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Claudia Neumann kommentiert als erste Frau ein EM-Spiel – und setzt sich dem Hass der Besserwisser aus

Vor zwei Jahren kommentierte Claudia Neumann als erste Frau im deutschen Fernsehen ein EM-Spiel der Männer. Auch bei der WM in Russland ist sie im Einsatz. Hier ist unser Interview mit ihr von vor zwei Jahren:

Claudia Neumann kommentiert jetzt als erste Frau im deutschen Fernsehen ein EM-Spiel der Männer – und muss sich im Netz immer noch dumme Sprüche anhören. Die wahren Experten sind eben immer noch die Fans, vor allem, wenn eine Frau das Spiel analysiert. Im bento-Interview spricht die 52-Jährige über Beschimpfungen und Kritik.

Sie kommentieren als erste Frau im deutschen Fernsehen live ein EM-Spiel der Männer. Ist das für Sie etwas Besonderes?

Für mich ist das nichts Besonderes. Ich bin ja nur Transporteur eines Themas – eine Frau in einer bisherigen Männerdomäne. Ich würde mir wünschen, dass es gar nicht mehr nötig wäre, über dieses Thema zu sprechen. Mein Beruf macht mir Spaß und ich möchte so behandelt werden wie meine männlichen Kollegen auch.

Aber über das Thema zu sprechen, schafft doch vielleicht mehr Akzeptanz?

Die Frage ist doch: Kämpfe ich offensiv für ein Thema und spreche drüber, oder überrumple ich die Leute einfach, indem ich plötzlich am Mikro sitze. Da gibt es kein Richtig oder Falsch. Ich bin keine Frauenbeauftragte. Wenn jüngere Kolleginnen Rat brauchen, immer gern. Aber ich bin keine Kämpferin für die Sache.

In der Slideshow: Unser EM-Team
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Woran liegt es, dass Sportjournalistinnen vor allem im Fußball noch in der Minderheit sind?

Warum überrascht das so viele? Die Begründung liegt ja nahe. Früher haben sich Frauen einfach nicht für Sport im Allgemeinen und im Speziellen für Fußball interessiert. Dann kann man nicht erwarten, dass 20 Jahre später gleich viele Frauen und Männer in Sportredaktionen sitzen. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich das ändern wird – wenn man sich anguckt, wie viele junge Mädchen heute Fußball spielen.

Lag es nicht auch daran, dass sich Frauen für etwas anderes zu interessieren hatten?

Sicher, das Rollenverständnis der Frau war ein ganz anderes.

Wie hat die Öffentlichkeit auf Ihre Besetzung reagiert?

Ich denke, es gibt viele, die Kommentatorinnen nicht gut finden – bei Frauen und bei Männern. Wenn man einen Mann auf der Straße ansprechen würde – begleitet von einem Kamerateam – würde er sicher sagen: "Ja, ich bin modern. Frauen als Kommentatorinnen sind super." Aber wenn er dann mit seinen Kumpels vorm Fernseher sitzt und ein Bier getrunken hat, sieht das bestimmt ganz anders aus. Jeder darf natürlich seine eigene Meinung haben, manche sind aufgeschlossener als andere – das ist völlig ok. Woran die Skepsis liegt, kann ich nicht sagen.

Gab es je dumme Sprüche von männlichen Kollegen?

Ich bin nie mit jemandem aneinander geraten und wenn, ging es nur um die Sache – also um Fußball. Ich hatte auch nie einen Frauen-Bonus. Ich weiß aber von Kolleginnen, gerade bei Zeitungen, die benachteiligt werden. Zur EM und WM fahren fast nur Männer. Ich hab das auch nie glauben wollen, aber die ein oder andere Kollegin hat mir glaubhaft versichert, dass sie oft übergangen wird. Das liegt defintiv nicht an deren fachlichen Fähigkeiten.

Als kleines Mädchen ging ich mit den Jungs auf den Bolzplatz.
Sie hatten also wirklich nie persönlich mit Machogehabe zu tun?

Nein, kann mich an keinen einzigen ernst gemeinten Vorfall erinnern.

Wie sind Sie zum Fußball gekommen?

Ganz klassisch: Als kleines Mädchen ging ich mit den Jungs auf den Bolzplatz. Und wusste gar nicht, warum das etwas Besonderes sein soll. Dann sagte meine Mutter irgendwann: Willst du nicht was machen, was andere Mädchen auch machen? Aber ich dachte mir: warum? Fußball macht mir doch Spaß. So hat sich das dann entwickelt. Ich bin wie die meisten meiner männlichen Kollegen mit Fußball aufgewachsen.

Fußballkommentatoren bekommen von Fans immer viel Häme ab, wenn sie mit der Analyse nicht zufrieden sind. Wie gehen Sie mit Kritik um?

Ich bin ziemlich selbstkritisch, eigentlich nie richtig zufrieden. Außerdem tausche ich mich gerne mit Kollegen aus, wie man was besser machen kann. Man darf sich nicht verschließen. Aber wenn ich von Zuschauern nur Beleidigungen und Beschimpfungen höre, dann ignoriere ich das. Die wenigsten äußern wirklich sachliche Kritik, sondern allgemein Ablehnung gegen Frauenstimmen.

In anderen Ländern wie Spanien und England klingen Kommentatoren oft viel emotionaler. Wieso ist Deutschland so gediegen?

Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht nur eine Mär ist. Man darf seine eigene Mannschaft nicht immer nur bejubeln. Man muss auch mal sagen, wenn was schief läuft. Und nur emotional zu kommentieren, wäre mir zu wenig. Das ist nicht mein journalistischer Anspruch.

Auf was freuen Sie sich bei der EM am meisten?

Auf den Moment, wenn es losgeht und das ganze Vorgeplänkel über die Qualitäten der Mannschaften vorbei ist. Ich hoffe, dass ich gut reinkomme. Das ist wie bei den Fußballern selbst. Am besten ist es immer, wenn im Spiel viel passiert und man nicht als Kommentator die Stimmung aufrecht halten muss. Zweikämpfe, Karten, Tore!


Haha

37 Studierende brechen eine Prüfung ab – und legen alle Attest vom selben Arzt vor
Lachen oder weinen?

Ja okay, im Studium musste mal die eine oder andere Notlüge sein. Unterlagen nicht pünktlich eingereicht? Sorry, der Drucker war kaputt. Zu spät in der Vorlesung? Die Bahn hatte Verspätung.

Doch diese Notlüge setzt noch einen drauf: 

37 Wirtschaftsstudentinnen und -studenten der Stuttgarter Universität Hohenheim haben mitten in einer Prüfung den Saal verlassen – und danach alle ein Attest desselben Arztes vorgelegt. Die Begründung war bei allen relativ ähnlich.