Bild: epa/ Larry W Smith

Sportler trainieren täglich mehrere Stunden, um es zu Olympia zu schaffen. Sie haben einen strikten Trainings- und Ernährungsplan, Physiotherapeuten, Mentaltrainer und vielleicht sogar einen eigenen Manager. Ganz anders bei den Athleten des Flüchtlingsteams: Sie mussten ihr Zuhause, Familie, Freunde und auch ihre Leidenschaft, den Sport, in der Heimat zurücklassen.

Jetzt hat ihnen das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Möglichkeit gegeben, an den Olympischen Spielen in Rio teilzunehmen. Eines steht schon fest: Es geht ihnen nicht um Medaillen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum "Team Refugee Olympic Athletes" (ROA) bei Olympia
Wieso gibt es ein Flüchtlingsteam?

Weltweit sind derzeit 60 Millionen Menschen auf der Flucht, schätzt das Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR). Die meisten sind im Land auf der Flucht, 21 Millionen leben nicht mehr in ihrem Heimatstaat. Ihnen allen will das IOC Hoffnung schenken, sagte Präsident Thomas Bach. Das Signal das vom Flüchtlingsteam ausgehen soll: Geflohene Sportler und alle anderen Flüchtlinge sind eine Bereicherung.

Bei Olympia können sie nun nicht nur zeigen, wie viel sie trainiert haben, sondern auch auf ihre Schicksale aufmerksam machen.

Wer ist im Team?

43 Athleten hatte sich das IOC genauer angeschaut, davon haben zehn die Normen erfüllt. Mit dabei sind Teilnehmer aus Syrien, Äthiopien, dem Südsudan und dem Kongo. Sie treten im Schwimmen, in der Leichtathletik und im Judo an.

In der Slideshow: Alle Teilnehmer und ihre Disziplinen
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"Jeder soll an seine Träume glauben können, weil viele die dort sind, wo wir herkommen, ihre Träume verloren haben", sagt Yusra Mardini. Die 18-jährige Syrerin lebt derzeit in Berlin und hat es als Schwimmerin in das ROA geschafft.

Mardini und ihre Schwester, ebenfalls Schwimmerin, hatten auf ihrer Flucht ein überfülltes Schlauchboot mit mehr als 20 Insassen gerettet. Es drohte zwischen der Türkei und Griechenland unterzugehen. Die beiden Schwestern sprangen ins Wasser und zogen das Boot fast drei Stunden lang bis ans rettende Ufer. Das ist ihre Geschichte:

Mit dabei ist auch der Syrer Rami Anis, der 2011 das Land verließ, um nicht von der Armee eingezogen zu werden. Nach Damaskus möchte er aber irgendwann zurückkehren. Heute lebt er in Belgien und tritt ebenfalls als Schwimmer an.

Der 800-Meter-Läufer Yiech Pur Biel kommt aus dem Südsudan und lebt jetzt in einem Flüchtlingsheim in Kenia. "Wir hatten Tränen der Trauer in den Augen, jetzt Tränen der Freude", sagt Biel.

Wie wurde das Team ausgewählt?

Bewertet hat das IOC die sportlichen Leistungen zusammen mit den nationalen olympischen Komitees – allerdings lag die Messlatte nicht so hoch. Meist liegen die Bestleistungen der Athleten über der Olympianorm. Auch ein verifizierter Flüchtlingsstatus der Vereinten Nationen galt als Voraussetzung.

Hat das Team Medaillenchancen?

Wohl eher nicht. Viele von ihnen konnten wegen Krieg und Flucht jahrelang nicht regelmäßig trainieren. Mardinis Bestzeit auf ihrer Wettkampfstrecke über 200 Meter Freistil liegt bei 2:11 Minuten. Der Weltrekord bei 1:52,98.

Wie wird das Team bei der Eröffnungsfeier auftreten?

Eine eigene Nationalfahne und Hymne hat das ROA-Team natürlich nicht. Deshalb starten die zehn Sportler unter olympischer Fahne. "Wir sprechen nicht die gleiche Sprache, kommen nicht aus dem gleichen Land, aber die olympische Flagge verbindet uns", sagt Mardini.

Bei der Eröffnungsfeier im Olympia-Stadion in Rio wird die olympische Hymne erklingen, wenn das Team einläuft. Sie sind als vorletztes an der Reihe, vor den Gastgebern Brasilien.

Wie sind die Trainingsbedingungen?

Mit der professionellen Vorbereitung der Topathleten ist das Training der ROA nicht vergleichbar. Allerdings hatten auch sie in den Wochen vor Olympia Trainer an ihrer Seite. Während der Spiele wohnen sie im olympischen Dorf und haben einen sogenannten "Leiter einer sportlichen Delegation", der sie betreut. Auch nach Olympia will das IOC die Sportler weiter fördern.

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Wie unterstützt das IOC Flüchtlinge, wenn nicht gerade Olympia stattfindet?

In den vergangenen zwanzig Jahren hat das IOC in Zusammenarbeit mit dem UNHCR Sportprogramme finanziert, an denen auch Tausende Flüchtlinge teilnahmen. Außerdem gibt es einen Sonderfonds von zwei Millionen Dollar, der nationale Komitees mit weniger Geld unterstützt.

Quellen:
  • Dabeisein ist alles: Das olympische Flüchtlingsteam (SPIEGEL ONLINE)
  • Flüchtlingsteam in Rio: Ein Symbol der Hoffnung (sportschau.de)
  • Politischer Akt mit Brisanz (zdfsport.de)
  • Das Flüchtlingsteam in Rio (zeit.de)
  • Refugee Olympic Team To Shine Sportlight On Worldwide Refugee Chrisis (olympic.org)
  • Refugee Olympic Athletes deliver message of hope for displaced people (olympic.org)

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