Stefan Schmid, 22, aus Niederbayern
Als mir klar wurde, dass ich queer bin …

... war ich 18 und gerade mit einem Freiwilligendienst in Polen. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich im Bett lag und einige Male in die leere Wohnung hinein sagte: "Ich bin schwul. Ich bin schwul. Ich bin schwul." Ich wollte hören, wie das klingt. 

Und plötzlich klang es vollkommen okay. Obwohl ich alleine war, musste ich lachen. Natürlich habe ich mich schon lange Zeit davor gefragt, ob ich jetzt heterosexuell, homosexuell oder doch irgendwie beides bin. 

Aber um es mir einzugestehen, brauchte ich Abstand von meinem gewohnten Lebensumfeld und Macklemores "Same Love" in Dauerschleife.


Queere Momente:

Beim Finden von sexueller Identität gibt es für jeden prägende Momente. Um die soll es hier gehen - für alle, die sich selbst als "queer" bezeichnen würden. 

Besonders schwierig fand ich ...

... diese Zeit der Unsicherheit. Zum Beispiel mit 15 auf "Besinnungstagen" in der neunten Klasse - da sollten wir über Themen reden, die in der Pubertät eine Rolle spielen. Bei einem Spiel fragte mich dann eine Mitschülerin: "Stefan, sollten Homosexuelle das Recht haben, Kinder zu adoptieren?" Gelächter. 

Allen war klar, dass die Frage insgeheim lautete: Stefan, bist du schwul? 

Ich wusste keine Antwort. Ich wusste, dass ich andere Jungs attraktiv fand, aber romantisch verliebt hatte ich mich immer nur in Mädchen. Bis ich beides in einem einzelnen Menschen finden durfte, sollten noch ein paar Jahre vergehen.

Be proud: Wie Eltern für ihre LGBTQ-Kinder auf die Straße gehen:
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Als ich mein erstes Coming-Out gegenüber einer Freundin hatte …

... saßen wir als Erstis am Boden meines WG-Zimmers, aßen misslungene Dinkelpizza und redeten über einen schwulen Bekannten. Auf mein "Ich bin übrigens auch queer" meinte sie nur: "Ich auch". Wir waren beide so überrascht von der Situation, dass wir erst eine Weile geschwiegen und dann das Thema gewechselt haben. Diese Reaktion hatten wir wohl beide nicht so erwartet.

Seitdem kann ich gut nachvollziehen, wie es all denen geht, gegenüber denen ich mich oute. 



Was sollen sie auch sagen?

Plötzlich sehen sie mich in einem ganz neuen Licht.

Mehr Queere Momente gefällig? Bitte sehr:
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Meine Mutter wechselte bei meinem Outing ...

... innerhalb weniger Minuten von "Bist du dir sicher?" zu "Du warst schon immer ein komischer Vogel" und landete schließlich bei "Wir haben dich lieb und stehen immer hinter dir, egal was ist".

Als die Überraschung verdaut war, stellte sie viele Fragen: Wie geht es dir damit? Wer weiß noch davon? Kann ich dich irgendwie unterstützen? Empathie zu zeigen und Fragen zu stellen war wohl die beste Art zu reagieren.

Darin war meine Mutter mir einen Schritt voraus. Heute führe ich eine Fernbeziehung und als ich kurz vor meinem 22. Geburtstag meinen Eltern meinen Freund vorstellen durfte, verstanden sich alle prächtig.


Wenn mein Freund und ich Händchen haltend durch die Stadt laufen, …

... fällt das den wenigsten Leuten auf. Manche Leute lächeln uns zu, andere scheitern kläglich am Versuch, uns unauffällig zu beobachten. Im vergangenen Herbst sind wir mit polnischen Freundinnen und Freunden durch Warschau geschlendert, und sie waren überrascht, dass wir uns das trauen. 

 Für unsere Freundinnen und Freunde waren wir ein soziales Experiment auf vier Beinen. Forschungsergebnis: Vielleicht ist selbst das katholische Polen mittlerweile toleranter als man denkt. 

Ich jedenfalls genieße meine Freiheit mehr, als ich es je für möglich gehalten hätte

Stefan, 22

kommt aus Niederbayern und ist nach seinem Freiwilligendienst in Warschau für den Bachelor in Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaften nach Halle (Saale) gezogen. Zuletzt schickte ihn seine Begeisterung für Osteuropa nach Cluj-Napoca, Rumänien, wo er endlich wieder mehr Zeit zum Lesen fand. Er freut sich über Brettspielabende und das Kochen mit der WG in Halle.


Today

Camper wacht auf, weil Bär seinen Kopf im Maul hat

Spätestens seit der verstörenden Kampfszene in "The Revenant" wissen wir, dass mit Bären nicht gut Kirschen essen ist. Aber während der Bär, gegen den Leonardo DiCaprio kämpfte, bloß CGI war, hatte ein US-Teenager eine sehr reale Begegnung: Dylan, ein 19-jähriger Mitarbeiter eines Feriencamps in einem Nationalpark in Colorado, wurde im Schlaf von einem Schwarzbär angegriffen.

Dylan schlief gemeinsam mit anderen Mitarbeitern des Camps im Freien. Gegen vier Uhr nachts wurde er von einem "knirschenden Geräusch" und "großen Schmerzen“ geweckt, wie er dem Fernsehsender CBS schildert: "Der Bär hatte meinen Kopf in seinem Maul und schleifte mich über den Boden." (CBS)