Bild: GeoOrbital

Ein Start-up aus den USA hat das Rad neu erfunden: Mit wenigen Handgriffen wird aus jedem Fahrrad blitzschnell ein E-Bike. Für Deutschland hat die Erfindung jedoch einen kleinen Haken.

Kennst du das? Mit aller Kraft trittst du in die Pedale und plötzlich zieht jemand locker an dir vorbei, obwohl er mindestens 20 Jahre älter und 20 Kilo schwerer ist. Frustrierend, aber mit großer Wahrscheinlichkeit sitzt der Radler auf einem modernen E-Bike.

In Zukunft könnte es für alle puristischen Pedaleure ohne Hilfsmotor noch härter kommen: Dann ist nicht nur der überholende Radler womöglich 20 Jahre älter, sondern er sitzt auch auf einem alten Bike. Wie das geht?

Mithilfe eines neuen Reifensets, das sich blitzschnell montieren lässt - und aus jeder Tretmühle ein E-Bike machen soll. Nach Angaben der Macher benötigt das Fahrrad dazu lediglich Schnellspanner, dann sei der Radwechsel in 60 Sekunden möglich.

Das Reifenset ist pannensicher

Das sogenannte GeoOrbital Wheel kommt aus den USA und verspricht Geschwindigkeiten von bis zu 32 km/h und eine Reichweite von maximal 80 Kilometern. Wer es an seinem Rad montiert, kann sein Bike rein elektrisch fahren ohne in die Pedale zu treten oder den Motor zur Unterstützung nutzen. Je nach Fahrmodus variiert die Reichweite.

Zur Ausstattung gehören ein Lithium-Ionen-Akku, der bei Bergabfahrten teilweise wieder Energie rekuperiert, eine Bedieneinheit fürs Lenkrad zum Ein- und Ausschalten des Systems und ein komplettes Vorderrad inklusive 500-Watt-E-Motor.

Der Hersteller bietet das Reifenset, das pannensicher sein soll, in den für ein Erwachsenenrad gängigen Größen 26, 28 und 29 Zoll an.

Start-up sammelt Geld

Im Internet stößt das Projekt der Tüftler, die nach eigenen Angaben zuvor bei Ford oder der US-Raumfahrtfirma SpaceX gearbeitet haben, auf großes Interesse. Um mit dem GeoOrbital Wheel in Serie gehen zu können, sammelt das US-Start-up gerade Geld bei Kickstarter ein, die Resonanz ist gewaltig. Das Finanzierungsziel lag bei 75.000 Dollar, doch die noch bis zum 15. Juni laufende Kampagne hat bereits jetzt ein Vielfaches eingebracht.

Eine teure Anschaffung

Elektrisch unterstützte Fahrräder liegen schwer im Trend. Allein im vergangenen Jahr sind in Deutschland laut Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) 535.000 E-Bikes verkauft worden. Das sind 11,5 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Mittlerweile machen diese 12,5 Prozent am Gesamtfahrradmarkt aus. Doch mit Preisen jenseits von 1000 Euro für ein qualitativ hochwertiges Rad sind E-Bikes eine teure Anschaffung.

Das Reifen-Set soll hingegen für umgerechnet 825 Euro verkauft werden, frühe Unterstützer des Projekts können sich das Paket für rund 560 Euro sichern. Von der Idee her ähnliche Projekte gibt es mittlerweile einige, auch in Deutschland. So hat das Nürnberger Start-up Relo einen einfach zu montierenden Elektroantrieb für Mountainbikes und Rennräder entwickelt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h.

Wer in Deutschland jedoch das Reifenset von GeoOrbital an seinem Rad montieren möchte, benötigt einen Mofaführerschein. E-Bikes mit einem bis zu 500 Watt starken Motor gelten nämlich nicht als Fahrräder im rechtlichen Sinne, sondern zur Klasse der Kleinkrafträder mit geringer Leistung. Ob das GeoOrbital Wheel nach Deutschland kommt, ist noch offen.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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