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Unsere Forderungen zum Weltfrauentag

Fairness, Vielfalt und Integration – Sportverbände rühmen sich gern mit den ganz großen Werten. Aber in vielen Sportarten ist Gleichberechtigung immer noch eine Wunschvorstellung. Das zeigt sich vielleicht am deutlichsten an Bibiana Steinhaus, der ersten weiblichen Schiedsrichterin in der Ersten Fußballbundesliga der Männer. Sie war bester Schiri in der Zweiten Liga, aufgestiegen ist sie erstmal trotzdem nicht. Da stellt sich die Frage: Haben Männer Angst, vor den sportlichen Leistungen der Frauen?

Frauen bekommen weniger Anerkennung, sexistische Kommentare sind keine Seltenheit und in vielen Sportarten haben es Frauen immer noch schwerer Erfolge zu feiern, als ihre männliche Konkurrenz. 

Der Profisport hat ein Sexismusproblem und das muss sich ändern!

Erleichtert den Zugang für Frauen! 

"Frauen haben auf dem Fußballplatz nichts verloren!" Diesen Satz hört Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus von Fußballer Kerem Demirbay, als sie ihn vom Platz stellt. Damals pfiff sie noch in der zweite Bundesliga. Heute ist sie die erste weibliche Schiedsrichterin in der Ersten Fußballbundesliga der Männer. Doch bis dahin war es ein langer Weg. Steinhaus trainierte hart und war gut, viel mehr noch, sie war besser als ihre männlichen Kollegen. 

Der Deutsche Fußball-Bund vergibt nach jedem Spiel Noten an die Schiedsrichter. 2016 gelangte die geheime Liste nach draußen. Steinhaus stand auf Platz Eins und stieg trotzdem nicht auf (SZ Magazin). Zehn Jahre kämpfte sie da schon für ihren Traum – bis Mai 2017.

Das Beispiel zeigt, dass Frauen im Profisport immer noch zurückstecken. Bei gleicher Leistung haben sie es trotzdem schwer, überhaupt erst einmal Zugang zu ihrem Traumjob zu bekommen.

Gleiche Anerkennung für gleiche Leistung! 

Wenn es ums Geld geht, sieht es für die Frauen schlecht aus: Die deutschen Skispringerinnen Katharina Althaus, Carina Vogt, Juliana Seyfarth und Ramona Straub sind zum Beispiel weltklasse. Das bewiesen sie vergangene Woche bei der nordischen Ski-Weltmeisterschaft. Zum ersten Mal gab es ein Teamspringen der Frauen bei einer WM und die vier flogen zu Gold. Für ihren Bundestrainer Andreas Bauer sei die Sportart auf einem guten Weg in Richtung Gleichberechtigung. 

Ein Blick auf die Preisgelder zeigt jedoch, dass dieser Weg noch lange ist: Während die Frauen für ihren Sieg 4400 Euro untereinander aufteilen, bekommen die Männer sieben Mal so viel, nämlich 31.000 Euro. Das ist unfair und das Argument, dass es das Skispringen der Frauen eben noch nicht so lange gebe, ist dabei keine Rechtfertigung. Schließlich trainieren die Frauen genauso hart und zeigen bei der gleichen Weltmeisterschaft ihr Können.

Stoppt Sexismus im Sport! 

In der konservativen Tenniswelt schreiben alte weiße Männer Frauen vor, was sie zu tragen haben. Und wenn bei der Darts-WM eine Frau antritt, heißt es von einem deutschen Sportkommentator, das einzige Mittel ihren männlichen Gegner zu schlagen, sei ihre Klamottenwahl. Sexismus ist immer noch Realität im Profisport und in der Berichterstattung über ihn und das muss aufhören! 

Die Tennis-Spielerin Serena Williams trug beim Comeback nach ihrer Schwangerschaft auf dem Tennisplatz nicht wie gewohnt Rock und ärmelloses Oberteil, sondern einen schwarzen Catsuit von Nike. 

Das sah cool und kämpferisch aus und gefiel dem Präsident des französischen Tennisverbandes FFT Bernard Giudicelli gar nicht. Der Verband kündigte an, einen Dresscode einzuführen (bento). Man sei "manchmal zu weit gegangen", bei der Akzeptanz von Outfits. Man müsse den Platz und das Spiel respektieren. Ah ja...  Als Antwort trug die Tennis-Spielerin beim nächsten Spiel ein schwarzes bauschiges Tüllröckchen. Noch viel cooler! 

Inzwischen verkündete der Frauen-Tennis-Weltverband, dass von nun an auch Leggings oder kurze Hosen ohne Rock erlaubt seien und der Sportsender feuerte den Kommentator der Darts-WM.

Warum brauchte es für diese Entscheidungen erst einen lauten öffentlichen Aufschrei? 

Weil die Wurzeln des Problems viel tiefer liegen: Zu lange und zu oft produziert der Profisport schon ein Bild, dass Frauen nur als schmückendes Beiwerk darstellt.

Bei den meisten Siegerehrungen überreichen Frauen in funkelnden Kleidchen den Männern die Medaillen und Pokale. Und bis zur WM 2019 gab es beim Darts "Walk-on-Girls": Frauen, deren einzige Aufgabe es war, die Spieler bei ihrem Einlauf in die Halle zu begleiten. Die Botschaft: Bei großen Sportevents sind Frauen Accessoires. Mehr nicht.

Es gibt Wettkämpfe und Sportarten wie Biathlon, Reiten oder Badminton, die zeigen, dass es auch anders geht. Die zeigen, dass Frauen und Männer gleich behandelt und sogar in Teams zusammen antreten können. 

Sportarten die zeigen, wie Fairness, Vielfalt und Integration im Sport wirklich funktionieren können.



Gerechtigkeit

Geschichte von Männern für Männer: Wir haben Frauen in Schulbüchern gesucht
Es müssen mehr werden. Unsere Forderungen zum Weltfrauentag

Schon mal was von Etta Palm d'Aelders, Jane Addams oder Mileva Einstein-Maric gehört? Nein? Dann hattest du wohl einen ähnlichen Geschichtsunterricht in der Schule wie ich. Wir sprachen damals nämlich fast ausschließlich über Männer. Sehr viele Männer. 

Neben Karl Marx, Napoleon und Otto von Bismarck waren Frauen eher eine Randerscheinung. Sie wurden eigentlich nur erwähnt, wenn es um französische Mütter während der Revolution oder die Trümmerfrauen nach dem Zweiten Weltkrieg ging. Dass Frauen im Unterricht tatsächlich so unterrepräsentiert waren, fiel mir lange Zeit überhaupt nicht auf – bis ich diesen Tweet sah: