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Der überraschende Sieg ist die beste Geschichte dieser Winterspiele.

Es ist der ewige Konflikt auf allen Pisten dieser Welt: Skifahrer gegen Snowboarder. Die einen regen sich über die im Schnee sitzenden und angeblich rücksichtslos fahrenden Boarder auf, die anderen sprechen von Arroganz und unterstellen den Skifahrern Neid. Bretter vs. Board, alpiner Ursprung vs. Coolness.

Und dann kommt bei den Olympischen Winterspielen plötzlich mit Ester Ledecká eine Snowboaderin daher und gewinnt den Super-G. Es ist die Sensation dieser Spiele.

Ledecká war ebenfalls völlig unvorbereitet. Sie erschien nach dem Rennen mit Skibrille im Gesicht vor der Weltpresse. "Es tut mir leid, aber ich muss meine Brille auflassen. Ich habe kein Make-up dabei", sagte die Olympiasiegerin. Ob ihr bewusst sei, was für ein historisches Ereignis ihr Erfolg sei? "Das ist mir nicht so wichtig, ich will einfach Rennen fahren."

In den Minuten vor Ledeckás Goldfahrt hatten Agenturen bereits den vermeintlichen Olympiasieg von Anna Veith vermeldet. Die Österreicherin gab schon ein erstes Interview, wer sollte der Titelverteidigerin den Sieg auch noch entreißen? Spätestens als Veiths Landsfrau Cornelia Hütter mit der Startnummer 19 im Ziel war, schien der Super-G entschieden. 

Gerade in den Speed-Disziplinen ist die Weltspitze nah beieinander, dahinter sind Überraschungen sehr selten. "Ich dachte wirklich, ich hätte Gold", sagte dann auch Veith nach dem Rennen.

Ledecká braucht lange, um das Ergebnis zu realisieren

Doch dann kam eben noch Ester Ledecká. Die Tschechin ist zweifache Snowboard-Weltmeisterin, fährt seit zwei Jahren aber auch im alpinen Weltcup. Im Jeongseon Alpine Centre fand sie mit der Startnummer 26 gut ins Rennen und lag bereits mit der zweiten und der dritten Zwischenzeit vorne.

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Die grüne Farbe für die Führung hatte zuvor aber schon bei anderen Läuferinnen aufgeblinkt, der entscheidende Part stand noch aus. Der Übergang zum Zielsprung und der Sprung selbst waren die Knackpunkte des Rennens, dort hatte auch Top-Favoritin Lindsey Vonn mit einem Fehler den Sieg verschenkt. Sie wurde am Ende Sechste.

Ledeckás Sprung war etwas unkonventionell, aber er reichte, um den hauchzarten Vorsprung vor Veith zu retten: 0,01 Sekunden. Im Ziel schien für die 22-Jährige dann die Zeit stehen zu bleiben. Ledecká starrte auf die Anzeigetafel, Sekunde um Sekunde, sie stand einfach da und zeigte keinerlei Regung. "Ich habe geglaubt, es sei ein Fehler", sagte sie.

"Sie brauchen bestimmt noch ein paar Sekunden, bis das richtige Ergebnis aufleuchtet." Doch die grüne "1" verschwand nicht und irgendwann kehrte das Leben zurück in Ledeckas Gesicht. Sie fing an zu jubeln. Um sie herum ging es mit dem Jubel etwas schneller: Fans, Betreuer, Trainer - Kopfschütteln war an diesem Tag die meistgesehene Geste.

Dazu gehörte auch die Deutsche Viktoria Rebensburg, die den zehnten Platz belegte. "Solche Geschichten werden nur bei Olympia geschrieben", sagte die Riesenslalom-Spezialistin. "Ich finde es richtig cool für unseren Sport." Ledecká ist die erste Athletin in der olympischen Geschichte, die sowohl im Snowboard als auch in alpinen Rennen angetreten ist.

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In Sotschi vor vier Jahren wurde sie im Parallel-Riesenslalom Siebte und im Parallel-Slalom Sechste. Den Slalom gibt es in Pyeongchang nicht mehr, aber im Riesenslalom will Ledecká erneut antreten. Die Qualifikation findet am Tag vor der alpinen Abfahrt statt, die sie deshalb wohl auslassen wird. "Wobei mein Skitrainer das jetzt vielleicht anders sieht", sagte sie mit einem Lachen.

Weirather folgt ihrer Mutter

Hinter Ledecká und Veith gewann Tina Weirather die Bronzemedaille. Sie gehört schon lange zur Weltspitze, Weirather siegte bereits in sechs Super-G-Weltcuprennen. Trotzdem war auch ihr Erfolg historisch, denn er bedeutete die erste olympische Medaille für ihr Heimatland Liechtenstein seit 1988.

Für die 28-Jährige war es im Übrigen keine echte Überraschung, dass Ledecká so weit vorne landet: "Sie ist eine unglaubliche Skifahrerin. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie um Siege mitfahren kann."

Noch größer kann die Geschichte nur noch werden, wenn Ledecká kommende Woche Gold mit dem Snowboard gewinnt.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


Retro

Ich werde nie wieder Musik so lieben wie die, die ich mit 14 gehört habe
Eine Analyse zeigt: Damit bin ich nicht allein.

Ich liege auf dem Bett, starre an die Decke. Alles tut weh, aber von innen. Ich bin 14 und habe das erste Mal in meinem Leben Liebeskummer. Mit dabei: Tom DeLonge von Blink-182. "Come on let me hold you, touch you, feel you", singt er in mein Ohr, und ist in diesem Moment der einzige, der mich wirklich versteht. 

"Always", der Song von Blink-182, und das dazugehörige Album erschienen im Jahr 2003. Damals war ich 12. Und trotzdem gibt es bis heute kaum eine andere Musik, die mich so berührt wie diese.

Pop-Punk war die Musik meiner Jugend. Seitdem hat sich mein Musikgeschmack weiterentwickelt, ich mag ruhigere Töne, komplexere Kompositionen, poetischere Texte. Die Musik, die ich im Alltag höre, hat mit dem trotzigen Geschrabbel von Blink und anderen nicht mehr viel zu tun. Und trotzdem bewegt mich kein einziges Lied von "The War on Drugs" so sehr wie "Always".