend sorgte die Entscheidung für viel Kritik: Aminata Touré, die gleichstellungspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, und Lydia Rudow, die sport- und gleichstellungspolitische Sprecherin der Grünen Ratsfraktion in Kiel schrieben auf Facebook eine Stellungnahme: 

"Der Rauswurf der Frauenabteilung durch Holstein Kiel ist vollkommen daneben. Öffentliche Fördergelder beanspruchen aber Gleichstellungspolitik aus dem vorletzten Jahrhundert praktizieren – das passt nicht zusammen. Das ganze Vorgehen ist ein Armutszeugnis für die Gleichstellung von Frauen und Männern im Fußball."

Am härtesten ist der Protest der Spielerinnen selbst – sie haben am Sonntag einfach verweigert.

Beim Spiel der 2. Damenmannschaft der KSV Holstein gegen ATSV Stockelsdorf stellten sich die Frauen aufs Feld. Und blieben dann stehen. Die gegnerischen Spielerinnen spielten ihre Pässe, liefen aufs Tor zu, an der reglosen Torwärtin vorbei – und schossen ein 0:1.

Als der Schiri pfiff, trafen sich die Spielerinnen in der Feldmitte zu einer Sitzblockade. Die Frauen am Spielfeldrand machten es ihnen nach. 

Das Signal: So sieht Sport aus, wenn man sich mit "ganzer Kraft dem Herrenbereich" widmet.

Hier könnt ihr die Szene sehen:

Video der Protestaktion der zweiten Damenmannschaft von Holstein Kiel #aufstehenfürvielfalt auch die Zuschauer und die Gegnerinnen vom ATSV Stockelsdorf Frauenfussball zeigten sich solidarisch. #kiel

Gepostet von Textkombüse am Sonntag, 29. April 2018

Fühlen

In dieser BDSM-Beziehung hat Jenny das Sagen – im Alltag und im Bett
Über Macht, Vertrauen und Wut.

Er trägt kein Halsband, sie keine Peitsche. Jenny sitzt ungeschminkt auf dem Sofa, ihre dunkelblonden Haare sind noch nass vom Duschen und trocknen an der Luft, während sie über Machtstrukturen in ihrer Beziehung sprechen. Ihr Freund Kai sitzt auf dem Boden vor der weißen Couch. Ich frage mich, warum er auf dem Boden sitzt –  erst im Laufe des Gesprächs wird es mir klar. 

Als ich die zwei kennenlerne, kann ich mir kaum vorstellen, dass er auf Schläge steht und sich seiner Freundin gerne sexuell unterordnet. Mein Kopf ist zunächst voller Klischees: Warum haben die zwei kein Lack und Leder an?

Jenny und Kai leben in einer „Female Lead Relationship“ (FLR). Ich habe noch nie solche Menschen kennengelernt, weiß gar nicht, was genau das ist. Ich bin gespannt, wie ihre Beziehung aussieht. Im Alltag und im Bett.   

Ihr führt eine 24/7 FLR-Beziehung. Was ist das?

Kai: Es gibt es ein klares Machtgefälle: Jenny hat die Hosen an, im Alltag und sexuell. Wir führen natürlich auch die ganz normalen Beziehungsgespräche und respektieren uns gegenseitig. Wir sind in erster Linie ein Paar geworden, weil wir uns sympathisch finden und Interessen teilen. Und es gibt – wie in vielen normalen Beziehungen auch - Zärtlichkeiten, Kuscheln ist für uns ganz wichtig.   

Jenny: Ach ja, wir kuscheln? Ich hau dich doch die ganze Zeit und jage dich durch die Wohnung.

Schon bin ich das erste Mal verunsichert: Ist das ein Scherz? Oder meint sie das ernst? Ich habe keine Ahnung. Sie spricht weiter.