"Weil doch in Deutschland alle weiß sind und in Brasilien alle braun, versteht ihr?"

Der Würstchenhersteller Grillido verkauft in deutschen Supermärkten derzeit ein Produkt, das an das WM-Halbfinale von 2014 erinnern soll. Gastgeber Brasilien unterlag damals Deutschland mit 1:7.

Grillido feiert das mit einer Würstchenpackung, in der sieben weiße Würstchen sind – und ein braunes.

Und drüben auf Twitter finden einige Leute das gar nicht witzig:

Neben den Würstchen ist das Bild eines weinenden Brasilianers zu sehen. Twitter-Nutzer @Schland_Watch hat die Packung dokumentiert und hält sie für rassistisch.

"Weil doch in Deutschland alle weiß sind und in Brasilien alle braun, versteht ihr?"

Mehr als 200 Mal wurde das Foto bereits retweetet. In den Kommentaren diskutieren Nutzerinnen und Nutzer, was noch als leicht verdaulicher Humor oder "Party-Patriotismus" gelten kann – oder ob hier nur noch dumpfe Vorurteile verbreitet werden.

Denn natürlich haben nicht alle Menschen in Brasilien braune Haut, und nicht alle Deutschen sind weiße Würstchen. Es scheint, als haben die Verantwortlichen bei Grillido einfach die gängigsten Klischees in eine Wurst gepackt und finden das Ergebnis amüsant.

Grillido selbst scheint sich der Provokation bewusst zu sein: In Werbeclips wird der Wurstmatsch mit Lach-Smileys als "derbste Packung der WM-Geschichte" beworben. Ex-Profi Mario Basler bewirbt das Angebot: 

"Ein Mario Basler macht sich nicht warm. Er macht den Grill warm – 7:1 wie 2014. Versteht ihr?"

Wir haben bei Grillido angerufen – und sie gefragt, wie es zur "Brasilien-Wurst" kam.

Das Unternehmen wird von Michael Ziegler und Manuel Stöffler geleitet. Die beiden 30-Jährigen haben es vor einigen Jahren als Start-up gegründet, um gesündere Grillwürste zu kreieren. Weniger Fett, mehr Geschmack, behaupten die beiden.

"Und zur WM wollten wir den Geschmack verschiedener Länder in eine Wurst packen", sagt Michael zu bento. Das Ganze sei nicht als Abgrenzung, sondern "als Zeichen für Vielfalt" gedacht gewesen.

Tatsächlich gibt's bei Grillido mehrere "Nationalwürste" im Angebot – und auch andere Mix-Packungen. So gibt es "Mexiko-Würste", gefüllt mit Hähnchen, Mais und Paprika. Oder "Frankreich-Würste" mit Hühnchen, Blattspinat und Hirtenkäse. 

"Die Farbe ist den Zutaten geschuldet", sagt Michael. "Mit Rassismus hat das nichts zu tun."

So ist die "Brasilien-Wurst" mit Rindfleisch, Emmentaler und Chili gefüllt. Und die "Deutschland-Wurst" mit Schweinefleisch, Sauerkraut und Rauchfleisch. Die eine werde dadurch bräunlich, die andere eben weiß. "Unsere französische Wurst sieht dank der Kräuter grün aus", sagt Michael, "da denkt ja auch keiner an die Hautfarbe."

Dass sich nun Nutzer angegriffen fühlen, tue ihm leid. "Wir wollten sicher niemandem zu nahe treten", sagt Michael. Bei der Brasilien-Deutschland-Packung ging es "einfach nur um einen Fußballsieg". 

Mittlerweile hat er einige Twitter-Nutzer auf seiner Seite. Die halten die Debatte mittlerweile für übertrieben:


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