Bild: dpa/Montage: bento

Erstes Spiel: gewonnen. Zweites Spiel: ebenfalls. Drittes Spiel 4:0, Achtelfinale: locker durchgesegelt. Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen hat in der Weltmeisterschaft in Frankreich bislang eine sehr gute Bilanz. Am Samstag steht sie nun im Viertelfinale. Dass sich dafür nur vergleichsweise wenige Menschen interessieren, ist genauso bekannt wie schade. Auch die Bundeskanzlerin hat das Team bisher nicht öffentlich unterstützt – für die Sportlerinnen wäre das aber eine riesige Chance. 

Angela Merkel gilt als Fußballfan (FAZ) – zumindest wurde dies jedes Mal über sie geschrieben, wenn die Männer-Nationalmannschaft in einem internationalen Wettbewerb stand. Die Kanzlerin tauchte dann stets verlässlich im Stadion (Süddeutsche) oder vorab im Trainingslager auf (Sport1), um den Spielern Erfolg zu wünschen und sie anzufeuern. 

Wir erinnern uns beispielsweise an das Kabinen-Foto mit Oben-Ohne-Özil:

(Bild: dpa)

Anders ist es bei den Frauen: Die Kanzlerin hat den Nationalspielerinnen laut Bild bisher nur SMS-Nachrichten geschickt, in denen sie sie beglückwünschte, im Stadion war sie nicht. Auf Nachfrage der Zeitung, ob die Kanzlerin zum Viertelfinal-Spiel kommen würde, sagte der Regierungssprecher: Nein, die Kanzlerin nehme zu dieser Zeit am G20-Gipfel in Japan teil. Verständlich, nur erklärt das nicht ihre Abwesenheit bei den vier vorigen Spielen. 

Würde Angela Merkel bei der Männer-WM nicht auftauchen, würde das als Zeichen wahrgenommen. Bei der Fußball-WM der Frauen fällt es hingegen kaum jemandem auf. 

Manche werden nun einwenden, Frauen-Fußball sei für Zuschauerinnen und Zuschauer eben nicht so interessant wie der Männer-Fußball, daher gäbe es keine Rechtfertigung für einen Platz im vollen Terminkalender der Kanzlerin. 

Doch so begründet man den Status Quo mit dem Status Quo: Wenn der Frauensport in Deutschland stets die schlechteren Sendeplätze, die schlechtere Öffentlichkeitsarbeit und die schlechtere Berichterstattung bekommt, kann sich an diesem Zustand nichts ändern. Und prominente Fans können einen großen Unterschied in der öffentlichen Wahrnehmung machen. 

Um das zu verstehen, muss man nur in einige andere Länder schauen: In England, beispielsweise, unterstützen Prominente wie Prinz William und David Beckham öffentlich die weibliche Nationalmannschaft, feuern sie im Stadion an und äußern ihren Respekt auf Social Media. In Deutschland ist von der A-Prominenz in den Unterstützer-Rängen wenig zu sehen.

Dazu muss man auch die Geschichte des Fußballs in Deutschland bedenken: Die Frauensparte gibt es noch nicht besonders lange. Von 1955 bis 1970 verbot der DFB seinen Vereinen, Frauen aufzunehmen, erst danach konnte sich ganz langsam eine Mädchen- und Frauensparte etablieren. Eine weibliche Bundesliga wurde erst 1990 zugelassen. Bis heute kämpfen Vereine um Geld für die Mädchen- und Frauen-Teams. Profispielerinnen verdienen einen Bruchteil dessen, was ihre männlichen Kollegen bekommen. (ran)

All das kann sich nur ändern, wenn sich die Einstellung gegenüber Frauen im Fußball ändert. Was vor allem fehlt, sind Zuschauerakzeptanz und Geld – und diese beiden Faktoren bedingen sich leider gegenseitig. Das zeigen Länder wie Frankreich, England oder die USA: Dort wird Frauenfußball finanziell und strukturell stärker gefördert, dadurch haben sie bessere Teams, die einen spannenderen Fußball spielen, den wiederum Zuschauerinnen und Zuschauer lieber angucken. Mehr Menschen sehen sich die Spiele live oder im Fernsehen an, wodurch mehr Geld generiert wird, was wiederum in die Spielerinnenföderung gesteckt werden kann. Und so weiter.

Deutschland bräuchte also als ersten Schritt mehr Aufmerksamkeit für den Frauenfußball – denn dann fließen allmählich auch die Gelder, die für die Nachwuchsförderung und Profisparte dringend benötigt werden (DLF). 

Ein Besuch der Kanzlerin im Stadion könnte diesen Prozess stärken.

(Bild: dpa)

Angela Merkel sollte bewusst sein, welche Rolle die Sichtbarkeit und Repräsentation von Frauen auf dem Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit spielen. Immerhin hat sich die Kanzlerin zuerst als Physkerin und später als Politikerin in männerdominierten Berufen nach oben kämpfen müssen und gilt damit als Vorbild für viele andere Frauen. Ihren beschwerlichen Weg hat Merkel kürzlich in einer emotionalen Rede den Absolventinnen und Absolventen der Elite-Uni Harvard geschildert. 

Für diese Rede wurde die Kanzlerin gefeiert – unter anderem, weil sie jungen Frauen Mut macht, ihren Weg trotz Widerständen zu gehen und für ihren Platz zu kämpfen. 

Die Rede machte auch deshalb Mut, weil sie hoffen ließ, dass Angela Merkel endlich die Frauenförderung als wichtiges Thema erkennt, nachdem sie sie lange vernachlässigt hat. In ihrer bereits 14 Jahre langen Amtszeit und 18 Jahren CDU-Parteivorsitz hat Merkel sich wenig dafür eingesetzt – weder was den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen angeht, noch für eine Frauenquote in der eigenen Partei oder eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. (Welt, Tagesspiegel, taz)

Auch dem Fußball der Frauen hat sie bislang wenig Beachtung geschenkt. Bei der WM 2011 war sie zwar für ein Spiel im Stadion, allerdings erst im Finale. Da die WM auch noch im eigenen Land stattfand, war es quasi ein Pflichttermin für die Kanzlerin.

Möglicherweise hat Merkel auch für die aktuelle WM schon längst einen Stadionbesuch zu einem späteren Zeitpunkt des Turniers geplant. Das wäre wünschenswert, gleichzeitig aber eine riskante Strategie: Im Viertelfinale trifft Deutschland auf Schweden – starke Gegnerinnen. 

Sollten die deutschen Frauen es ins Halbfinale schaffen, wäre dies also eine Chance für Angela Merkel, sie  doch noch zu unterstützen. Das wäre wünschenswert.


Food

Fleischkonsum auf der Probe: Ich habe mich um ein Huhn gekümmert, um es dann zu töten

Wenn ein Steak in der Pfanne zischt und sich der Geruch in der Küche ausbreitet, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Denn ich esse gerne und regelmäßig Fleisch. Selbstverständlich achte ich dabei auf Bio-Qualität. Es soll ihnen gut gehen, bis zu ihrem Tod.