Bild: Malte Christian
"Ich finde die Cheerleaderinnen überflüssig und peinlich"

In Hamburg findet grade die Weltmeisterschaft im Beachvolleyball statt: mit Sand, Schweiß und Badehosen. Beachvolleyball ist ein Nischensport. Wenn nicht WM ist, sind die Ränge leer. Besonders, wenn die Männer spielen. Spielen die Frauen, tauchen die Zuschauer auf – und die Fotografen mit Teleobjektiven.

Denn der Beachvolleyball hat ein Sexismusproblem.

Gerade hat das norwegische Team die Debatte darüber wieder angestoßen. Mit der Frage: Warum tanzen in den Pausen eigentlich Cheerleaderinnen im Bikini? Nach #MeToo sei es völlig falsch, leichtbekleidete Tänzerinnen auftreten zu lassen, sagte eine mitgereiste Ex-Spielerin. Assistenztrainer Jetmund Berntsen nannte die Cheerleaderinnen "altmodisch". (Welt)

Tim Simmons, 72, Medienbeauftragter des Weltverbands FIVB, kann mit dem Sexismus-Vorwurf nichts anfangen. Die Tänzerinnen seien Standard und "eher modern", sagte er der WELT. Es ist nicht die erste Seximusdebatte im Beachvolleyball.

Die Bikini-Debatte im Beachvolleyball

Der Volleyball-Weltverband FIVB schrieb bis 2012 vor, dass die Bikinis der Spielerinnen maximal sieben Zentimeter breit sein dürften (faz). Die Regel wurde laut FIVB aus "Respekt vor Sitten, Religionen und Bräuchen" allerdings wieder aufgehoben.

Wir haben die WM-Volleyballerin Sarah Schneider, 23, gefragt: Wie sexistisch ist der Sport? Und was hält sie von den Tänzerinnen?

Du bist 17 geworden, Glückwunsch. Die WM war dein erstes großes Turnier.

Ja, ich war schon ziemlich aufgeregt. Eine Heim-WM ist was besonderes.

Das norwegische Trainerteam von Anders Mol hat sich über die Cheerleaderinnen beschwert. Wie denkst du darüber?

Ich finde die Cheerleaderinnen überflüssig und peinlich. Meiner Meinung nach wertet es die professionelle und spektakuläre Sportart ab. Deswegen kann ich die Kritik der Norweger nur unterstützen. Es ist weder zeitgemäß, noch bringt es den Sport in irgendeiner Weise nach vorne.

Hast du das Gefühl, dass du in deinem Sport aufs Äußere reduziert wirst?

Am Ende zählt halt nur das Ergebnis und nicht das Aussehen. Die Kleidung, die wir tragen, sorgt natürlich dafür, dass unsere Körper häufig im Fokus der Öffentlichkeit stehen und da nervt es natürlich, in den Medien auf seine äußeren Merkmale reduziert zu werden. Seit die Regel mit den genauen Maßen für Bikini und Shorts nicht mehr gilt, habe ich schon oft überlegt ein Statement zu setzen und in einem Rock, oder längeren Shorts zu spielen. Das würde ich dann allerdings nicht für den  des sportlichen Nutzen, sondern wegen der Aufmerksamkeit machen. Für uns ist es bei 40 Grad im Sand am Ende aber am Angenehmsten, wenn wir im Bikini spielen.

Fühlst du dich in deiner Arbeitskleidung wohl?

Ja, mittlerweile schon. Es gab aber auch Zeiten, in denen mir es unangenehm war, im Bikini aufs Spielfeld zu gehen. In Deutschland wird penibel darauf geachtet, dass man kein Kilo zuviel auf den Rippen hat und wenn man mal nicht in Top-Form ist, fällt das in unserer Kleidung natürlich schnell auf. Deswegen sollte es zur Normalität werden, dass jeder das anhat, worin er sich wohlfühlt. Beachvolleyballerinnen sollten in ihrer Arbeitskleidung akzeptiert und als professionelle Sportlerinnen angesehen werden – und nicht als Mädels in knappen Höschen.

Glaubst du, dass es für Volleyballerinnen schwieriger wäre sich zu vermarkten, wenn ihr nicht auf euer Äußeres reduziert werden würdet?

Ich finde es ehrlich gesagt schon jetzt sehr schwierig, sich als Volleyballerin überhaupt zu vermarkten. Unternehmen trauen dem Sport wenig zu. Da Fußball in Deutschland auf der Beliebtheitsskala mit Abstand die Nummer eins ist, werden Randsportarten wie Volleyball unglaublich vernachlässigt. Da müsste auch ein Umdenken in der Bevölkerung stattfinden.

Gibt es Länder in denen es besser läuft?

Auf jeden Fall. In Polen und Italien wird Volleyball regelmäßig im Fernsehen gezeigt. Dadurch können die Teams mehr Werbeeinnahmen generieren und die Sportlerinnen angemessen bezahlen. Hier sind wir finanziell auf die staatliche Sportförderung angewiesen, die über die Bundeswehr läuft. Deswegen bin ich auch Sportsoldatin.

Hast du schon negative Erfahrungen mit sexistischen Zuschauern gehabt?

Es gibt ab und zu natürlich unangebrachte Kommentare. Wir scherzen allerdings auch und nehmen das Ganze locker. Wenn sowas passiert, gibt’s nen doofen Spruch zurück, ich überzeuge dann mit meiner Leistung und die Sache hat sich für mich erledigt. Oder man entgegnet solchen sexistischen Äußerungen halt mit Nichtachtung. Die meisten dieser Idioten sind wahrscheinlich betrunken und nicht am Sport interessiert. Natürlich ist das Beachen freizügig. Daraus zu schließen, dass man uns deswegen blöd anmachen darf, ist aber bescheuert.

Und was wünschst du dir für die Zukunft?

Mein langfristiges Ziel sind die Olympischen Spiele 2024. Wenn ich dort erfolgreich bin, nennt mich nämlich niemand mehr als "Strandschönheit", oder "Beachgirl" - dann wäre ich "Olympiasiegerin".

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