Bild: Imago
#DareToHope

Als Niall McGinn das 2:0 gegen die Ukraine schießt, jubelt Belfast: Zehntausende Fans können ihr Glück kaum fassen. Der EM-Neuling Nordirland hat zum ersten Mal ein Spiel in einer Europameisterschaft gewonnen.

Auch ich trage ein Nordirland-Trikot, allerdings bin ich damit die Einzige in einem Pub am Großneumarkt in Hamburg. Kein Wunder, denn Nordirland hat mit 1,8 Millionen Menschen etwa so viele Einwohner wie Hamburg. Das Trikot hat mir mein Chef vor drei Jahren zum Ende meines Freiwilligendiensts in Belfast geschenkt. Er wollte mir ein Stück nordirische Kultur mit auf den Weg geben.

10,000 people singing Will Grigg's on fire at the Fanzone site this evening. Merely a warm up for Sunday night, when you lot will be twice as noisy.... (big up Oliver Heldens and Belsonic!!!!!)

Posted by Fanzone at Titanic Belfast on Thursday, June 9, 2016

Nordirland ist weltweit vor allem für seine blutige Vergangenheit bekannt. Drei Jahrzehnte lang tobte zwischen Protestanten und Katholiken im Land ein bitterer Kampf um Identität und Nationalität. Jetzt spielen Katholiken und Protestanten gemeinsam in der Mannschaft.

Nordirland hatte nach der Unabhängigkeit Irlands 1920/22 den Status einer britischen Provinz. Während englisch- und schottischstämmige Protestanten auf dem Verbleib im Vereinigten Königreich bestanden, kämpften die irischen Katholiken für eine Angliederung Nordirlands an die Republik Irland.

Straßenschlachten und Bomben gehörten zum Alltag. 3600 Menschen kamen ums Leben, mehr als 50.000 wurden verletzt. Offiziell endete der Konflikt 1998 mit dem Karfreitagsabkommen, das von der Mehrheit der Iren und Nordiren unterstützt wurde.

Aber auch 18 Jahre nach Kriegsende ist die Trennung nach Religion und Ethnie in Nordirland allgegenwertig. 109 Mauern trennen Katholiken von Protestanten im Land. Die Nordiren nennen sie beschönigt "Peace Lines". Die bekannteste Peace Line steht in Belfast und wird wegen ihren bunten Graffitis von Touristen oft als eine Art Berliner Mauer missverstanden. Denn während die Touristen mit Edding Sprüche wie "Hakkuna Matata" auf die zwölf Meter hohe Peace Lane aus Stein und Stacheldraht kritzeln, wollen sich die meisten Anwohner ein Leben ohne nicht mehr vorstellen. Sie fühlen sich durch die Mauern sicherer.

(Bild: Miriam Dahlinger)

Der Nordirlandkonflikt hat mit Religion kaum etwas zu tun. Vielmehr streitet man sich um Politik und Identität. Die Gruppe der probritischen Unionisten oder Loyalisten wird oft vereinfacht als Protestanten zusammengefasst, die proirischen Republikaner oder Nationalisten als Katholiken.

Läuft man durch West- und East-Belfast, merkt man schnell, zu welcher der beiden Seite sich die Menschen dort bekennen. Während in East-Belfast Union Jack und Flaggen der paramilitärischen Organisation UDA und UVF das Stadtbild prägen, findet man in West-Belfast vor allem irische Flaggen und keltische Symbole.

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Paramilitärische Vereinigungen sind in Nordirland meist eine Mischung aus Bürgerwehr und terroristischer Untergrundorganisation. Sie haben im Land weiterhin großen Einfluss. Läuft Wasser in den Keller, würden viele Nordiren eher den örtlichen Paramilitärvertreter als die Feuerwehr rufen. Paramilitärische Gewaltakte von beiden Seiten wie Schüsse auf Knie oder Hüfte widersprechen aber diesem Bild vom sorgenden Schäfer, der eine schützende Hand auf seine Schäfchen legt.

Nicht zu übersehen sind die vielen folklorigen Wandmalereien. Die sogenannten Murals zeigen, in welchem paramilitärischen Einflussbereich man sich befindet. Sie dienen damit auch zur Abschreckung des verfeindeten Lagers. Ein beliebtes Motiv auf beiden Seiten: Fußball.

Der Fußball ist ein gutes Beispiel dafür, wie kompliziert das Leben in Nordirland sein kann. Wer beispielsweise ein Manchester-Shirt trägt, traut sich eher nicht ins irisch-katholische West-Belfast. Und mit einem Trikot der Fußballmannschaft Celtic FC setzt sich niemand freiwillig in einen loyalistisch geprägten Pub. Anders als ein Schalker, der in Dortmund mit schrägen Blicken rechnen muss, bekommen Anfeindung hier schnell einen grundsätzlichen Charakter: Wer als Nationalist durch loyalistisches Gebiet spaziert, hat eben "selber schuld".

Als größtes Hindernis für eine friedliche Zukunft sehen viele Nordiren das getrennte Schulsystem. 90 Prozent der Schüler gehen auf rein-katholische oder rein-protestantische Schulen.

Auch Paramilitärs wie die loyalistische UDA und UVF oder die nationalistische IRA haben einen großen Einfluss auf die nordirische Jugend. Die Segregation macht beim Sport keinen Halt. Fußballplätze sind im protestantischen East- und im katholischen West-Belfast genauso getrennt wie Fitness-Studios.

Bild: Miriam Dahlinger

Traditionell unterstützen irisch-katholisch geprägte Stadtteile das Team der irischen anstelle der nordirischen Nationalmannschaft. Viele britisch geprägten Nordiren drücken lieber England als Irland die Daumen.

Nun nimmt Nordirland aber zum ersten Mal in der Geschichte an einer Fußball-Europameisterschaft teil und könnte ins Achtelfinale einsteigen. Der Erfolg der nordirischen Nationalmannschaft kam für die Nordiren so unverhofft, dass er Menschen über die Mauern hinweg begeistert. In den Straßen West-Belfasts, in denen man sonst traditionell nur irische Farben findet, weht plötzlich auch die nordirische Flagge. Fans der irischen Republik stimmen "Stand up for the Ulsterman" an. Sie gedenken damit dem nach einem Sturz in Nizza tragisch verunglückten Fan der nordirischen Nationalmannschaft, Darren Rogers.

Geschichten wie diese zeigen, dass Fußball in Nordirland momentan die Kraft hat, beide Lager zu verbinden. Das erzählt mir auch William Patterson aus Carrickfergus. Er ist Cross-Community-Worker und setzt sich für eine "shared future" Nordirlands ein. Er hofft, dass die EM ein Schritt in eine gemeinsame Zukunft ist und auch nach außen zeigt, dass Nordirland so viel mehr sein kann als nur sein Konflikt:

When the kids start to see moments like this in Northern Ireland, were we are not just a wee country known best for fighting and blowing each other up, it starts to promote hope and togetherness.
William Patterson

"There is a real buzz in the country at the moment as a whole. No one thought at the start of the competition that Northern Ireland would get this far. It is a small nation but it's a proud one, because the country is so small a lot of these players are just average men who live close to us. They are not big fancy name players which increases the buzz that is going on at the moment.

Northern Ireland football had a history of sectarianism in the past. There is still going to be the hardcore unionists for Northern Ireland and the the others for the Republic. But this team has started to get away from this image as it is bringing itself out to the main world and is saying „look we can be real contenders out here, too“. Which can only be a good thing for both cultures in the country. The majority is wishing the national-team the best and want them to go far. Either way if they stay in or they go out they will have a proud country. As the slogan goes „dare to dream“.

Secterianism is due to child upbringing. But when the kids start to see moments like this in Northern Ireland, were we are not just a wee country known best for fighting and blowing each other up, it starts to promote hope and togetherness."

Lass uns Freunde werden!


Haha

Wenn ein reales Baseball-Spiel zum Anime wird
Uaaaaaaaaah!

Baseball ist, Hand auf's Herz, bisweilen langweilig. Die Regeln sind kompliziert und die Spieler stehen gefühlt die meiste Zeit der Innings nur rum.

Anime hingegen sind meistens mit Action überladen: Die japanischen Zeichentrickfilme walzen epische Augenaufschläge und schweißtreibende Duelle gerne mal auf Spielfilmlänge aus – fast schon zu viel Drama.

Filmemacher in den USA haben nun ein Baseball-Spiel als Real-Anime inszeniert: