Bild: dpa (bento-Montage)
Woher kommt der Trend – und was sagt er über uns aus?


Hypegeist

Wie haben sich die Neunziger zurück in unsere Kleiderschränke gemogelt? Und warum tragen gerade alle ihr Handy am Halsband? In dieser Reihe gehen wir der Frage nach, wie es manche Trends geschafft haben, sich durchzusetzen – und was sie über unsere Gesellschaft aussagen.

Heute: American Football

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Was ist es?

Eine Sportart, die in Deutschland so wenig Tradition hat, wie Schrebergartenkolonien in Amerika. Als unwissende Kartoffel mag es einem zunächst befremdlich erscheinen, dass sich hier 22 Spieler um einen Ball schlagen, der erst bis hinter den Spielfeldrand befördert und danach noch durch ein Tor geschossen werden muss. Zum Glück merkt man schnell: Dahinter steckt viel mehr.

Wo sieht man es?

Auf ausgewählten Sportplätzen der Republik und seit einigen Jahren auch endlich im Fernsehen. 

Bis vor vier Jahren konnte man bei uns nur den Superbowl schauen, das Saison-Endspiel der amerikanischen Footballliga NFL. Seit 2015 zeigt das Sportmagazin "ran NFL" jede Woche ausgewählte Saisonspiele. Zwar auf einem Spartensender, aber für Footballfans besser als nichts. Denn hier werden geduldig Spielzüge und Regeln erklärt, Spieler vorgestellt und es wird auf Fragen der Zuschauer eingegangen. Ein Engagement, das der Sendung in diesem Jahr sogar den deutschen Fernsehpreis einbrachte.

Wer ist davon fasziniert?

Jugendliche, die die Klub-Wappen aus amerikanischen HipHop-Videos kennen; Mitdreißiger, die sich nochmal an ihr Auslandssemester in den USA erinnern möchten und in Superbowlparty-Erinnerungen schwelgen; oder Rentner, denen zwischen Gameshows und Bundesliga im Fernsehen noch zu viele Lücken sind. 

Vor einigen Jahren fühlte man sich als Football-Fan noch wie Indiana Jones, der mit der Bundeslade zu "Bares für Rares" geht und allen, die es wissen wollen oder auch nicht, von seinem geheimen Schatz erzählt. Mittlerweile sind im Verkaufsraum allerdings noch tausend andere Cowboyhut-Träger mit Goldschatz aufgetaucht. Längst sind es nicht mehr nur Hardcore-Fans, die sich über die NFL unterhalten. Begriffe wie "Fumble", "Flea Flicker", oder "Safety" sind auf Schulhöfen, in Büros und Unis längst Teil der Sportdiskussionen, in den Läden der Innenstädte findet man Trikots der Patriots, Raiders oder Packers. 

Football ist im Mainstream abgekommen. 

Was muss man beachten, wenn man dabei sein möchte?

Um sich der Bewegung anzuschließen, muss man sich eigentlich nur am Sonntag vor den Fernseher setzen, keine Angst vor Gehirnerschütterungen haben und aufmerksam den Regelerklärungen lauschen. Zum Superbowl empfehlen sich eine gewisse Partyfreude und ein paar gute Snack-Rezepte für die Halbzeitshow.

Warum gibt es den Trend gerade jetzt?

Ist es der verzweifelte Versuch, wieder etwas Schönes in den USA zu entdecken – orangefarbener Ball, statt orangefarbenem Präsidenten? Oder brauchen wir nach Jahren der Schwalben und des Geheules im Fußball endlich mal wieder einen Sport, in dem es erlaubt ist, sich gegenseitig aus dem Weg zu boxen – quasi Frustabbau via Fernseher?

Um den Hype um American Football zu verstehen, haben wir mit Anton Behrens (28) von der Deutschen Sporthochschule in Köln gesprochen. 

In seiner Promotion befasst er sich mit der Internationalisierung von Teamsport. Anton glaubt, dass es zwei wesentliche Treiber für den aktuellen Trend gibt. Zum einen habe die Verfügbarkeit von Football-Content in den vergangenen Jahren durch TV und Social Media extrem zugenommen. Außerdem sei durch Formate wie "ran NFL" viel dafür getan worden, auch dem unwissenden Zuschauer das Regelwerk zu vermitteln und so Interesse an dem Sport zu wecken.

Anton geht sogar so weit, zu sagen, dass Football für viele Sportfans eine Alternative zum Fußball werden könnte. Das liegt unter anderem an der "Competetive Balance": "In der NFL haben alle Vereine denselben Spieleretat, was für einen ausgewogenen Wettbewerb sorgt. Dass ein Team sieben Jahre hintereinander die Meisterschaft gewinnt, wie es in der Bundesliga mit dem FC Bayern München passiert ist, wird es im Football dadurch nicht geben", sagt er.

Die Meisterschaft wird im Football außerdem nicht über die Bilanz eines Teams in der gesamten Saison entschieden, sondern in einer K.O.-Phase nach 16 Spielen. So können Team-Paarungen entstehen, die nur anhand der Saisonbilanz nicht möglich wären. "Die Unberechenbarkeit des Sports macht ihn besonders spannend", sagt Anton.

Dass besonders junge Menschen Fans von American Football sind, liege daran, dass sie oftmals weltoffener und digital vernetzter als ihre Eltern seien. Außerdem sprächen viele Englisch auf fast muttersprachlichem Niveau und seien durch US-amerikanische Unterhaltungsmedien geprägt. Der Trend zeigt also auch einen starken USA-Bezug bei den jungen Generationen.

Eine Besonderheit auf dem deutschen Markt: Die hiesigen Fans seien in erster Linie Fans der gesamten Liga NFL – nicht von einzelnen Klubs. Denn: Der erste Kontakt zum Sport entstehe meist zufällig und nicht, wie im Fußball, durch familiäre Klubverbundenheit. Im Laufe der Zeit könne sich eine Neigung zu einem Team entwickeln, sagt Anton, häufig geschehe dies aber aus völlig banalen Gründen: Trikotfarbe oder Sympathien für eine bestimmte Stadt. 

Bleibt der Trend, oder gibt es bald die nächste Hypesportart?

Liegen sich deutsche Football-Fans bald beim Public Viewing im Biergarten in den Armen, während Marc Forster aus den Boxen dröhnt, oder ist in zwei Jahren eine ganz andere Sportart der letzte Schrei?

Anton glaubt, dass der Hype, den American Football in Deutschland momentan erlebt, nicht in anderen Sportarten möglich ist. "Football hat eine einmalige Position, da es weltweit keine ernstzunehmenden Konkurrenzligen gibt. Basketball wird beispielsweise auch in Spanien auf sehr hohem Niveau geboten, Baseball auch in Japan. Football ist dagegen einzigartig mit den USA verankert – genau das macht den Reiz aus", so Anton. 

Zum einem richtigen Durchbruch in Deutschland fehle allerdings eine bekannte deutsche Figur in der NFL – so wie Dirk Nowitzki es im US-amerikanischen Basketball war.



Future

Immer wieder nur auf Zeit: Was geht bei befristeten Arbeitsverträgen – und was nicht?
Bürokratie erklärt in weniger als fünf Minuten

Fast jede zweite Neueinstellung von unter 25-Jährigen im Jahr 2018 war befristet. Bei den 25- bis 39-Jährigen waren es immer noch 36 Prozent. Das ergab eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. 

Ein befristeter Vertrag muss an sich erst mal nicht schlecht sein – schließlich gilt die Befristung für beide Seiten: Auch als Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin kannst du dir das Ende der Befristung zum Anlass nehmen, einige Punkte nachzuverhandeln oder den Job an sich noch einmal zu überdenken.

Wenn sich aber ein befristeter Vertrag an den nächsten reiht, dann ist man zurecht irgendwann frustriert. 

Sesshaft werden, eine Familie gründen, Kredite aufnehmen – schwierig, wenn man nie sicher weiß, ob man in einem oder zwei Jahren noch genug Geld dafür hat.