Bild: Getty Images/Manuel Queimadelos Alonso
(Es sei denn, Hans-Georg Maaßen gibt noch ein Interview.)

Vorweg: Wer gerade Fußball gespielt hat, ist womöglich zu erschöpft, um noch klar denken zu können. Ob bei Emre Can die Müdigkeit Schuld war, wissen wir nicht.

Jedenfalls stellte er sich nach dem Champions-League-Spiel seines Clubs Juventus Turin gegen den FC Valencia vor einen Reporter und begründete, warum sein Teamkollege Cristiano Ronaldo nicht die Rote Karte verdient hatte. Cans Argumentation:

"Wir sind doch keine Frauen. Ehrlich. Ich habe nur gehört, dass er meinte es sei wegen Haareziehen gewesen. Wir sind doch keine Frauen, wir spielen Fußball."
Emre Can

Hier ist das Interview mit Emre Can im Video:

Worum geht es?

Um eine tatsächliche oder vermeintliche Tätlichkeit von Cristiano Ronaldo: Er trat Gegenspieler Jeison Murillo unauffällig, wuschelte ihm dann über den Kopf, als wollte er ihm sagen, er solle sich nicht so anstellen. Murillo sprang auf, empörte sich.

Schiedsrichter Felix Brych sah die Szene offenbar nicht, informierte sich bei seinem Assistenten und stellte Ronaldo daraufhin vom Platz.

Was ist das Problem mit Cans Aussage?

Die ist so sexistisch, unreflektiert und dämlich, dass man eigentlich nicht mehr viel dazu schreiben muss. Wir wissen nicht, ob Emre Can jemals ein Match der Frauen gesehen hat. Offenbar glaubt er, dass dort andere Regeln gelten, dass dort Spielerinnen für weniger schwere Vergehen vom Platz gestellt würden.

Die Mär von der weichen, zärtlichen Frau und den starken Männern – in Cans Kopf lebt sie immer noch. Ganz so als würde die Schauspielerei einiger fußballspielender Männer nicht manchmal so sehr nerven, dass man sich fragt, warum die Frauen es schaffen, sich nicht ständig schreiend auf dem Boden zu wälzen.

Noch nerviger: "Wir sind doch keine Frauen, wir spielen Fußball." Mit seinem letzten Satz insinuiert Can dann auch noch, dass das ein Gegensatz sei. Als ob Frauen gar kein Fußball spielen würden.

Vielleicht wollte Can nur sagen, dass Ronaldo für diese kleine Berührung nicht hätte vom Platz gestellt werden sollen. Vielleicht hat er damit sogar Recht.

Aber das Klischee, dass er zur Illustration seiner Aussage benutzte, ist so dumm und plump, dass er sich das Interview vielleicht noch mal anschauen sollte, wenn er nicht gerade über einen Fußballplatz gerannt ist.

Update: Emre Can hat sich inzwischen entschuldigt. Er habe Frauen nicht erniedrigen und auch Frauenfußball nicht abwerten wollen, schrieb er in einem Statement. Jeder, der ihn kenne, wisse um seinen Respekt für Frauen und Gleichberechtigung.


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