Bild: dpa; Montage: bento
Der etwas andere Platzverweis für Bibiana Steinhaus.

Bibiana Steinhaus ist die erste deutsche Schiedsrichterin, die auch in der 1. Bundesliga pfeifen darf. Mehr Gleichberechtigung auch im Fußball – ja, das geht, wenn auch sehr langsam.  

In Iran allerdings kann man sich mit dem Bild einer Schiedsrichterin auf dem Spielfeld nicht anfreunden. Das Land ist fußballverrückt – und überträgt viele Spiele der deutschen Bundesliga. 

Aber beim Spiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Bayern (1:3) am Samstag wurde Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus einfach nicht gezeigt. 

Wieso die Zensur?

Während im deutschen TV Steinhaus immer wieder in Nahaufnahme zu sehen war, bekamen die Zuschauer im iranischen Staatsfernsehen Bilder von der Tribüne im Kölner Stadion zu sehen. So entging ihnen auch, dass der Kölner Trainer Stefan Ruthenbeck von Steinhaus auf die Tribüne geschickt wurde. Nach seinen Pöbeleien saß er plötzlich einfach auf der Tribüne.  

ARD-Korrespondentin Natalie Amiri twitterte aus Teheran vom "Zensurmeister Iran":

Wer ist Bibiana Steinhaus?

Die 39-jährige Polizistin pfeift seit Anfang der Saison Spiele in der ersten Bundesliga. Am 10. September 2017 gab sie ihr Debüt beim Spiel Hertha BSC gegen Werder Bremen. Als Vierte Offizielle hatte sie auch davor schon am Seitenrand das Spiel kontrolliert. 2007 kam sie zum ersten Mal in der zweiten Liga zum Einsatz.

(Bild: Rolf Vennenbernd/dpa)

Wie wurde das Spiel in Iran kommentiert?

Auch im fußballverrückten Iran selbst wurde das Thema diskutiert. Die Nachrichtenseite "Pars News" kritisierte die Zensur als "merkwürdigen Akt". Demnach wurden im Spiel permanent Zeitlupen-Szenen hineingeschnitten – um Momente zu kaschieren, in denen Steinhaus in Großaufnahme zu sehen war.

Im Netz beschwerten sich ebenfalls Zuschauer. Einer schrieb auf Twitter, Steinhaus habe das Spiel der Männer "gemeistert" – während im Iran Frauen noch nicht mal ins Stadion dürften.

  • Tatsächlich war es Frauen in Iran lange verboten, Sportevents in Stadien zu besuchen. Die Angst der Kleriker im Land: Sie könnten so in Kontakt mit Männern kommen. Anfang des Jahres hatte der Weltfußballverband Fifa verkündet, dass der Iran das Verbot aufheben wolle. Die Regierung widersprach. Die religiösen Führer lehnen auch den Vorschlag des Sportministeriums ab, Frauen auf "Familientribünen" zuschauen zu lassen. (Handelsblatt/Deutsche Welle)

Allerdings zensierten nicht alle Sender Steinhaus – unter anderem der Sportkanal Varzesh 3 zeigt die Schiedsrichterin in seinem Mitschnitten. 

Das zeigt, wie sehr der Iran im Wandel ist: Der liberale Präsident Hassan Ruhani will das Land öffnen und gerade der Jugend eine Chance geben. Die religiöse Kaste rund um Ajatollah Ali Khamenei will hingegen an den strengen Regeln festhalten – und Ruhani wieder loswerden. (Hier erfährst du mehr zum Iran)

Eine Sache, die neben Bibiana Steinhaus allerdings ebenfalls für Diskussionen sorgte: Warum hatten die Kölner eine Ziege ins Stadion mitgebracht?

Bei "Pars News" wunderte man sich über diesen “interessanten” Vorgang – und zeigt dazu ein Bild der Ziege. Dass es sich um das Maskottchen der Kölner handelt, wussten die Redakteure wohl nicht.


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Seehofer bejubelt eine Kriminalstatistik – die so gar nicht stimmt
Welche Straftaten erfasst werden – und welche nicht.

Deutschland ist sicherer geworden. Das verkündete Innenminister Horst Seehofer am Dienstag – und stellte die neue Polizeiliche Kriminalstatistik für das vergangene Jahr vor.

Das Ergebnis: Fast zehn Prozent weniger Straftaten gab es im Jahr 2017. Konkret wurden 5,76 Millionen Straftaten registriert – so wenige wie seit 25 Jahren nicht. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist die erfasste Kriminalitätsrate sogar so niedrig wie seit 30 Jahren nicht. (SPIEGEL ONLINE)

Doch lässt die jetzt veröffentlichte Statistik auch den Schluss zurück, dass es in Deutschland tatsächlich sicherer geworden ist?