Bild: Jeannette Corbeau

Paris kann in diesen Tagen nicht verstecken, dass es Angst hat - oder zumindest vorsichtig geworden ist: Am Flughafen patrouillieren schwer bewaffnete Soldaten in Camouflage. Die Fanmeile am Fuß des Eiffelturms versteckt sich hinter einem Käfig aus Metallzäunen und Polizeikontrollen.

Politiker und Sicherheitsexperten sprechen von Terrorgefahr, ein erneuter Anschlag sei möglich. Hinzu kommt, dass so gut wie jeden Tag irgendwo in Frankreich Hooligans randalieren, das bekommt man auch in der Hauptstadt mit.

Trotzdem strömen die Fußballfans zu Tausenden in die Stadien und auf die Fanmeilen. Wenn "Les Bleus" kicken, sind alle Bars, die das Spiel übertragen, voll mit feiernden Franzosen. Haben die Menschen in Paris keine Angst?

Französische und deutsche Fans erzählen, wie sicher sie sich fühlen - und ob sie trotz allem ein Fußballfest feiern können.

Sven, 27, aus Essen
(Bild: Jeannette Corbeau)
"Meine Kumpels und ich reisen der deutschen Nationalmannschaft hinterher, eine richtige Frankreich-Tour sozusagen. Meine Eltern wollen, dass ich mich jeden Tag melde; das mache ich auch, damit sie beruhigt sind. Ich fühle mich sicher hier, überall wird kontrolliert. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass etwas passiert, eigentlich ist die EM das perfekte Ziel. Die richtig großen Spiele werden wir deshalb meiden."
Abdoul, 23, aus Paris
(Bild: Jeannette Corbeau)
"Ich werde mir alle Spiele der Franzosen auf der Fanmeile am Eiffelturm anschauen. Ich stelle mich ganz nach vorne in die erste Reihe. Klar machen mir die Attentate und Ausschreitungen Angst, aber ich fühle mich sicher hier in Paris. Überall ist Militär und Polizei, ich vertraue ihnen und fühle mich geschützt. Natürlich ist es nicht leicht, bei alldem ausgelassen zu feiern. Aber ich versuche es trotzdem, wir haben ja keine Wahl, das Leben geht weiter."
Mohamed, 23, aus Paris
(Bild: Jeannette Corbeau)
"Heute habe ich beschlossen, auf die Fanmeile zu gehen. Ich wollte die Stimmung erleben und mit den anderen feiern. Wenn es mir gefällt, werde ich wiederkommen. Ich glaube nicht, dass es hier besonders gefährlich ist. Die Polizisten und Kontrollen vermitteln mir ein Gefühl von Sicherheit. Den Spaß lasse ich mir jedenfalls nicht verderben."
Roxane, 26, aus Paris
(Bild: Jeannette Corbeau)
"Warum sollte ich Angst haben, auf die Fanmeile zu gehen? Wir werden nicht aufhören, zu leben. Ich bin heute gekommen, weil ich neugierig bin, wie das hier abläuft. Die Sicherheitsvorkehrungen sind nett, aber sie werden keine Anschläge verhindern. Trotzdem habe ich keine Angst, dass heute etwas passiert, wenn dann zum Halbfinale oder Finale, nicht heute."
Patrick, 19, aus Paris
(Bild: Jeannette Corbeau)
"Natürlich sind die Anschläge noch präsent. Aber die EM hilft uns auch, alles zu vergessen. Wenn ich hier auf der Fanmeile mitten in der Menge stehe, denke ich nicht daran, dass etwas passieren könnte. Alle lachen und feiern, es fühlt sich an wie jedes andere Fußballturnier. Aber die Kontrollen auf der Fanmeile stören mich: Nur weil die mich abtasten, fühle ich mich nicht sicherer."
Paul, 22, aus Paris
(Bild: Jeannette Corbeau)
"Die Anschläge haben mein Verhalten nicht verändert. Wenn ich ausgehe, denke ich meist nicht mal dran. Das Gleiche gilt für die Hooligan-Krawalle: Ich habe nicht ständig im Kopf, dass ich da reingeraten könnte. Deshalb gucke ich mir die EM-Spiele auch ganz normal in Bars oder auf der Fanmeile an. Seit dem 13. November wissen wir, dass es auch in Paris passieren kann. Mich hält das aber nicht davon ab, trotzdem nach draußen zu gehen. Man lebt weiter."
Jonas, 26, aus Essen
(Bild: Jeannette Corbeau)
"Meine Kumpels und ich sind seit Montag in Paris, wir haben Karten für die beiden Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft. Nach den Anschlägen haben wir gesagt: Wir machen das trotzdem. Es kann überall passieren, dass sich jemand in die Luft sprengt. Und die Sicherheitsvorkehrungen hier sind hoch. Ich fühle mich sicher. Alle feiern."


Today

Die Stimme des Mitgefühls: Wofür Jo Cox kämpfte
"Sie war eine Naturgewalt"
Was ist passiert?