Bild: dpa / Bjorn Lindgren
Tobias Karlsson wollte sich gegen Homophobie aussprechen – und durfte nicht.

Er wollte etwas ganz Einfaches: Während der Handball-EM in Polen ein Zeichen für Toleranz setzen, eine Binde in den Farben des Regenbogens am Arm tragen – und sich so gegen Homophobie aussprechen.

Doch genau das darf Tobias Karlsson, Handball-Bundesligaprofi bei der SG Flensburg-Handewitt und Schwedens Kapitän bei der Handball-EM, nicht machen – die Erlaubnis dazu wurde ihm vom Europäischen Handballverband (EHF) entzogen.

Das Gremium des EHF teilte mit, dass die Spielführerbinde "als Teil des Trikotsatzes anzusehen" sei und deswegen "eine Farbe oder mehrere Farben der jeweiligen Nation" enthalten müsse (SPIEGEL ONLINE). Gleiches gelte auch für Socken, Leggings und Longsleeves.

"Unabhängig von unseren eigenen Ansichten zu diesem und anderen Themen ist die EHF nicht in der Position, solche Statements während der Spiele und Veranstaltungen wie der Euro zuzulassen", sagte EHF-Präsident Jean Brihault am Freitag.

Er verwies darauf, dass die Gleichheit aller Menschen unabhängig von Rasse, Religion oder sexueller Orientierung in den Statuten verankert sind.

Zunächst hatte die EHF das Tragen der Binde noch erlaubt – und Tobias Karlsson hatte sie während eines Freundschaftsspiels Anfang Januar gegen die Tschechische Republik auch noch getragen.

Die Binde wolle er tragen, bis ihn jemand aufhalte, sagte er der dänischen Tageszeitung "Flensborg Avis".

Das hat die EHF nun getan. Und sorgte damit für Diskussionen: Die polnischen Medien berichten ausführlich über das Verbot, Homophobie ist in Polen noch immer ein gesellschaftliches Problem.

Karlsson selbst sagte der ARD: "Ich bin traurig, ich bin wirklich enttäuscht. Ich hatte große Hoffnungen." (ARD)

Bei Karlssons Handballer-Kollegen kam die Aktion dafür sehr gut an. Nach seinem Vorbild zogen sich auch der Isländer Gudjon Valur Sigurdsson und der Norweger Bjarte Myrhol eine Regenbogenbinde auf den Oberarm – und twitterten unter #proudtobehandballer:

Auch auf Twitter diskutieren Nutzer über die Entscheidung des Handballverbandes – die meisten sind der Meinung: Sie war falsch.

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