Bild: dpa; Montage: bento
Junge Iranerinnen und Iraner sind eher wenig begeistert.

Bibiana Steinhaus ist die erste deutsche Schiedsrichterin, die auch in der 1. Bundesliga pfeifen darf. Mehr Gleichberechtigung auch im Fußball – ja, das geht, wenn auch sehr langsam.  

In Iran allerdings kann man sich mit dem Bild einer Schiedsrichterin auf dem Spielfeld nicht anfreunden. Das Land ist fußballverrückt – und überträgt viele Spiele der deutschen Bundesliga. 

Doch nun wurde das Spiel FC Bayern gegen FC Augsburg kurzfristig gecancelt – wegen Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. 

Wieso die Zensur?

Im Iran gilt ein Verhüllungsgebot für Frauen. Die religiösen Hardliner im Land berufen sich auf den Islam und wollen Frauen das Kopftuch vorschreiben – obwohl im Koran gar keine expliziten Kleidervorschriften erwähnt werden. Viele Iranerinnen tragen ihre Kopftücher nur sehr locker, die wenigsten verhüllen ihr Gesicht.

Dennoch: Wenn eine Frau beim Spiel ohne Kopftuch und noch dazu in kurzen Hosen zu sehen ist, geht das zu weit, sagen einige Kleriker. Also sollen die Zuschauer sie auch nicht zu sehen bekommen. Da Bibiana Steinhaus die Schiedsrichterin der Partie war, wurde sie kurzerhand abgesagt.

So berichtet es die Journalistin Natalie Amiri:

Es ist nicht das erste Spiel mit Bibiana Steinhaus, das im Iran für Ärger sorgte. Bereits im Mai vergangenen Jahres war sie bei einer Partie zwischen Köln und Bayern auf dem Feld. Damals wurde das Spiel gezeigt, aber Steinhaus wurde zensiert. 

Während im deutschen TV Steinhaus immer wieder in Nahaufnahme zu sehen war, bekamen die Zuschauer im iranischen Staatsfernsehen Bilder von der Tribüne im Kölner Stadion zu sehen. So entging ihnen auch, dass der Kölner Trainer Stefan Ruthenbeck von Steinhaus auf die Tribüne geschickt wurde. Nach seinen Pöbeleien saß er plötzlich einfach auf der Tribüne.  

Wer ist Bibiana Steinhaus?

Die 39-jährige Polizistin pfeift seit der vergangenen Saison Spiele in der ersten Bundesliga. Am 10. September 2017 gab sie ihr Debüt beim Spiel Hertha BSC gegen Werder Bremen. Als Vierte Offizielle hatte sie auch davor schon am Seitenrand das Spiel kontrolliert. 2007 kam sie zum ersten Mal in der zweiten Liga zum Einsatz.

(Bild: Rolf Vennenbernd/dpa)

Wie wird die Spiel-Zensur im Iran kommentiert?

Auch im fußballverrückten Iran selbst ist die Zensur immer wieder Thema. Beim beschnittenen Spiel im Mai kritisierte die Nachrichtenseite "Pars News" die veränderten Bilder als "merkwürdigen Akt". Demnach wurden im Spiel permanent Zeitlupen-Szenen hineingeschnitten – um Momente zu kaschieren, in denen Steinhaus in Großaufnahme zu sehen war. Der Sportkanal Varzesh 3 zeigte damals die Schiedsrichterin in seinen Mitschnitten. Über das aktuelle Spiel gibt es hingegen noch keine Berichte.

Dafür beschwerten sich viele Zuschauer im Netz. Nutzerinnen auf Twitter forderten mehr Rechte für Frauen und nutzen einen Hashtag, der übersetzt so viel wie "40 Jahre Enttäuschung" bedeutet. Damit kritisieren Oppositionelle und im Exil lebende Iranerinnen und Iraner die Regierung in Teheran. 

Vor genau 40 Jahren, 1979, hatten die Kleriker in einer Revolution das Land umgestürzt und ihre islamische Republik ausgerufen. Seither sind Politik, Wirtschaft und Militär in den Händen der alten Geistlichen, unterdrückt wird jeder, der sich nicht anpasst.

Auch junge Männer stören sich an der Entwicklung im Land. Über das alte Spiel schrieb einer auf Twitter, Steinhaus habe das Spiel der Männer "gemeistert" – während im Iran Frauen noch nicht mal ins Stadion dürften.

  • Tatsächlich war es Frauen in Iran lange verboten, Sportevents in Stadien zu besuchen. Die Angst der Kleriker im Land: Sie könnten so in Kontakt mit Männern kommen. Anfang des Jahres hatte der Weltfußballverband Fifa verkündet, dass der Iran das Verbot aufheben wolle. Die Regierung widersprach. Die religiösen Führer lehnen auch den Vorschlag des Sportministeriums ab, Frauen auf "Familientribünen" zuschauen zu lassen. (Handelsblatt/Deutsche Welle)

Der Streit über die Zensur und die Stimmen im Netz zeigen – im Iran passiert was.

Der liberale Präsident Hassan Ruhani will das Land öffnen und gerade der Jugend eine Chance geben. Die religiöse Kaste rund um Ajatollah Ali Khamenei will hingegen an den strengen Regeln festhalten – und Ruhani wieder loswerden. (Hier erfährst du mehr zum Iran)

Auch wenn die Alten noch an der Macht sind, viele jüngere Iraner nehmen den Stillstand nicht länger hin. Fragt sich nur, ob und wie sie ihr Land modernisieren können – ohne einen neuen Krisenherd im Nahen Osten zu schaffen.


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