Bild: Pixabay
Damit wäre der US-Staat weiter als Deutschland.

Männlein, Weiblein, hetero: So soll es sein, finden noch immer viele konservative Menschen. Alles, was von dieser angeblichen Norm abweicht, gehört sich für sie nicht. Dass dies ihre Meinung ist – okay, das sei ihnen überlassen. Schlimm wird es allerdings, wenn diese Einstellung andere Menschen verletzt. 

Und das passiert leider sehr häufig. Nicht nur durch böse Worte und Alltagsdiskriminierung, sondern auch institutionalisiert – zum Beispiel in Form von sogenannter "Konversionstherapie" oder "Reparativtherapie". Das sind Kurse oder therapeutische Behandlungen, die LGBT-Menschen "heilen" sollen. Die Praktiken gelten schon lange als sehr gefährlich, darin sind sich Gesundheitsorganisationen einig. 

Als erster US-Bundesstaat will nun Kalifornien diese "Reparatur"-Behandlungen komplett verbieten. 

Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde in der vergangenen Woche vom Landesparlament mit großer Mehrheit bestätigt.

Wie läuft eine Konversionstherapie ab?

Das kann ganz unterschiedlich sein. Die Behandlungen werden nicht nur von Therapeuten, sondern auch von kirchlichen Vereinigungen oder Privatpersonen, die sich als eine Art Heilpraktiker bezeichnen, angeboten.

  • Manche der Betroffenen berichten von einer Gesprächstherapie, in der ihnen immer wieder gesagt wurde, ihre sexuelle Orientierung oder ihr körperliches Empfinden sei falsch, sie seien damit komplett allein auf der Welt und sie seien das Übel, von dem in ihrer Religion die Rede sei. 
  • Andere wurden sogar körperlich gefoltert, während sie sich Pornos mit homosexuellen Handlungen ansehen mussten – damit sie den Schmerz mit den sexuellen Trieben assoziieren. 

Welche Folgen hat das?

Die Behandlungen vermitteln den Betroffenen, sie seien minderwertig und "nicht richtig". Das kann zu schweren psychischen Problemen oder sogar Suizidgedanken führen. Vor allem, weil die Therapie häufig bei Jugendlichen durchgeführt wird. Laut dem Weltärztebund ist der Versuch einer Umkehrung von sexuellen Neigungen eine "Verletzung der Menschenrechte". 

Suizid - Hilfe in scheinbar ausweglosen Lebenslagen

Kreisen deine Gedanken darum, dir das Leben zu nehmen? Rede mit anderen Menschen darüber. Per Chat, Telefon, E-Mail oder im persönlichen Gespräch. Hier findest du - auch anonyme - Hilfsangebote in scheinbar ausweglosen Lebenslagen.

  • Homosexualität wurde von der Weltgesundheitsorganisation 1990 von der Liste der psychischen Krankheiten gestrichen. 

Daher empfiehlt die Organisation seitdem auch nicht mehr, es zu therapieren. Einige Länder sind noch einen Schritt weitergegangen und haben die Behandlungen verboten. So zum Beispiel in Malta. Dort müssen Personen oder Organisationen, die dagegen verstoßen, mit Geldstrafen von bis zu 10.000 Euro rechnen. (Hier gibt es dazu einen Report.)

In den USA ist es bisher in einer Handvoll Staaten verboten, die Konversionstherapie bei Kindern und Jugendlichen durchzuführen. Kalifornien wäre allerdings der erste Bundesstaat, der die Therapie zusätzlich auch bei Erwachsenen verbietet.

Wie sieht die Lage in Deutschland aus?

In Deutschland sind solche Therapien bisher komplett legal. Die Grünen kämpfen seit vielen Jahren dafür, das zu ändern. 2013 legten sie eine Gesetzesinitiative im Bundestag vor, welche die Behandlungen an Kindern und Jugendlichen verbieten sollte. (Süddeutsche

Sie wurde abgelehnt.

Die Bundesärztekammer begründete dies anschließend auf Anfrage damit, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben solle, sich aus freien Stück für eine solche Therapie zu entscheiden.

Aber es tut sich trotzdem etwas: Anfang März diesen Jahres stimmte das EU-Parlament mit 435 zu 109 Stimmen, für einen Antrag, der Behandlungen zur "Heilung" von Homosexualität verurteilt. (queer.de)


Videos

In diesen Kuppeln kann man den Smog aus aller Welt einatmen
Es geht um ein wichtiges Signal.

In einer Kunstinstallation in London können Besucher und Besucherinnen in fünf miteinander verbunden Kuppeln die Luft verschiedener Städte einatmen.

In den Pollution Pods werden die Luftverhältnisse verschiedener Orte chemisch nachgeahmt. Die Reise beginnt in Peking, geht über São Paulo, die norwegische Tautra Insel nach London und endet in Neu-Delhi.