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Und warum er der Kirche trotzdem treu bleibt.

Die katholische Kirche hält nichts von Geschlechtsangleichungen – auch nicht im Jahr 2019: In einem neuen Dokument hat sich der Vatikan gegen eine "Gender-Theorie" ausgesprochen, nach der Menschen ihr Geschlecht angeichen können. 

Das Dokument wurde vom Kongregation für das katholische Bildungswesen erstellt und lautet: "Als Mann und Frau schuf Er sie". Es richtet sich an katholische Lehrer, Eltern, Schüler und Geistliche. Die katholischen Gelehrten äußern darin Ideen, wie man Sexualität und geschlechtliche Unterschiede im Unterricht lehren könne.

Damit kritisiert die katholische Kirche erstmals offiziell unter Papst Franziskus die Konzepte Intersexualität und Transsexualität – und stößt der katholischen LGBT-Gemeinschaft so vor den Kopf.

Zwar werben die Autoren für einen Dialog zwischen Anhängern und Kritikern der "Gender-Theorie" und wollen an Schulen eine "positive und umsichtige sexuelle Aufklärung" ermöglichen – gleichzeitig aber erteilen sie der Transsexualität allgemein eine Absage. Fließende Grenzen zwischen Geschlechtern seien ein Symptom eines "konfusen Konzepts der Freiheit", Männlichkeit und Weiblichkeit als Basis der Familie solle so verwischt werden. Im Unterricht, so die Empfehlung, solle daher auf Begriffe wie "Transgender" und "Intersexualität" verzichtet werden.

Der Kurs reiht sich ein in eine schon länger sichtbare Haltung von Papst Franziskus gegenüber der LGBT-Gemeinde. Vor drei Jahren sagte er, man dürfe Transsexuelle zwar nicht ausgrenzen, Geschlechtsangleichungen im Unterricht zu thematisieren sei jedoch "Ideologie" (Katholisch.de). Im vergangenen Jahr bezeichnete er Homosexualität als "Mode", im Klerus sollten Menschen mit "dieser tiefverwurzelten Tendenz" keinen Platz haben (Tagesspiegel). Wenige Monate zuvor empfahl er Eltern von homosexuellen Jugendlichen, diese zum Psychiater zu bringen (Queer.de).

Wie stehen junge Katholiken zum Vatikan-Papier über Transsexualität? Und wie blicken sie auf ihren Papst?

Wir haben mit Francis DeBernardo, Leiter von "New Ways Ministry" gesprochen. Der britische Verein setzt sich weltweit für homosexuelle und transsexuelle Katholiken ein und wirbt für eine offene und tolerante Kirche. In einer ersten Stellungnahme haben sie das Vatikan-Papier scharf kritisiert.

Francis, was stört dich an der Haltung des Vatikans?

"Diese Schrift ist ein sehr gefährliches Dokument. Zum einen wird es Menschen schaden, die sich über ihre Sexualität im Unklaren sind. In ihren Zweifeln bleiben sie allein und verwirrt. Außerdem wird es anderen das Gefühl geben, es sei richtig, sich über Transpersonen und auch Schwule und Lesben zu erheben." 

Die Schrift aus dem Vatikan wird Gewalt entfachen.
Francis DeBernardo

Aber im Papier steht doch, man wolle den Dialog und auch Betroffenen zuhören.

"Unseren Verein gibt es seit 42 Jahren und seit 42 Jahren reden wir von einem Dialog, ohne gehört zu werden. Wenn in dem Dokument nun etwas von Dialog steht, ist das ein Satz ohne Bedeutung. Ich glaube nicht, dass sie im Vatikan wirklich so offen sind. Ja, sie haben verstanden, dass es Transsexualität gibt – gleichzeitig bezeichnen sie aber jeden, der über Transsexualität spricht, als 'Ideologen'. Wie soll man jemandem zuhören, den man schon vor dem Dialog aburteilt?"

Was würde der Vatikan deiner Meinung nach hören, wenn er wirklich zuhört?

"Er würde Geschichten voller Mut und Stärke hören, vollem ehrlichen Glauben. LGBT-Menschen mussten im Leben durch viele Widerstände und haben verstanden, dass Gott sie so einzigartig erschaffen hat, wie sie sind. Das gibt ihnen enorme Kraft und ein Verständnis von der Liebe zu Gott, wie es sich der Vatikan nur wünschen kann." 

Wenn der Vatikan wirklich der LGBT-Gemeinde zuhören würde, er würde Geschichten voller Hingabe hören.
Francis DeBernardo

Wenn dich diese Ignoranz so frustriert, warum bist du eigentlich nicht längst aus der Kirche ausgetreten?

"Ich bin Katholik, also liebe ich meine Kirche. Es ist mein Zuhause, meine Heimat. Jesus hatte einst alle Menschen willkommen geheißen und war jedem mit Respekt begegnet. Ich möchte, dass meine Kirche zu dieser Offenheit zurückkehrt. Darum bleibe ich ihr treu – ich will, dass meine Kirche besser wird."

Was könnte die Kirche – neben dem gewünschten Zuhören – noch besser machen?

"Der Vatikan muss sich selbst besser bilden. In dem jetzt veröffentlichten Dokument wird die moderne Genderforschung komplett ignoriert. Die Gelehrten beziehen sich auf veraltete soziologische Untersuchungen und sind gänzlich unvorbereitet, was jüngste Erkenntnisse über Sexualität und Identität angeht."

Wir leben im 21. Jahrhundert, also könnte auch der Vatikan dort ankommen.
Francis DeBernardo

Glaubst du, dass Papst Franziskus der Richtige für diesen Job ist?

"Ich glaube, dass Papst Franziskus nicht allem zustimmt, was in dem Papier behauptet wird – er ist wahrscheinlich offener als viele andere im Vatikan. Immerhin, trotz all seiner Kritik an der LGBT-Gemeinde, hat er immer den Dialog beschworen.

Der Papst hat meiner Meinung nach das Problem, dass er zum einen behutsam auf die LGBT-Gemeinde zugehen möchte, aber zum anderen von ihnen erwartet, den katholischen Blick auf Sexualität zu akzeptieren. Diesen Spagat kann er nicht mehr auflösen. 

Ich verehre Papst Franziskus dennoch dafür, dass er überhaupt erst die LGBT-Diskussion in die Kirche geholt hat. Unter Johannes Paul II. oder Benedikt XVI. war das undenkbar. Den Wandel zu einer tatsächlichen Öffnung vollziehen muss dann aber jemand, der nach Papst Franziskus kommt."


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