Wir haben den Vogelball in Hamburg-Wilhelmsburg besucht

Schnabelmaskenmenschen treffen auf gefiederte Fabelwesen, überall Glitzer, Federn und Feen-Flügel: Am Wochenende haben sich Tausende Menschen in Hamburg-Wilhelmsburg zu Elektro und Sonne getroffen und den jährlichen Vogelball gefeiert. Der queere Maskenball geht seit fünf Jahren der großen Festival-Schwester Dockville voraus.

Die verkleideten Feier-Vögel wollen ein Zeichen setzen für Toleranz und ein offenes Hamburg.
Ein bisschen Fusion-Festival in Wilhelmsburg(Bild: Evgeny Makarov )

Denn zur Freiheit gehört nicht nur eine durchtanzte Nacht ohne Gedanken an Morgen: Frei ist nur, wer sich nicht ständig gegen Vorurteile oder sogar Ablehnung wehren muss.

Wir haben uns auf dem Vogelball umgesehen und umgehört: Was denken die tanzenden, feiernden und strahlenden Menschen hier über Freiheit? Wann fühlen sie sich frei, was schränkt ihre Freiheit ein?

Ihre Antworten und ihre tollen Kostüme hier in der Slideshow:
Lisa: "Ich bin professionelle Tänzerin und ich kann mich durch Tanz befreien. Nur noch Sein und Fühlen, das ist für mich Freiheit. Wenn ich nicht mit mir selbst verbunden bin, sondern noch in der Außenwelt stecke, hindert mich das daran, wirklich loszulassen. Deshalb ist es auf jeden Fall leichter frei zu sein, wenn man die Augen zumacht."
Mattes: "Wann ich mich frei fühle? Das ist schwer zu sagen. Vielleicht, wenn ich ich selbst sein kann. Zum Beispiel hier. Ich bin 364 Tage im Jahr verkleidet, nur auf dem Vogelball nicht."
Fabian: "Ich war heute zuerst auf dem Christopher Street Day, bin dann nach Hause gefahren und habe meinen Bart geschmückt. Als ich in der Bahn saß hat mich niemand komisch angeschaut. Das schätze ich an Hamburg, es gibt diese Toleranz, die es mir erlaubt, mich frei zu fühlen, egal ob mit Federn oder eben in Bezug auf sexuelle Freiheit."
Anja: "Ich mache seit zwei Jahren eine Clowns-Ausbildung. Dabei habe ich gelernt, dass frei sein heißt, nicht zu werten. Der Clown geht an alles mit einer neugierigen Grundhaltung ran, lässt sich auf den größten Quatsch ein. Unfrei ist man dann, wenn man alles in Schubladen steckt und nicht wie ein Clown offen bleibt für Neues."
Mirko: "Hier unter so vielen losgelösten Menschen fühle ich mich frei. Aber natürlich beschränkt sich dieses Gefühl nicht nur auf Festivals. Ein wichtiger Aspekt ist auf jeden Fall die freie Meinungsäußerung. Man sollte sich nicht von einseitigen Medien zu sehr beeinflussen lassen, das schränkt sonst unsere Freiheit ein."
Julia: "Freiheit bedeutet für mich, Zeit mit meinen Freunden verbringen zu können, trotz Kind und Kegel. Des genieße ich sehr! Ich wünschte mir, dass sich alle Leute, egal welcher sexuellen Orientierung, immer frei fühlen könnten. Das Attentat in Orlando hat aber leider gezeigt, dass unsere Welt noch nicht so weit ist."
Zozan: "Um mich wirklich frei zu fühlen, brauche ich meine Liebsten um mich herum – und die Natur. In der Stadt kann ich selten wirklich frei sein."
"Unter meiner Perücke habe ich schwarze Haare. Es gab schon ein paar Situationen, in denen ich mit Vorurteilen konfrontiert war, weil ich “ausländischer” aussehe als andere. Das ist natürlich etwas, was Freiheit enorm einschränken kann."
Simon: "Ich finde es beängstigend, wie sich manche Leute an Normalitäten klammern und dabei ihre Freiheit verlieren. Sie wollen die klassische Laufbahn haben und sehen nicht die vielen Alternativen. Wenn man nur die Wege geht, die einem von der Familie, der Gesellschaft vorgelebt werden, ist man unfrei. So will ich nicht leben."
Nina: "Wenn ich reise, bin ich frei. Einfach ins Auto setzen, Roadtrip starten. Vergangene Woche sind wir ohne Plan losgefahren, haben uns treiben lassen und sind dort geblieben, wo es uns gefallen hat."
"Im Alltag ist das ein bisschen schwieriger als alleinerziehende Mutter. Deshalb ist der Vogelball heute wirklich eine gute Abwechslung, einfach verrückt und mit Flügeln durch den Tag zu tanzen."
Roman: "Definieren würde ich Freiheit für mich so, dass ich nicht zwanghaft versuche, aus dem ganzen System auszubrechen, sondern eben die Strukturen hinterfrage und selbstbestimmt damit umgehe. Dann habe ich die freie Entscheidung, ob ich eine Tradition annehme oder nicht."
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Vielen Dank an unseren Fotografen Evgeny Makarov! Noch mehr Vogelball-Fotos gibt es auf Instagram unter #vogelball

Auf dem Dockville-Gelände im Hamburger Hafen gibt's jeden Sommer diverse Festivals(Bild: Evgeny Makarov )


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Viele Briten wollen raus – aus Großbritannien
Google: Wie wandere ich nach Neuseeland aus?

Die einen wollen raus aus der Europäischen Union. Die anderen wollen nun womöglich raus aus Großbritannien. Nach dem Brexit-Votum am 23. Juni überlegen sich wohl viele britische Brexit-Gegner, nach Neuseeland oder Australien auszuwandern. Auf jeden Fall sehen sie sich schon mal eifrig auf den Webseiten der dortigen Einwanderungsbehörden um.

In den ersten beiden Wochen nach dem Votum hätten sich die Klicks allein auf der neuseeländischen Seite mehr als verdoppelt, von durchschnittlich 1700 auf 5300 (Merkur.de). Noch viel mehr haben sich auf einer Webseite registriert, über die man automatisch Informationen über Studien-, Arbeits- und Investmentmöglichkeiten in Neuseeland bekommt. Bleibt abzuwarten, wie viele tatsächlich ernst machen.